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Im Test: YouTube Music könnte Spotify durchaus gefährlich werden

Unser Kollege Thomas Prenner hat den neuen Streamingdienst YouTube Music vorab getestet.
Unser Kollege Thomas Prenner hat den neuen Streamingdienst YouTube Music vorab getestet.
Foto: Gregor Gruber
Google startet einen neuen Versuch: Mit YouTube Music will der Konzern den Streaming-Markt aufmischen – und gegen Spotify antreten. Unser Autor hat den Dienst vorab getestet.

YouTube Music ist nach Google Play Music der zweite ernsthafte Anlauf des Konzerns, es auf dem Musikstreaming-Markt zu versuchen und Marktführer Spotify anzugreifen. Dass man sich dafür die Marke YouTube ausgesucht hat, leuchtet ein, da die Videoplattform für viele Anwender zum Konsumieren von Musik genutzt wird.

Zusätzlich ist in YouTube Music so gut wie jedes Musikvideo verfügbar sowie zahlreiche Live-Auftritte, Remixe und andere Inhalte, die es bei der Konkurrenz so nicht zu finden gibt.

Die Ausgangssituation ist also günstig. Ab sofort ist YouTube Music auch in Deutschland verfügbar. Ich habe den Dienst vorab getestet, um herauszufinden, ob sich ein Wechsel von den bekannten Plattformen auszahlt.

Preislich orientiert sich YouTube Music an der etablierten Konkurrenz. Nach dem kostenlosen Testzeitraum werden zehn Euro pro Monat für den Zugriff fällig. Wer gleichzeitig noch ein werbefreies YouTube sowie Zugang zu YouTube Originals möchte, muss zwei Euro zusätzlich bezahlen.

YouTube weiß Bescheid

Hat man sich bei dem Dienst registriert, gilt es zuerst, die entsprechende App herunterzuladen, die es für Android und iOS gibt. Beim ersten Login greift Google sofort auf die Informationen zurück, die es durch meinen YouTube-Konsum bereits hat. Das heißt konkret, dass etwa auf YouTube abonnierte Künstler sich auch in der App wiederfinden. Das Gleiche gilt für sämtliche YouTube-Playlists sowie alle Songs, die ich auf YouTube mit „Gefällt mir“ markiert habe.


Die App: Wie bei Spotify

Die App ist für Android, iOS sowie als Desktop-Version im Browser verfügbar. Sie ist in schwarz gehalten und präsentiert sich in Sachen Optik und Menüführung modern und intuitiv. Die Funktionalität erinnert sehr stark an das, was man unter anderem von Spotify kennt. Die App hat drei Hauptabschnitte: „Start“, „Hotlist“ und „Bibliothek“.

Unter „Start“ findet man unter anderem seine persönlichen Favoriten, was man zuletzt gehört hat sowie kuratierte Playlists und Themen-Schwerpunkte. „Hotlist“ bietet eine Übersicht aktuell populärer Videos. In seiner Bibliothek sind eigene Downloads, Playlists, Alben sowie favorisierte Songs und Künstler aufgelistet. Spielt man Musik ab, hat man die Wahl ob man nur Audio oder auch das Video streamen will.


Ich habe mich in der App recht flott gut zurechtgefunden. Die Oberfläche ist hübsch und bietet so ziemlich alles, was man sich zum Musikhören im Alltag wünscht.

Ein wenig Probleme hatte ich jedoch bei der Suche. So werden etwa Alben in der Künstlerübersicht nicht zwangsweise chronologisch oder alphabetisch angezeigt, was verwirrend sein kann.

Die Musikauswahl: Noch nicht ganz wie bei Spotify

In Sachen Musikauswahl kann YouTube Music aktuell wohl nur schwer jemand das Wasser reichen. Neben dem Standard-Programm an regulär verfügbaren Titeln kann man über die App noch zahlreiche Remixes, Live-Auftritte, oder ähnliches von etablierten Künstlern finden. Parallel dazu sind noch abertausende kleinere Acts verfügbar, die ihr Material auf YouTube geladen haben. Ich habe auf Anhieb einen Großteil der Musik, die ich gesucht habe, auch gefunden. Sowohl von internationalen als auch von österreichischen Interpreten.

