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Xiaomi Mi Mix: Rahmenloser Riese im Test

Xiaomi Mi Mix, ohne physischen Home-Button
Xiaomi Mi Mix, ohne physischen Home-Button
Foto: Florian Christof
Optisch ist das neue, rahmenlose Smartphone von Xiaomi ein echter Hingucker. In unserem Test zeigt sich, ob auch die inneren Werte zählen können.

Beim Mi-Mix-Bildschirm geht es aber nicht nur um Zahlen, sondern vielmehr um das so genannte rahmenlose Design. Laut gsmarena.com nimmt der Touchscreen rund 83 Prozent der Front des Smartphones ein. Im Vergleich dazu: Beim Samsung Galaxy S7 Edge sind das 76 Prozent, beim Huawei P9 sind es 73 Prozent, beim Nexus 5X 70 Prozent und beim iPhone 7 65 Prozent.

Die Screen-to-body-Ratio beim neuen Samsung Galaxy S8 ist mit 83 Prozent gleich hoch wie beim Mi Mix, kommt bei der Pixeldichte mit 570 ppi auf einen wesentlich höheren Wert. Im Vergleich zum Samsung Galaxy S8 ist das Mi Mix gerade im oberen Bereich des Displays wesentlich "rahmenloser" als der Konkurrent aus Südkorea.

Riesen-Screen mit Wow-Effekt

Das Ergebnis dieses Front-füllendenen Displays ist ein richtiger Wow-Effekt, wenn man das Gerät in die Hand nimmt. Zum gewohnten Smartphone-Design ist dieser Riesen-Screen eine willkommene Abwechslung und ein wahrer Hingucker.

Beim Lesen oder Videoschauen ist das Display eine Wohltat für die Augen. Abseits von diesen Äußerlichkeiten bietet das Wenig-Rahmen-Design keinen Mehrwert. Ganz im Gegenteil: Durch den Umstand, dass der Touchscreen bis an den Rand reicht, habe ich oft beim In-die-Hand-Nehmen unabsichtlich Apps geöffnet oder sonstige Aktionen ausgeführt.

Das Display-Format beträgt 17:9, was beim Betrachten von 16:9-Inhalten schwarze Ränder erzeugt. Dadurch kann das Rahmenlos-Design seine optischen Stärken zum Teil nicht auspielen.

Außen: Gefährlich glatt

Der Bildschirm ist aber nicht das Einzige, was auffällt, wenn man das Mi Mix das erste Mal in die Hand nimmt. Es ist recht schwer. Mit 209 Gramm ist das Smartphone aus China ein Schwergewicht. Das Samsung Galaxy S8 bringt nur 155 Gramm auf die Waage, ist aber auch kleiner als das Mi Mix.

Der Fingerabrucksensor befindet sich, wie bei Nexus-Geräten und dem S8, auf der Rückseite, sodass er mit dem Zeigefinger mühelos betätigt werden kann. Physischen Home-Button gibt es keinen und die Kamera hebt sich vom restlichen Gehäuse nicht ab.

Die Rückseite ist derart verspiegelt, sodass man auf einen Taschenspiegel verzichten kann. Mir ist das Mi Mix mehrmals beinahe aus der Hand gerutscht, da die Oberfläche extrem glatt ist.

Gespräche: Wie aus der Blech-Box

Da das Display bis knapp an den Rand des Gehäuses geht, musste der Lautsprecher im oberen Bereich, den man sich beim Telefonieren an das Ohr hält, dem Bildschirm weichen. Dieser Quasi-Lautsprecher wurde hinter den Screen verfrachtet und versetzt den Metallrahmen in Schwingungen, die so an die Ohrmuschel übertragen werden.

Die Gesprächsqualität ist dadurch maximal als passabel zu bezeichnen. Anfangs hat das Gegenüber geklungen, als hätte es in eine Blech-Box hineingesprochen. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Die Gesprächsqualität wurde dadurch allerdings nicht besser.

Kamera: Mi Mix kann kaum mit der Konkurrent mithalten

Die Hauptkamera auf der Rückseite löst mit 16 MP auf, die Frontkamera mit 5 MP. Bei guten Lichtverhältnissen im Freien macht das Mi Mix gute Bilder. Bei schwacher Beleuchtung in Innenräumen zeigen sich die Schwächen der Kamera. In der Flaggschiff-Liga kann das Mi Mix mit seiner Kamera aber kaum mithalten.

