Netzpolitik 

Facebook analysiert deine privaten Posts, um seine KI fit zu machen

Facebook lässt deine privaten Beiträge überprüfen, damit seine KI dich besser verstehen kann.
Facebook lässt deine privaten Beiträge überprüfen, damit seine KI dich besser verstehen kann.
Foto: imago images / Peter Seyfferth
Der Preis für Facebooks neue Netzpolitik scheint hoch zu sein: Mitarbeiter knöpfen sich jetzt deine privaten Beiträge vor, um die unternehmenseigene KI zu trainieren.

Mark Zuckerberg kündigte kürzlich an, dass Facebook künftig im Interesse der Nutzer agiert. Er sprach vom Verhältnis der Gesellschaft und der Technologie, verhielt sich betont einsichtig und selbstkritisch. Datenschutz soll in Zukunft eine viel wichtigere Rolle spielen, ebenso wie die Bekämpfung von "Fake News". Doch nun enthüllt die Nachrichtenagentur Reuters, dass Facebook-Leiharbeiter deine privaten Beiträgen analysieren, um die KI des soziale Netzwerks zu trainieren. Was ist aus den Versprechungen von Zuckerberg geworden?

Angestellte von Facebook analysieren deine privaten Beiträge

Der Vorfall zeigt deutlich, dass der Facebook-Gründer seine Ziele mit kontroversen Mitteln umsetzt. Zum einen soll eine Künstliche Intelligenz dabei helfen, Falschnachrichten zu filtern, zum anderen werden dafür augenscheinlich alle Vorsätze zum Datenschutz der Nutzer über den Haufen geworfen. Wie hoch ist der Preis für Facebooks Zukunftsvision?

Um sein KI-System zu trainieren, analysieren Leiharbeiter etwa Screenshots, Beiträge und Kommentare, die Benutzernamen und andere vertrauliche Informationen beinhalten können. Das geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hervor. Demzufolge analysieren die Prüfer die privaten Posts anhand von fünf Dimensionen.

Sie umfassen folgende Kategorien:

  • den Inhalt des Beitrags (etwa ein Selfie, Lebensmittel oder Sehenswürdigkeiten)
  • den Anlass des Beitrags (Lebensereignis, Aktivität)
  • affektive Elemente wie Meinungen oder Gefühle
  • die Absicht des Autors (Planung einer Veranstaltung, Witz, Inspiration)
  • den Ort der Veröffentlichung

KI soll menschliches Verhalten besser deuten können

Das indische Outsourcing-Unternehmen Wipro führt die Kontrollen durch – 260 Leiharbeiter sollen seit 2014 am Werk sein. Das Ziel der Untersuchungen ist angeblich, die Feinheiten der menschlichen Sprache und Ausdrücke besser zu verstehen – eine Kunst, welche die KI bisweilen noch nicht in vollem Umfang beherrscht.

Ein Sprecher von Facebook bestätigte den Bericht und betonte, dass das Unternehmen ein Prüfungssystem hinzugefügt habe, das die Datenschutzbestimmungen einhält. Fraglich ist dennoch, wie das möglich sein soll, wenn das soziale Netzwerk privat veröffentlichte Beiträge unverschlüsselt fremden Menschen zur händischen Analyse zugänglich macht.

Das Training der Künstlichen Intelligenz könnte der angekündigten Bekämpfung von Fake News dienen. Algorithmen sollen etwa Facebook-Beiträge, die Falschinformationen von Impfgegnern beinhalten, filtern. Es scheint aber so, als müssten die User mit ihren Daten für die neue Netzpolitik bezahlen. Und das dürfte wohl kaum im Interesse der Nutzer sein und auch nicht die neue Ära des Datenschutzes bei Facebook einläuten.

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