Netzpolitik 

China: Grenzbeamte installieren Spionage-Software auf Handys von Touristen

China späht Touristen per Smartphone-App aus. Bei der Grenzüberreise soll Ausländern eine Software auf das Handy installiert werden.
China späht Touristen per Smartphone-App aus. Bei der Grenzüberreise soll Ausländern eine Software auf das Handy installiert werden.
Foto: iStock/AlexLMX
Damit haben die Reisenden wohl nicht gerechnet: Bei der Überquerung der Grenze in die chinesiche Region Xinjiang wird Touristen eine Spionage-Software auf das Handy installiert.

"Fengcai" heißt die App, die auf Smartphones von Touristen in China installiert wird. Übersetzt bedeutet der Name: Die sammelnde Honigbiene. Diese durchsucht Textnachrichten, Kontakte, Kalender, Standort und Anruflisten diverser Mobiltelefone und überspielt diese Daten auf einen Computer. Die Software wird von der Grenzpolizei der Provinz Xinjiang installiert, wenn Touristen über den Landweg in das Gebiet einreisen. Was sich hinter Chinas spionierender Smartphone-App verbirgt, erfährst du hier.

Smartphone-App: So spioniert China Touristen aus

Die App enthält eine Liste aus 73.315 Dateien, mit der die Inhalte des Smartphones abgeglichen werden, beschreibt die Süddeutsche Zeitung. In der Liste befinden sich etwa Pamphlete von Islamisten, Koransuren oder Informationen über Taiwan und Tibet. Entdeckt die App aus ihrer Sicht verdächtige Dateien auf dem Smartphone, wird ein Alarmton ausgespielt, der die Grenzbehörden davor warnen soll, dass sie es offenbar mit einem verdächtigen Individuum zu tun haben.

Handy wird im separaten Raum bearbeitet

Während es bereits bekannt war, dass die chinesische Regierung umfassende Überwachungsmaßnahmen gegen die muslimische Minderheit der Uiguren in Xinjiang betreibt, ist es neu, dass auch ausländische Touristen davon betroffen sind. Die Fengcai-App wurde bislang bei Grenzübertritten von Personen eingesetzt, die von Kirgisistan aus nach China einreisen. Die Grenzpolizei bittet die Einreisenden, ihre Smartphones zu entsperren, und nimmt die Geräte dann mit in einen separaten Raum, wo die App installiert wird. Was genau dabei passiert, wird Touristen nicht erklärt.

App kann erst bei Ausreise entfernt werden

Wie Vice berichtet, wird die App per Side-Loading auf Android-Smartphones gespielt. Im Google Play Store ist Fengcai nicht zu finden. iPhones werden dagegen in ein spezielles Lesegerät gesteckt, schreibt The Guardian. Wie bei anderen Apps üblich, taucht Fengcai auf Android mit Symbol in der Liste der installierten Apps auf. Nach dem Grenzübertritt kann die App entfernt werden.

Menschenrechtler entsetzt

Mit der Praxis der chinesischen Grenzbehörden konfrontiert, drücken Menschenrechtsexperten ihr Entsetzen aus. "Es gibt einen zunehmenden Trend rund um die Welt, dass Grenzen als rechtsfreie Räume betrachtet werden, wo Behörden das Recht haben, jegliche abscheuliche Form von Überwachung anzuwenden, die sie wollen", meint etwa Edin Omanovic von Privacy International. "Aber das ist nicht so. Die ganze Idee von Grundrechten ist es, dass sie für jeden und überall gelten."

Auch einheimische Bürger der Uiguren-Minderheit mussten schon Überwachungs-Apps auf ihre Handys installieren. Sonst hätte ihnen die Gefängnisstrafe gedroht.

Chinas Regierung überraschte schon mehrmals mit Überwachungsmaßnahmen. Eine Sanitärfirma in China überwacht zum Beispiel, ob die Arbeiter genügend Arbeit leisten. Eine andere Überwachungsvariante sind diese Drohnen, die wie Tauben aussehen.

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