Da auf der Frontseite über dem Display kein Platz ist, wurde die Selfie-Kamera unterhalb des Screens angebracht – dort wo sich für gewöhnlich ein Home-Button befindet. Was auf den ersten Blick umständlich wirkt, kann ganz einfach umgangen werden. Ruft man die Frontkamera auf, dreht man das Handy um und schon ist die Selfie-Kamera am gewohnten Platz.

Innen: Kein SD-Karten-Slot

Unter der Haube werkt ein Qualcomm Snapdragon 821. Der Quad-Core-Prozessor taktet zweimal mit 2,35 GHz und zweimal mit 2,19 GHz. Als interner Speicher stehen entweder 128 GB oder 256 GB zur Verfügung. Der Arbeitsspeicher beträgt 4 GB beziehungsweise 6 GB, je nachdem ob man sich für die 128-GB- oder die 256-GB-Version entscheidet.

Es sind zwei Slots für SIM-Karten verfügbar, ein Einschub für eine SD-Karte ist nicht vorhanden. Das Mi Mix kann 802.11a/b/g/n/ac und Bluetooth 4.2.

Akku: mit Ausdauer

Die Kapazität des Akkus beträgt 4.400 mAh. Er kann Quick-Charge 3.0 und verbindet sich mit der Steckdose per USB Typ-C Anschluss.

In Sachen Ausdauer ist der Akku des Mi Mix ein wahrer Marathonläufer: Nachdem ich eine Stunde lang bei voller Helligkeit über WLAN ein FullHD-Youtube-Video geschaut habe, hat die Akku-Anzeige noch 90 Prozent angezeigt. Auch im Alltag bin ich mit dem Mi Mix sorglos über den Tag gekommen, ohne dass das Handy an die Steckdose musste.

Beim Laden des Akkus muss berücksichtigt werden, dass kein originales USB-C-Kabel zur Verfügung stand. Über das Kabel meines Nexus 5X benötigte das Mi Mix von 16 Prozent auf 45 Prozent 50 Minuten, was kein herausragender Wert ist.

Betriebssystem: Mehr als gewöhnungsbedürftig

Die MIUI-Oberfläche von Xiaomi hat auf den ersten Blick nicht viel mit dem klassischen Android, wie man es von Nexus-Geräten her kennt, zu tun. Am ehesten kann man es mit der Android-Abwandlung von Huawei vergleichen.

Xiaomi versucht mit seinem MIUI so gut es geht die Nutzer vom Google-Ökosystem abzuschotten. Um das zu gewährleisten, bietet das chinesische Unternehmen eine Vielzahl eigener Apps: Vom Kalender über die Telefon-App und das Mail-Programm, bis hin zu Audio-Recorder-, Kompass-, Messaging- und Video-App.

Dadurch wird es den Usern schwer gemacht, Google-Dienste nativ in das Betriebssystem zu integrieren: Die Suchleiste am Home-Screen ist nicht verfügbar und Google Now funktioniert nicht.

So gesehen ist das MIUI für mich als Nexus-User mehr als bloß gewöhnungsbedürftig. Nichts desto trotz bietet die Android-Adaption von Xiaomi aber alle Services und Apps, die man von anderen Herstellern kennt. Abstriche in Sachen Usability oder Design muss man dabei nicht machen.

Fazit

Optisch macht das Mi Mix von Xiaomi richtig was her, durch das "rahmenlose" Display wirkt es imposant und fällt im Vergleich zu anderen Smartphones auf. Das war es dann aber auch schon. Die Ausstattung und die Peformance des viel zitierten Handys spielen bestimmt in der Smartphone-Oberliga. All das bleibt aber weder konkurrenzlos noch herausragend.

Das Betriebssystem MIUI ist gewöhnungsbedürftig, fällt aber keinesfalls negativ auf. Viel schwerwiegender sind die schlechte Soundqualität beim Telefonieren, die durchschnittliche Kamera und die Einschränkung bei der LTE-Konnektivität in Österreich.

Wer ein schönes und auffallendes Smartphone haben will, ist beim Mi Mix richtig. Wem die Qualität der Funktionen wichtig ist (oder ein Smartphone tatsächlich noch zum Telefonieren nutzt), ist mit einem anderen Flaggschiff-Modell besser beraten. Denn einen Mehrwert, abseits des Displays, bietet das Mi Mix nicht.

Das Gerät wurde von TradingShenzhen zur Verfügung gestellt, wo es für 577 Euro gekauft werden kann.

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

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