Netzpolitik 

Russland: Putin plant jetzt, das Internet "auszustöpseln"

Putin beugt dem Notfall vor: In einem möglichen Cyberwar will er das russische Internet absichern.
Putin beugt dem Notfall vor: In einem möglichen Cyberwar will er das russische Internet absichern.
Foto: AP/Alexander Ryumin
Putin sorgt vor: Er möchte vorbereitet sein, wenn seine NATO-Gegner zum Cyberwar gegen Russland aufrufen. Deshalb testet er ein eigenes, "russisches Internet".

Schon sehr bald will Russlands Staatspräsident Wladimir Putin dem freien, unabhängigen Internet buchstäblich den Stecker ziehen. Schließlich wurde bereits ein Gesetz verabschiedet, mit dem die Online-Abschottung des Landes gerechtfertigt wird.

Putin macht den Test: Das staatlich kontrollierte Internet

Wie die BBC unter Berufung berichtet, plant Putin einen Testlauf, bei dem die technischen Veränderungen, die für ein eigenes "russisches Internet" nötig wären, umgesetzt würden. Er soll noch vor dem 1. April stattfinden, und noch deutet nichts darauf hin, dass es sich dabei um einen vorgezogenen Aprilscherz handeln könnte.

Hintergrund ist ein 2018 vom russischen Parlament abgesegneter Gesetzesentwurf namens Digital Economy National Program. Er schreibt technischen Änderungen vor, die die Online-Aktivitäten des Landes vom Rest der Welt unabhängig machen sollen. So die offizielle Erklärung. Daten, die zwischen russischen Bürgern und Organisationen übertragen werden, sollen innerhalb der Nation bleiben und international nicht weitergeleitet werden.

Bei Sanktionen: (Re)agieren

Damit reagierte die russische Regierung sehr wahrscheinlich auf drohende Sanktionen der NATO und ihrer Verbündeten: Sie wird regelmäßig für Cyberangriffe und andere dubiose Eingriffe ins World Wide Web verantwortlich gemacht, nicht zuletzt wegen der Social Media-Aktivitäten im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016.

Zu den im Gesetzesentwurf beschriebenen Maßnahmen gehört auch eine eigene, russische Version des Adressensystems im Internet, kurz DNS. Russlands Vorteil: Sollte es wegen Sanktionen zu großen Ausfällen oder Verbindungsproblemen mit internationalen Serveren kommen, die das Land online isolieren würden, könnten die heimischen Internetdienstleister trotzdem agieren.

Derzeit sind es laut BBC zwölf Organisationen, die die Root-Server für das DNS überwachen, keine davon sitzt in Russland. Allerdings gebe es mehrere Kopien des Adresssystems, die angeblich auch dann funktionieren könnten, wenn das russische Internet von der Außenwelt abgeschnitten würde.

Staatliche Kontrolle an Routing-Punkten

Der Test soll auch zeigen, dass die russischen Internetdienstleister Daten an staatlich kontrollierte Routing-Punkte leiten können. Dadurch wird der Datenverkehr so gefiltert, dass Daten, die zwischen russischen Computern gesendet werden, ihr Ziel erreichen, aber aller ausländischer Datenverkehr nicht. Möglicherweise könnte gar der gesamte inländische Datenverkehr Russlands diese Routing-Punkte passieren.

Internetdienstleister uneinig

Wie ZDNet unter Berufung auf Medienberichten russischer Nachrichtenorganisationen vermutet, sollen die Internetdienstleister die Pläne der Regierung weitgehend unterstützen. Jedoch seien sie sich uneinig, wie dies zu erreichen sei. Der russische Internetverkehr könne dadurch "massiv angegriffen" werden. Ihnen stellt der Staat finanzielle Mittel zur Verfügung, um zu gewährleisten, dass die Umleitungen der Daten ordnungsgemäß von Statten gehen.

Eine derartige Einflussnahme von staatlicher Seite in den Internetverkehr eines Landes ist auch anderswo zu beobachten. Die Pläne zur Abschottung und Überwachung Chinas sorgten für Aufsehen. Daran ist nicht nur das Konzept eines digitalen Punktekontos für jeden chinesischen Bürger Schuld.

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