Netzpolitik 

Brilliant: Künstler übertölpeln Nazis zur freiwilligen Preisgabe ihrer Identität

Mit einer Webseite tricksten Künstler die Nazis aus.
Mit einer Webseite tricksten Künstler die Nazis aus.
Foto: Screenshot/soko-chemnitz.de
Mit einem schlauen "Honeypot", einer Falle im Netz, hat ein Kollektiv zahlreiche Rechte dazu gebracht, sich selbst zu offenbaren, ohne es zu merken.

Ein ausgeklügelter Plan des Künstlerkollektives Zentrum für politische Schönheit (ZPS) hat dazu geführt, dass eine Vielzahl an Nazis identifiziert werden konnte. Das Erstaunliche: Die Rechtsextremen haben ihre Identität vollkommen freiwillig preisgegeben.

So wurde Nazis ihre Identität entlockt

Das ZPS erstellte eine Webseite der "Soko Chemnitz", über die Personen gegen Geld rechtsextreme Demonstranten melden konnten, die Teil der gewalttätigen Proteste gegen Flüchtlinge in Chemnitz gewesen sein sollen. Die versprochene Belohnung begann bei 34 Euro und sollte zusätzliche Boni bringen, wenn es sich bei den identifizierten Personen um Polizisten oder Mitglieder des Verfassungsschutzes handelte.

"Danke, liebe Nazis"

Überraschend verkündete das Kollektiv nun, dass die gesamte Seite nur ein Deckmantel für den eigentlichen Plan gewesen sei. Während durch die eingegangenen Hinweise zwar auch 1.500 Personen identifiziert werden konnten, die an den Protesten beteiligt waren, ging es im Hintergrund um etwas anderes. Nazis sollten dazu bewegt werden, sich selbst und die Namen ihrer Freunde über die integrierte Suchfunktion zu suchen.

"Wir arbeiteten mit Experten der Bilderkennung, künstlichen Intelligenz und Algorithmik. Und wir bauten eine Webseite mit einem einzigen Ziel: Ihr liefert uns Euer gesamtes Netzwerk selbst aus und zwar, ohne es zu merken. Das wichtigste Element dieser Seite: die Suchfunktion", heißt es auf der mittlerweile geschlossenen Seite. Darüber steht schlicht "Danke, liebe Nazis".

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Webseite im Vorfeld stark umstritten

Die bisher gesammelten Informationen stellten "das wichtigste Datenset über Rechtsextremismus, das gegenwärtig in Deutschland existiert" dar, wie ZPS-Gründer Philipp Ruch gegenüber dem Evangelischen Pressedienst mitteilte.

Die Website selbst stand allerdings im Vorfeld unter großer Kritik, weil das Prinzip einerseits stark an die Methoden der Stasi erinnerte. Andererseits wurden viele der Bilder von Demonstranten aber auch datenschutzrechtlich fragwürdig hochgeladen, weil keine Erlaubnis dafür vorlag.

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