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Huawei MateBook 13 im Test: MacBook-Alternative glänzt nicht nur

Foto: Michael Leitner
Das Huawei MateBook 13 soll eine günstigere Option zum MacBook darstellen. Im Hands-on kann sie aber nicht in allen Punkten mithalten.

Huawei ist seit einigen Jahren der Smartphone-Markt nicht genug. Mit der MateBook-Reihe greift man auch den milliardenschweren PC-Markt an, der bereits seit Jahren von den gleichen Marken wie etwa Apple mit dem MacBook dominiert wird. In die prestigeträchtigen Top 5 konnte man bislang nicht vorstoßen, doch wenn es nach Huawei geht, ist das nur eine Frage der Zeit.

Bietet das Huawei MateBook 13 eine ebenbürtige MacBook-Alternative?

Die Verkaufszahlen legen stark zu, auch weil man mit MacBook-ähnlichen Designs und günstigen Preisen vor allem frustrierte Apple-Nutzer anspricht. So auch das neue MateBook 13, mit dem man eine Windows-Alternative zum aktuellen MacBook Air bieten will. Daraus macht der Hersteller keinen Hehl. Man vergleicht sich öffentlich mit Apple und will in allen Belangen besser sein. Wir haben überprüft, ob die gewagten Behauptungen tatsächlich zutreffen.

Optisch eifert Huawei dem US-Konkurrenten nach und setzt auf ein hochwertig verarbeitetes Aluminium-Gehäuse in den Farben Space Gray und Mystic Silver. Abgesehen von der Namensgebung (Apple setzt bereits seit einigen Jahren auf „Space Gray“) und dem vergleichbaren Farbton enden hier aber auch schon die Ähnlichkeiten.

MateBook 13 etwas schmaler

Das MateBook 13 ist dank des von Windows präferierten Bildverhältnisses 3:2 knapp zwei Zentimeter schmaler als das aktuelle MacBook Air. Auch auf die vom MacBook Air bekannte Keilform im zusammengeklappten Zustand verzichtet Huawei. Das MateBook 13 ist durchgehend 14,9 Millimeter schmal

.

Die Verarbeitung ist hochwertig, das Gehäuse ist sehr widerstandsfähig und gibt an keiner Stelle nach. Lediglich die Spaltmaße des abnehmbaren Gehäusedeckels an der Unterseite fallen etwas ungleichmäßig und breit aus. Trotz der relativ schmalen Maße hat man eine vollwertige Laptop-Tastatur (ohne Ziffernblock) im Gehäuse untergebracht.

Auch das Touchpad, das knapp die Hälfte der Laptop-Breite einnimmt, fällt relativ großzügig aus und ist gut gelungen. Die Platzierung des Mauszeigers ist präzise möglich. Lediglich für das Klicken muss hin und wieder unverhältnismäßig viel Kraft aufgewandt werden.

Angenehmer Druckpunkt

Unglücklicherweise stellte Huawei ein Testmuster mit englischer Tastatur im QWERTY-Layout zur Verfügung, weswegen zur Platzierung und Größe der Tasten kein Urteil abgegeben werden kann. Alle Modellvarianten haben jedoch die schmalen Pfeiltasten gemein – rauf und runter sind auf eine halbe Tastenhöhe beschränkt – die im Test eher negativ auffielen.

Der Druckpunkt ist angenehm und im Gegensatz zum Butterfly-Mechanismus der MacBooks ließen sich keine Aussetzer oder falsch erkannte Eingaben verzeichnen. Nach kurzer Gewöhnungszeit an das Tastenformat konnten wir problemlos und flott mit dem MateBook 13 schreiben. Persönlich hätten wir uns die Tasten nur minimal höher gewünscht, im Test tippten wir aber nur selten daneben.

Der Druckpunkt ist relativ angenehm weich, auch bei längeren Texten gab es keinerlei Probleme. Die Tastatur verfügt über zwei Beleuchtungsstufen, die für unseren Geschmack fast zu hell ausfallen.

