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Flugzeuge ohne Piloten und fahrerlose Hochgeschwindigkeitszüge: So sehen Forscher die Zukunft der Mobilität

Verkehr bei Nacht (symbolbild). Unsere Art der Fortbewegung wird sich in den nächsten Jahren drastisch ändern.
Verkehr bei Nacht (symbolbild). Unsere Art der Fortbewegung wird sich in den nächsten Jahren drastisch ändern.
Foto: pxhere
Auf der Fachkonferenz Transport Research Arena (TRA) widmen sich Forscher aus ganz Europa der Zukunft unserer Mobilität.

Alle zwei Jahre findet in einer andere europäischen Stadt die Transport Research Arena statt. Die siebente Ausgabe dieser Fachkonferenz, auf der sich über 3.300 Verkehrsforscher aus ganz Europa und darüber hinaus treffen, findet in der österreichischen Hauptstadt Wien statt. Am Montag wurde die TRA2018, die von der europäischen Kommission und dem österreichischen Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie veranstaltet wird, in der Messe Wien eröffnet.

Licht und Schatten

"Der Verkehrssektor kreiert einen von 20 Arbeitsplätzen in Europa. 40 Prozent aller EU-Exporte entfallen auf den Transportbereich. Das sind gigantische Zahlen", meint EU-Transportkomissarin Violeta Bulc bei der Eröffnung der TRA2018. "Aber es gibt nicht nur Positives, sondern auch viel Negatives und auch dabei spielt der Transport eine große Rolle." Bulc spricht hier etwa die 25.000 Verkehrstoten pro Jahr (laut Statistik 2016) oder jene 400.000 Menschen an, die jedes Jahr durch die Folgen von Luftverschmutzung sterben.


Bulc appeliert an Forscher: "Bitte helft uns!"

"Das versursacht unnötigen Schmerz. Ich apelliere daher an Wissenschaft und Innovation: Bitte helft uns!" Bulc sieht in den EU-Mitgliedsstaaten großen Erfindergeist, der früher Undenkbares Realität werden lässt: "Erinnern Sie sich noch, als wir uns nicht vorstellen konnten, dass Flugzeuge alleine mit Solarenergie fliegen? Das war früher ein Witz, aber jetzt ist es Realität. Hybride oder vollelektrische Flugzeuge wird es in ein paar Jahren am Markt geben." Bulc fordert Unternehmen und Forschungsinstitutionen auf, in großen Maßstäben und vernetzt zu denken. Gerade junge Leute seien zudem aufgerufen, neue Lösungen im Transportbereich zu kreieren.

Menschheit stehen große Veränderungen bevor

"Die Menschheit wird sich in den nächsten 20 Jahren mehr verändern als in den letzten 300 Jahren", zeigt sich Futurist Gerd Leonhard in seiner Keynote zur TRA2018 überzeugt. Der Autoindustrie bescheinigt der Buchautor ("Technology vs. Humanity") einen ähnlichen Umbruch, wie sie die Musikindustrie durch Streamingportale wie Spotify erlebt hat. Der Straßenverkehr wird durch Entwicklungen wie Elektrifizierung, Automatisierung, Konnektivität, Carsharing, Big Data etc. stark verändert werden. Im Luftfahrtbereich sagt Leonhard Drohnen eine große Zukunft voraus.

Autonome Flugzeuge

Weitere Voraussagen über das Reisen in der Luft trifft bei der anschließenden Podiumsdiskussion zwischen Vertretern verschiedenster Transportsektoren (Straße, Wasser, Schiene etc.) Axel Flaig von Airbus: "In den nächsten 20 bis 30 Jahren werden 30.000 neue Flugzeuge benötigt, aber wir erkennen bereits jetzt einen Engpass bei Piloten. Es wird daher autonome Flugzeuge geben. Zuerst wird der Co-Pilot ersetzt, dann auch der Pilot." Zu der Wirkung einer solchen Aussage auf Flugpassagiere meint Flaig: "Schritt für Schritt werden sich die Leute daran gewöhnen. U-Bahnen ohne Fahrer kümmern heute auch niemanden mehr. Wir werden lernen, der Technologie zu vertrauen." Eine kurze Umfrage im Publikum, ob man sich in ein Flugzeug ohne Pilot setzen würde, gibt dem Vertreter der Luftfahrtindustrie Recht.

Emissionen werden reduziert

"Die Fliegerei muss aber nachhaltiger werden", betont Flaig. Die Investitionen in Elektrifizierung seien deswegen hoch. Flaig rechnet in Zukunft mit einer Vermehrung von Zubringerflügen mit Elektro-Flugzeugen, ebenso mit Flugtaxis in Großstädten. Die Reduktion von Kohlendioxidemissionen hält Helmut List, CEO von AVL List, auch für die größte Herausforderung im Straßenverkehr. "Aber auch konventionelle Antriebe entwickeln sich weiter", meint List. "Verbrennungsmotoren mit extrem niedrigen Emissionen sind möglich."

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Kollaboration als Vorteil der EU

Was die Automatisierung von Verkehrsmitteln betrifft, sieht Carole Desnost, Chief Innovation Officer der französischen Staatsbahn SNCF, einen deutlichen Vorteil für die Schiene im Vergleich zu selbstfahrenden Straßenfahrzeugen. "In fünf bis zehn Jahren wird es einen TGV ohne Fahrer geben", kündigt Desnost an. Die Rolle Europas sehen die Panel-Diskutanten als Mitstreiter im globalen Wettkampf. "Europa ist etwa nicht in Führungsposition bei 5G", ist Hanna Mauer Sibley vom Netzwerkausstatter Ericsson überzeugt. "Das wird in Nordamerika und Asien zuerst kommen." Was Europa auszeichne, sei seine kollaborative Umgebung. Gemeinsam könne es gelingen, tragfähige nachhaltige Entwicklungen im Transportbereich voranzubringen und weltweit durchzusetzen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

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