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In-vitro-Fleisch: Künstliches Fleisch ist schon lange keine abwegige Idee mehr

In-vitro-Fleisch könnte bald in den Läden zu kaufen sein. (Symbolfoto)
In-vitro-Fleisch könnte bald in den Läden zu kaufen sein. (Symbolfoto)
Foto: imago images/Panthermedia
In den USA gilt Fleisch aus dem Labor als großer Zukunftsmarkt. Es soll unsere Ernährung komplett umkrempeln. Doch wird In-vitro-Fleisch auch akzeptiert?

Forscher auf der ganzen Welt arbeiten daran, Fleisch im Labor herzustellen. "Clean Meat" ("sauberes Fleisch") oder In-vitro-Fleisch, das künstliche Fleisch hat viele Namen. Es soll die Misshandlung von Tieren und den überbordenden Ressourcenverbrauch der Fleischindustrie einschränken.

Wie funktioniert die Produktion von In-vitro-Fleisch?

Das Laborfleisch wird durch angelegte Stammzellenkulturen produziert. Im Labor werden sie zu Muskelfasern ausdifferenziert, die dann zu einem Stück Fleisch heranwachsen. Für die Produktion werden weniger Ressourcen benötigt und auch keine Antibiotika, so betont es die Kunstfleisch-Industrie.

Doch die Produktion beschränkt sich mittlerweile nicht nur auf das Ausland, wie der NDR berichtet. Auch deutsche Unternehmen wie Wiesenhof, das zur PHW-Gruppe gehört, wollen in den In-vitro-Fleisch-Markt einsteigen.

Rosige Zukunft für das Fleisch aus dem Labor

Bei den Erfolgsprognosen, die sich um das Fleisch aus dem Labor ranken, ist das nur zu verständlich.

  • 2030 sollen rund 140 Milliarden US-Dollar mit In-vitro-Fleisch umgesetzt werden (rund 125 Milliarden Euro).
  • 2040 wird mit 630 Milliarden US-Dollar gerechnet (etwa 550 Milliarden Euro).

Bis 2040 soll auch etwa ein Drittel des weltweit konsumierten Fleisches im Labor hergestellt werden, so eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney.

Was den Geschmack und die Textur angeht, ist die Forschung mittlerweile so weit gediehen, dass einzelne Tester, wie der Autor Bruce Friedrich, der Bücher über die saubere Zukunft des Fleisches schreibt, sagen, dass kein Unterschied mehr zu gewöhnlichem Fleisch festzustellen sei.

Laborfleisch bald im Alltag erhältlich?

Erste Angebote für In-vitro-Fleisch könnte es schon 2021 geben. Der Preis für einen Hamburger mit Laborfleisch werde etwa bei elf US-Dollar liegen (rund 9 Euro), schätzt ein involvierter Unternehmer. Das wäre eine beachtliche Preissenkung: Der erste Hamburger aus Zellkulturfleisch kostete 2013 noch etwa 330.000 US-Dollar (rund 268.000 Euro). Die US-Zulassungsbehörde FDA hatte 2018 bekanntgegeben, dass bei korrekter Herstellung der Verzehr nicht mit Sicherheitsbedenken verbunden sei.

Künstliches Fleisch überzeugt noch nicht

Die Zulassung wurde aber noch nicht erteilt. Der Prozess ist üblicherweise langwierig und könnte die optimistischen Pläne einiger Unternehmer noch durchkreuzen. Die Hersteller preisen ihr Produkt als sicher, da es keine Keime oder andere Schädlinge enthalte. Zudem lasse sich der Fettgehalt niedrig einstellen. Auch als gesund geltende Omega-3-Fettsäuren könnten integriert werden.

Eine Hürde für den Markteintritt könnte aber der Ekelfaktor sein: In einer Umfrage durch Pew Research in den USA 2014 gaben 80 Prozent der befragten US-Amerikaner an, sie würden kein Fleisch aus dem Labor essen. In einer Befragung 2017 sagte aber bereits ein Drittel der Teilnehmer, sie könnten sich vorstellen, regelmäßig In-vitro-Fleisch zu essen.

Dieses Ergebnis spiegelt sich auch bei den Deutschen wider. 32 Prozent der 14- bis 29-Jährigen gaben im Forsa Ernährungsreport an, dass sie künstliches Fleisch kaufen würden. Allerdings sieht das Ergebnis bei den anderen Altersgruppen nicht ganz so positiv aus: nur 17 Prozent der Deutschen wären wirklich offen für Laborfleisch.

Für In-vitro-Fleisch sterben Tiere auch

Um künstliches Fleisch zu züchten, benötigt man außerdem Kälberserum. Daraus besteht die Nährlösung, in der das Laborfleisch heranwächst. Hierfür wird das Kalb nach der Schlachtung des Muttertiers aus der Gebärmutter geholt. Das Blut aus dem schlagenden Herzen wird verwendet und zu Kälberserum verarbeitet. Die Hersteller von In-vitro-Fleisch wollen aber eine pflanzliche Alternative dafür finden. So könnten sie auch Vegetarier für sich gewinnen.

Investoren wie Bill Gates lassen sich nicht beirren

Um ihr Image zu verbessern, planen einige Hersteller, die Produktionsanlagen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mittlerweile sind auch große konventionelle Fleischhersteller an der Technologie interessiert. Tierzüchter sind allerdings weniger angetan von der Idee und argumentieren, dass die Stammzellen immer noch aus Tieren gewonnen werden müssten.

Investoren wie Bill Gates pumpen trotzdem große Summen in die Entwicklung, auch wegen des großen Potenzials von In-vitro-Fleisch: Das Laborfleisch soll die Treibhausgasemissionen in der Fleischproduktion um 78 bis 96 Prozent verringern können. Der Energieverbrauch soll um sieben bis 45 Prozent gesenkt werden, der Bedarf nach Land sogar um 99 Prozent. Auch der Wasserverbrauch könnte um 82 bis 96 Prozent sinken. Diese Zahlen hat eine Studie der Universität Oxford ergeben.

Fazit: Eine dauerhafte Alternative?

Auch wenn es nicht ganz stimmt, dass Tiere für künstliches Fleisch ihr Leben nicht lassen müssen, könnte es auf Dauer eine Alternative werden. Forscher sehen, dass die Akzeptanz für In-vitro-Fleisch steigt. Viele Investoren wie Bill Gates haben das Potenzial für Laborfleisch erkannt. Es wird daher nur eine Frage der Zeit sein, bis wir diesen Ersatz auch kaufen können.

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