Kamera wurde ihm Rahmen platziert

Apropos Tastatur: Während Huawei im Spitzenmodell MateBook X Pro die Kamera in der Tastatur versteckt, wurde sie beim MateBook 13 in den Rahmen verlagert. Eine weise Entscheidung, denn obwohl die ausklappbare Kamera im MateBook X Pro zunächst wie eine gute Idee wirkt, ergeben sich im Alltag zahlreiche Probleme.

Durch die Nähe zur Tastatur verdeckt man mit den Händen die Linse, wenn man beispielsweise während eines Skype-Videochats Notizen machen möchte. Zudem fällt die Perspektive, bei der der Nutzer von schräg unten gefilmt wird, oftmals alles andere als vorteilhaft aus. Durch das Verfrachten der Ein-Megapixel-Kamera in den Rahmen vermeidet man diese Probleme. Die Einfassung über dem Bildschirm fällt aber etwas breiter aus als beim Spitzenmodell. Der knapp ein Zentimeter breitere Rahmen ist jedoch verschmerzbar und fällt kaum auf.

Solide Kameraqualität

Die Qualität der Kamera ist solide und für Videotelefonate in HD-Qualität ausreichend. Auch das Mikrofon lieferte gute Ergebnisse und kann in Großraumbüros zum Einsatz kommen. Leider ist die Kamera nicht Windows-Hello-fähig. Für das biometrische Log-in muss man daher auf den in die Power-Taste integrierten Fingerabdrucksensor zurückgreifen.

Dieser erwies sich im Test als etwas unzuverlässig, was aber eher an einem Problem mit den Standby-Funktionen von Windows 10 lag. Aus unerfindlichen Gründen ließ sich der Laptop nicht durch einen einfachen Tastendruck aus dem Standby aufwecken, meist musste man die Taste mehrmals betätigen. Da man dabei den Finger nicht lange genug auf dem Sensor ließ, wurde meist auch nicht der Fingerabdruck erkannt und Windows verlangte PIN oder Passwort.

Unvorteilhafte Energiesparmaßnahmen

Der Bildschirmdeckel lässt sich auf knapp 120 Grad aufklappen und so auch bequem mit einem Laptop-Ständer verwenden. Die in Deutschland verkauften Geräte werden zudem mit Touchscreen ausgeliefert, der bis zu zehn Eingaben gleichzeitig erkennen kann. Der Nachteil daran: Der Bildschirm ist spiegelnd, was vor allem im Freien untertags lästig sein kann.

Der Bildschirm fällt mit 300 Nits zwar genauso hell wie beim MacBook Air aus, in der Praxis lässt sich dieser Wert aber wegen aggressiver Energiespar-Einstellungen selten erreichen. Der Umgebungslichtsensor regelt die Bildschirmhelligkeit, wohl zugunsten der Laufzeit, stets einen Tick zu niedrig. Auch im Netzbetrieb bei deaktivierten Energiesparmaßnahmen lässt sich das nicht umgehen.

Eigentlich kontrast- und farbenreiches Bild

Das enttäuscht, denn das IPS-Panel liefert eigentlich ein kontrast- und farbenreiches Bild, das auch aus steilen Betrachtungswinkeln keine Qualitätsverluste aufweist. Mit einer Pixeldichte von 200 ppi liegt es knapp unter dem Niveau des MacBook Air (227 ppi), das Bild ist aber auch auf diesem Niveau scharf genug für den Alltag.

Grobe Farbverfälschungen ließen sich nicht feststellen. Der von Huawei angekündigte selbstentwickelte Blaulichtfilter war beim Testmuster noch nicht enthalten, es soll mit einem späteren Update nachgeliefert werden. Ob die Funktion einen nennenswerten Vorteil gegenüber dem in Windows 10 integrierten Blaulichtfilter bringen kann, ist unklar. Auf Nachfrage erklärte Huawei lediglich, man habe den Mechanismus gegenüber dem integrierten Blaulichtfilter verbessert, sodass auch Umgebungslicht miteinbezogen wird.

Video: Review MateBook 13 von Huawei

Unnötige Verknüpfungen

Leider wird auch das MateBook 13 mit einer Vielzahl an Bloatware ausgeliefert, unter anderem Spielen, Fotobearbeitungs-Software und der Fitbit-Coach-App. Tatsächlich ist die Software aber nicht auf dem Gerät installiert, es handelt sich lediglich um Verknüpfungen zum Microsoft Store, die mit einem Klick darauf die Installation auslösen – ein Umstand, der zunächst niemanden bewusst sein dürfte.