Dass YouTube-Playlists integriert sind führt auch hier zu einer großen Auswahl. Ganz so groß wie ich das Playlist-Angebot von Spotify gewohnt bin, empfand ich den Katalog von YouTube Music zumindest zum Start aber noch nicht. Podcast-Unterstützung bietet YouTube Music aktuell übrigens nicht. Auch das Hochladen eigener Musikfiles, wie es bei Play Music möglich ist, unterstützt YouTube Music nicht.


Die Qualität: Lässt noch auf sich warten

Beim Blick in die Einstellungen würde ich mir von YouTube Music allerdings etwas mehr wünschen. So lässt sich etwa nicht die Qualität der Streams und Downloads regulieren. Standardmäßig setzt YouTube Music hier auf 128 kbps (AAC in den Apps, OPUS auf der Weboberfläche) bei guter Verbindung und 64 kbps bei schlechter Verbindung. YouTube plant, demnächst eine höhere Qualitätsstufe (256 kbps) sowie die Wahlmöglichkeit in den Einstellungen freizuschalten. Wann genau es so weit sein wird, ist nicht bekannt.

Die Anbindung: Weder Chromecast Audio noch Google Home

Auch in Sachen Hardware-Support vermisse ich bei YouTube Music noch einiges. So wird zwar Googles Streaming-Dongle Chromecast unterstützt – allerdings nur die TV-Variante. Der eigentlich für Musikstreaming ausgelegte Chromecast-Audio ist noch nicht mit YouTube Music kompatibel. Die entsprechende Option wird in der App einfach ausgeblendet. Lediglich über den Umweg die gesamte Smartphone-Audioausgabe zu casten kann man seine Chromecast-Audios auch mit YouTube Music nutzen.

YouTube Music ist ebenfalls nicht in die Sprachassistenten Google Home integriert. Wer also per Sprachbefehl Musik hören möchte, ist auf Google Play Music oder einen Konkurrenten angewiesen.

Auch Hardware von Drittherstellern wie Sonos wird zum jetzigen Zeitpunkt nicht unterstützt, hier verspricht Google künftig ebenfalls Besserung.

Fazit: Punkt für YouTube, trotz Ärger um Details

Es gibt wohl kaum Nutzer von Streaming-Diensten wie Spotify, die nicht ab und zu stattdessen via YouTube Musik gehört haben. Nun alles auf einer Plattform zu haben macht aus diesem Grund durchaus Sinn, nicht zuletzt, um kombinierte Playlists zu erstellen. Dazu kommt die Möglichkeit, um zwei Euro Aufpreis werbefreies YouTube sowie YouTube Premium zu konsumieren, was ebenfalls auf Wohlwollen einiger Anwender stoßen dürfte. Googles Startvorteil mit YouTube Music ist also kaum zu übertreffen.


Umso ärgerlicher ist es, dass Google bei bestimmen Details sehr nachlässig agiert. Warum man etwa die hauseigene Chromecast-Audio-Hardware sowie den Sprachassistenten Google Home nicht unterstützt, ist für mich genauso unverständlich, wie der Umstand, dass man die recht simple Option der Streaming-Qualität zum Start einfach weglässt.

Ob sich ein Wechsel auszahlt, hängt vor allem auch davon ab, wie man Musik konsumieren möchte. Wer via Chromecast oder Spotify-Connect-fähiger Hardware hört, sollte vorerst nicht umsteigen.

Google hat die Chance, nachzubessern. Falls das Unternehmen dies tut, hat YouTube Music durchaus das Potenzial, dem Marktführer Spotify gefährlich zu werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

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