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Chinas Designer-Babys: Wird Genmanipulation jetzt verbannt?

Befristeter Verzicht auf Genmanipulation wird von 18 Experten gefordert.
Befristeter Verzicht auf Genmanipulation wird von 18 Experten gefordert.
Foto: imago/Science Photo Library
Forscher fordern nach Chinas Designer-Babys einen Verzicht auf die umstrittene Genmanipulation. Warum das zwar ein gutes Signal, aber noch keine Lösung ist, erfährst du hier.

Im vergangenen November kamen in China die ersten genetisch veränderten Babys auf die Welt. Der Aufschrei danach war groß. Jetzt fordern Fachleute einen befristeten gesetzlichen Verzicht von Genmanipulation, welcher die umstrittene Methode im Keim ersticken könnte.

Fachleute verlangen einen Verzicht auf Genmanipulation

Keine Designer-Babys mehrdafür kämpfen renommierte Biowissenschaftler und Ethiker aus sieben Ländern, indem sie ein Moratorium, einen gesetzlich angeordneten Aufschub, fordern. Konkret setzen sie sich gegen gentechnische Praxen wie die Genschere Crispr/Cas9 ein. Doch wird das wirklich etwas ändern? Die Fachwelt hat ihre Zweifel.

Video: CRISPR/Cas9 einfach erklärt

Vier Monate nach der Geburt der Designer-Zwillinge Nana und Lulu erheben 18 anerkannte Forscher ihre Stimme. Unter diesen befinden sich besipielsweise Emmanuelle Charpentier, eine der Entdeckerinnen der Genschere CRISPR/Cas, sowie auch der Nobelpreisträger Paul Berg. In dem Wissenschaftsmagazin Nature verlangen sie, dass es weltweit eine "feste Zeitspanne geben [soll], in der keine klinischen Anwendungen der Keimbahn-Editierung in irgendeiner Form erlaubt sind".

Der Verzicht soll freiwillig sein. Ist das nicht etwas gutgläubig?

Das erste große Aber an der ganzen Geschichte: Die Forderung beläuft sich auf freiwilliger Basis. Sprich die Nationen sind nicht verpflichtet, auf die genmanipulierende Praxis zu verzichten. Die Experten machen nämlich in ihrem Beitrag deutlich, dass "Nationen für sich entscheiden, welchem Weg sie folgen wollen". Fachleute beurteilen die praktische Umsetzung einer gemeinsamen Einigung als sehr schwierig.

Das zweite vielleicht noch größere Aber ist, dass der Verzicht auf die Genmanipulation nur zeitlich befristet sein soll. Der Bann solle nicht auf ewig und auch nicht für die Grundlagenforschung gelten. 2015 wurde zum ersten Mal nach einem internationalen Moratorium verlangt.

Zu diesem Zeitpunkt wurden sowohl Potenzial als auch Risiken der CRISPR/Cas Genschere klar. Verhindert hatte diese Forderung die Geburt der genmanipulierten Babys in China trotzdem nicht.

Motto: Kommt Zeit, kommt Rat?

Nach fünf Jahren sollen während des Moratoriums die wichtigsten Fragen zur Sicherheit und Wirksamkeit der Eingriffe zur Genveränderung beantwortet werden. Währenddessen darf aber weiter mit Genen herumhantiert werden, solange es nicht zu Befruchtung der Eizelle kommt. Und auch nach der Frist, wird Genmanipulation immer noch nicht ethisch vertretbar sein, meinen Experten. Laut Ethikerin Christiane Woopen ginge es aus ihrer Sicht um eine Menschheitsfrage.

Sogar die Autoren des Beitrags sind sich unsicher, was die Forderung wirklich bewirken könnte. "Ein Moratorium wird Schurken in der Forschung nicht stoppen", stellte einer der Beitragsautoren laut sz fest. Die Angst vor einer weiteren Nana oder Lulu wäre hierbei nicht entscheidend. "Solche Einzeltaten verändern nicht die Welt. Die entscheidende Frage ist, ob ein ganzes Land sich dafür ausspricht, Menschen genetisch zu verändern."

Gutes Zeichen, aber nicht genug.

Unser Fazit: Die Forderung des befristeten Verzichts ist ein nötiges Zeichen für die Wissenschaft. Ob sie aber wirklich was bewirken kann, ist zweifelhaft.

Nach dem großen Aufschrei um den Skandal der chinesischen Designer-Babys, drohte ihrem Schöpfer zwischendurch sogar die Hinrichtung. China hat bereits neue Regularien für biomedizinische Technologien bei Genmanipulation festgelegt. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass genmanipulierte Babys uns intellektuell überlegen sein könnten. Ursprünglich sollte CRISPR/Cas übrigens den HIV-Virus bekämpfen.

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