Netzpolitik 

Artikel 13 im Diskurs: Steht YouTube vor dem Aus?

Hat YouTube rechtzeitig reagiert oder ist der Kampf schon verloren?
Hat YouTube rechtzeitig reagiert oder ist der Kampf schon verloren?
Foto: imago/Christian Ohde
Hashtags wie #SaveTheInternet und #SaveYourInternet überschwemmen seit Monaten das Netz. Nun hat auch YouTube erkannt, was die Urheberrechtsreform für das Netzwerk bedeutet.

Das Internet scheint mal wieder zum Krisenschauplatz zu mutieren: YouTuber weinen vor laufender Kamera, reden von Zensur und ein bekannter Hashtag sorgt erneut für Angst und Schrecken im Netz. Der YouTube-Konzern hat sein Ziel erreicht: Die Nutzer mobilisieren sich in Scharen gegen Artikel 13 der Urheberrechtsreform. Doch ist es dafür nicht schon zu spät?

YouTube-Chefin sieht Artikel 13 als Freiheitsberaubung

Die Reform zum "Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt der EU" wurde mit der Abstimmung im EU-Parlament am 12. September angenommen und zum Trilog freigegeben, an dem sich die Piraten-Abgeordnete Julia Reda als Schattenreporterin beteiligt. Er bietet Parlamentariern und Ministern der Mitgliedsstaaten eine letzte Möglichkeit, Änderungen und Kompromisse zu erreichen.

Auch die YouTube-Chefin Susan Wojcicki hat sich im Creator Blog zu den Richtlinien, insbesondere aber zu den umstrittenen Artikeln 11 und 13, geäußert. Ihre Behauptung: Artikel 13 bedrohe die Freiheit von Millionen von YouTube-Machern und -Nutzern, Inhalte auf Plattformen wie YouTube hochzuladen oder zu sehen. Was ihr alles zur neuen Richtlinie, der Abstimmung sowie den resultierenden Konsequenzen wissen müsst, erfahrt ihr hier.

Gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) wies ein Sprecher der EU-Kommission die Vorwürfe zurück. Die geplante Reform richte sich nicht gegen Youtube oder seine Nutzer. Das Hochladen und Konsumieren kreativer Inhalte solle weiterhin möglich sein. Jedoch sollen die Rechte der Videourheber gestärkt werden. Damit in Verbindung stehe auch deren bessere Vergütung.

YouTube in Angst vor der Reform

Nun mobilisiert YouTube seine Nutzer auf allen Wegen dagegen vorzugehen. So würde Artikel 13 laut YouTube die Jobs der europäischen YouTuber, Unternehmer, Künstler und deren Mitarbeiter gefährden. Auch wird die Angst geschürt, dass europäische Zuschauer den Zugang zu Milliarden von Videos aus der ganzen Welt verlieren würden.

YouTuber und Aktivisten betiteln das geplante Vorhaben als "Zensur" und liegen damit auch nicht gänzlich falsch. Zwar verwendet YouTube bereits das sogenannte ContentID-System, allerdings hat es bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass derartige Algorithmen keineswegs fehlerfrei funktionieren. Dessen sind sich auch Tausende Helfer in ganz Deutschland bewusst.

Potential und Gefahr

Man bedenke hierbei, dass die YouTube-Mutter Google eines der erfolgreichsten Tech-Unternehmen weltweit ist. Ein Algorithmus aus dem Schoß der EU hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit eine entsprechend höhere Fehleranfälligkeit zu verzeichnen, während Zitation und damit einhergehend sowohl die Informations- als auch die Meinungsfreiheit massiv geschwächt würden.

Eine weitere wesentliche Rolle spielt das geplante Leistungsschutzrecht nach Artikel 11 der Reform. Bereits 2013 ist ein ähnliches Gesetz in Kraft getreten und gescheitert. Bis heute warten Verlage vergebens auf die Millionen von Euro, die sie seitens Google zu erwarten hätten. Dabei schien die Urheberrechtsreform im Juli zunächst abgewendet, ein Insider berichtet.

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