Science 

CRISPR/Cas-Genschere: Ein AIDS-resistentes Baby ist auf dem Weg

Forscher in China begeben sich an ethische Grenzen. Kommt bald das erste AIDS-resistente Gen-Baby auf die Welt?
Forscher in China begeben sich an ethische Grenzen. Kommt bald das erste AIDS-resistente Gen-Baby auf die Welt?
Foto: AP / Mark Schiefelbein
Die Geburt der ersten angeblich genmanipulierten Zwillinge ist geschafft. Nun trägt eine weitere Frau ein genverändertes Kind aus – unter Aufsicht eines chinesischen Wissenschaftlers.

Die ersten genmanipulierten Babys kommen aus China: Kürzlich kamen die ersten genetisch optimierten Zwillinge zur Welt. Am Mittwoch gab der Genetiker He Jiankui nun in Hongkong bekannt, dass im Rahmen seiner Forschung eine weitere Freiwillige mit einem genetisch veränderten Baby schwanger sei. Seine Studie habe ursprünglich acht Paare umfasst, von denen eines aber ausgestiegen sei.

Das neue Gen-Baby soll resistent gegen AIDS sein

Voraussetzung für die Teilnahme sei gewesen, dass der Vater HIV-positiv und die Mutter HIV-negativ getestet seien. Der DNA-Eingriff soll nach Angaben Hes die Kinder resistent gegen Aids machen.

Video: Gen-Operationen an Embryos

He verteidigte auf dem Wissenschaftsgipfel in Hongkong seine Arbeit gegen weltweit geäußerte Kritik. „Dieser Fall erfüllt mich mit Stolz, mit ganz besonderem Stolz“, sagte er auf der Konferenz. He, Professor an einer Universität in Shenzhen, sagte, er habe die Studie einem Wissenschaftsjournal zur Prüfung vorgelegt. Seine Universität habe davon keine Kenntnis gehabt.

Wie mit Genschere geschnitten

Weitere Angaben machte der Forscher nicht. Seine Arbeit sei eigenfinanziert gewesen. Der chinesische Wissenschaftler habe die als Genschere bekannte Technik CRISPR/Cas angewandt, um das Erbgut der in diesem Monat bereits geborenen Zwillings-Mädchen zu verändern.

Video: Was ist CRISPR?



Die Methode ermöglicht es Wissenschaftlern, DNA gezielt zu schneiden und zu verändern. Gene können eingefügt, entfernt oder ausgeschaltet werden. Die Forschung zielt darauf ab, genetische Veranlagungen für Krankheiten einmal ausschalten zu können. Allerdings bestehen auch ethische Bedenken gegen die Methode. Nach Bekanntwerden der Geburt der mutmaßlich weltweit ersten genmanipulierten Babys haben mehr als 100 Wissenschaftler den Einsatz der Genschere an menschlichen Embryonen scharf kritisiert. „Die Büchse der Pandora wurde geöffnet“, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Brief, den vor allem Wissenschaftler aus China unterzeichnet hatten.

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Wo sind die ethischen Grenzen?

Der Einsatz am menschlichen Erbgut sei gefährlich und nicht zu begründen. Auch die chinesische Regierung verurteilte das Vorgehen. He gab in auf Youtube veröffentlichten Videos an, die Zwillinge mit den Namen Lulu und Nana seien „so gesund wie jedes andere Baby“. Die beiden Neugeborenen sollen bis zum 18. Lebensjahr überwacht werden. He betonte weiter, seine Ergebnisse könnten für Millionen Menschen mit angeborenen Erkrankungen genutzt werden.

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