Die Verknüpfungen lassen sich zwar relativ einfach aus dem Startmenü entfernen, dennoch wäre ein „sauberes“ Windows 10 ab Auslieferung wünschenswert gewesen.

Lästiges Pfeifen

Huawei hat nach eigenen Angaben auch das Kühlkonzept für seine MateBook-Geräte überarbeitet, sodass der Lüfter deutlich seltener aktiv werden müsste. Das lässt sich zumindest für das getestete Modell mit Intel Core i7 und dezidierter Grafikkarte (Nvidia Geforce MX 150) nicht bestätigen. Der Lüfter wurde bereits bei einfachen Aktivitäten mit einem lästigen Pfeifen aktiv.

Besonders im Netzbetrieb wollte Windows Malware-Scanner laufend Hintergrund-Überprüfungen durchführen, wodurch der Lüfter immer wieder in Alarmbereitschaft versetzt wurde und auf ein deutlich hörbares Niveau anstieg.

Zumindest ist die höchste Lautstärke des Lüfters mit Kopfhörern kaum wahrnehmbar, bei der Verwendung mit den durchaus leistungsfähigen Dolby-Atmos-Lautsprechern fällt dieses aber recht lästig aus. Auch die Hitzeentwicklung ist selbst bei anspruchsvollen Spielen verkraftbar, der Laptop konnte stets ohne Probleme auf dem Schoß verwendet werden. Die Hitze wurde nahezu vollständig über die Unterseite sowie die Lüfterschlitze hinter dem Display-Scharnier abgeführt.

Zwei verschiedene Varianten vom MateBook 13

Huawei liefert das MateBook 13 in zwei verschiedenen Varianten aus. Während das Basisgerät auf einen Intel Core i5-8265U setzt, ist die etwas besser ausgestattete Variante mit einem Intel Core i7-8565U ausgestattet, dessen Basistakt geringfügig höher (1,8 statt 1,6 GHz) ausfällt. Beide Modelle haben acht Gigabyte Arbeitsspeicher (LPDDR3 2133 MHz, zwei 4-GB-Riegel) verbaut, der interne SSD-Speicher fällt beim i7-Modell etwas größer aus (512 statt 256 Gigabyte).

Der wohl wichtigste Unterschied ist jedoch die GPU: Während man beim i5-Modell mit dem integrierten Intel-GPU-Chipsatz HD620 auskommen muss – mehr als ausreichend für ältere und ressourcenschonende Spiele – ist bei der i7-Variante auch eine dezidierte Grafikkarte (Nvidia Geforce MX 150) verbaut.

PC-Leistung ist nicht ausdauernd

Diese war auch im MateBook X Pro der ersten Generation zu finden und liefert genügend Leistung für aktuelle Spiele in nativer Auflösung bei mittleren Details, beispielsweise Fortnite und Apex Legends. Für höhere Ansprüche müsste man aber auf eine externe Grafikkarte zurückgreifen, die glücklicherweise dank vorhandenem Thunderbolt-3-Anschluss unterstützt wird.

Apropos Anschlüsse: Hier findet man mit zwei USB-C-Anschlüssen (einer davon unterstützt Laden per USB-PD, der andere schnelle Datenübertragung über Thunderbolt 3) sowie einem Kopfhörer-Anschluss keine große Vielfalt vor. Allerdings ist im Lieferumfang auch ein sogenannter MateDock-Adapter enthalten, über den je ein USB-A-, HDMI- und VGA-Anschluss nachgerüstet werden kann. Auf einen Speicherkartenleser hat man leider verzichtet. Dank einem USB-C-Anschluss auf dem MateDock kann der Adapter aber auch verwendet werden, während das MateBook 13 geladen wird.

Kein Gaming-Notebook

In den Benchmarks zeigt das MateBook 13 solide Leistungen, leider stellte uns Huawei aber ausschließlich das leistungsfähigere Modell mit Core i7 und dezidierter Grafikkarte zur Verfügung. Sowohl bei Spielen als auch in Alltagssituationen ließen sich dabei kaum Aussetzer feststellen. Als Gaming-Notebook sollte man das MateBook 13 dennoch nicht betrachten.

Bereits bei einer recht simplen Wirtschaftssimulation wie „Production Line“ war der 41,8-Wh-Akku nach zwei Stunden ohne Energiesparmodus fast leer, im Alltag schaffte es der Akku problemlos durch einen herkömmlichen Arbeitstag – allerdings mit stark reduzierter Bildschirmhelligkeit. Nach knapp acht Stunden Laufzeit, die meist im Browser oder Microsofts Office-Suite verbracht wurde, war meist Schluss – ein solider, aber auch kein überragender Wert. Bei ressourcenintensiveren Aufgaben, beispielsweise Bildbearbeitung, sackte die Laufzeit rasch nach unten.

  • CrystalDiskMark (v6.0.2, Sequenzielles Lesen/Schreiben): 3425,9/2533,9 MB/s
  • PCMark 10: 3954 Punkte
  • 3DMark (Time Spy): 1024 Punkte
  • CineBench (R20): 1457 cb

Langfristig (und auch in Spielen) ist zudem die Beschränkung auf acht Gigabyte Arbeitsspeicher ärgerlich. Die RAM-Riegel sind zwar nach Abnehmen der Bodenplatte zugänglich, ob diese sich auch tatsächlich tauschen lassen, ist unklar. Huawei bietet leider kein Modell mit größerer Arbeitsspeicherausstattung an.

Fazit: Den günstigen Preis gibt es nicht umsonst

Huawei macht mit dem MateBook 13 nicht nur MacBook-Air-Fans ein verführerisches Angebot. Das günstigste MateBook 13 ist in Deutschland bereits ab 899 Euro zu haben. Doch leider muss man auch hier einen Kompromiss eingehen. Während Verarbeitung und Leistung gut ausfallen, enttäuschen Akkulaufzeit, Lüftergeräusch und der unnötig dunkel gehaltene Bildschirm.

Diese Probleme sollten sich zumindest zum Teil per Update lösen lassen, beispielsweise die aggressiven Energiespareinstellungen, dennoch trüben sie das Gesamtbild.

Nur ein PC unter vielen

In seiner aktuellen Form ist das MateBook 13 ein Windows-Ultrabook unter vielen, besonders brillieren kann es in keiner Disziplin. Die Konkurrenz, beispielsweise Lenovos Ideapad 720S, sind mit ähnlicher Ausstattung zu günstigeren Preisen erhältlich.

Wer etwas mehr Budget hat, sollte sich Microsofts Surface Laptop 2 näher ansehen, der unter den Windows-Ultrabooks nach wie vor die Referenz darstellt (aber nahezu gleich viel kostet wie ein aktuelles MacBook Air).

Hoffnung auf mehr Konkurrenz durch Huawei machen das MateBook 14 und MateBook X Pro, die Mitte Juni mit mehr Arbeitsspeicher und einer leistungsfähigeren Grafikkarte ausgeliefert werden sollen. Ob das MateBook X Pro von Huawei ein stärkerer Appel-Killer ist haben wir bereits für dich getestet.

  • Modell: Huawei MateBook 13
  • Maße und Gewicht: 286 x 211 x 14,9 mm; 1,3 Kilogramm
  • CPU: Intel Core i7-8565U (Quadcore mit 1,8 GHz; auch mit Core i5 verfügbar)
  • GPU: Intel HD 620 (IGP)/Nvidia Geforce MX 150 (nur bei Core i7)
  • RAM: 8 Gigabyte
  • Bildschirm: 13 Zoll IPS-Panel (spiegelnd, 2160 x 1440 Bildpunkte, 3:2, 200 ppi)
  • Speicher: 256/512 Gigabyte SSD
  • Akku: 41,8 Wh
  • Sonstiges: 2 x USB 3.1 (2 x Typ C), WLAN (802.11 a/b/g/n), Bluetooth, Frontkamera (1 Megapixel), Fingerabdrucksensor in Power-Taste, MateDock-Adapter mitgeliefert, Kopfhöreranschluss
  • Preis: Ab 999 Euro

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf futurezone.at.

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