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Endlich aufgetaut! 50 Jahre altes Schaf-Sperma ist noch quicklebendig

50 Jahre hat das Sperma von Schafen überlebt – und war gleich wieder voll im Einsatz.
50 Jahre hat das Sperma von Schafen überlebt – und war gleich wieder voll im Einsatz.
Foto: imago/Robert Michael
Es war ein kleiner Spritzer für ein Schaf und soll ein großer Schritt für die Menschheit werden. Forscher wollen mit 50 Jahre lang eingefrorenem Sperma Krebspatienten helfen.

Am Sonntag haben Forscher das älteste konservierte Sperma der Welt aufgetaut und weibliche Schafe damit geschwängert. 1968 war es in flüssigen Stickstoff eingefroren worden, um zu sehen, wie lange sich die Samen, die von einem Schaf kamen, halten können. Nun sind die Wissenschaftler positiv gestimmt, dass ihr Projekt jungen Menschen helfen wird.

Schaf-Sperma nach 50 Jahren aufgetaut – und einsatzfähig

Hinter dem seit 1968 eingefrorenen und nun aufgetauten Schaf-Sperma stecken Forscher der University of Sydney. Mit dem Projekt wollten sie beweisen, dass Ejakulat auch nach langer Lagerung überleben kann. Das ist ihnen angeblich gelungen. Der Erfolg ihrer Arbeit soll jedenfalls weitreichendere Folgen haben als die reine Beweisführung.

Als Dr. Steven Salamon, Schaf-Forscher an der University of Sydney vor 50 Jahren eine Zeitkapsel präparierte, füllte er sie mit Proben der Samenflüssigkeit von vier preisgekrönten Schafsböcken. Sie wurden bei minus 196 Grad Celsius eingefroren und so über die Zeit konserviert. Als Salamon 2017 starb, führte die nächste Generation von Schaf-Forscher seine Arbeit fort.

2 Sensationen mit dem Schaf-Sperma

50 Jahre nach der Konservierung folgte 2018 die erste Sensation: Die Zeitkapsel wurde geöffnet – und das Sperma befand sich in gutem Zustand. "Als wir den Samen zum ersten Mal aufgetaut haben, um seine Qualität (Motilität, Lebensfähigkeit, DNA-Integrität) zu testen, waren wir sehr aufgeregt (und ein wenig erleichtert!), dass 50 Jahre Lagerung bei -196 °C scheinbar keine negativen Auswirkungen hatten die Gesundheit der Spermien", sagte der am Projekt beteiligte Simon de Graaf, Ph.D. und Honorarprofessor für Tierreproduktion, gegenüber Inverse.

"Das gab uns die Sicherheit, dass sie, wenn wir das Sperma für die künstliche Befruchtung verwenden würden, immer noch fruchtbar sein sollten", so de Graaf.

Und das taten sie, was die zweite Sensation war: Sie befruchteten weibliche Schafe mit dem 50 Jahre alten Ejakulat. Von 56 inseminierten Zibben sind 34 schwanger geworden, eine Erfolgsquote von 61 Prozent. Zum Vergleich: Frischere Spermien, die nur zwölf Monate gelagert worden waren, erzielten eine Erfolgsquote von 59 Prozent.

"Wir glauben, dass es sich hier um die ältesten nutzbaren aufbewahrten Spermien einer Art weltweit handelt und in jedem Fall um das älteste Sperma, mit dem Nachwuchs produziert wurde", erklärte eine weitere Forscherin Inverse. Die Nutzbarkeit von langfristig eingefrorenem und gelagertem Sperma sei damit bewiesen.

Sperma-Experiment bei Schafen: Hilfe für Krebspatienten

Die Studie ist jedoch nicht nur für Schafzüchter, Wollfabrikanten und Biologen von Interesse. Für junge Menschen, deren kurzfristige Zukunft ungewiss ist, können die Erkenntnisse ebenfalls hilfreich sein, so die Forscher. Junge Krebspatienten etwa könnte mit diesem Wissen die Möglichkeit eröffnet werden, ihre Samenproben langfristig zu speichern, bevor sie mit einer Strahlentherapie beginnen würden. Das würde ihnen ermöglichen, später Kinder zu bekommen, selbst wenn sie noch keinen Partner gefunden hätten.

"Unsere Forschung zeigt, dass diese Männer sicher sein können, dass ihr Samen, der in ihren Teenagerjahren oder frühen 20 Jahren gesammelt worden ist, bis zu dem Tag, an dem sie ihn benötigen, gesund und lebensfähig bleibt (falls sie später im Leben mit Fruchtbarkeitsproblemen konfrontiert werden), sogar noch Jahrzehnte in der Zukunft “, sagt de Graaf. "Ich bin mir sicher, dass ihre zukünftige Fruchtbarkeit wahrscheinlich nicht die Hauptsache ist, wenn sie sich einer Krebsbehandlung unterziehen, aber es ist eine Sache weniger, über die man sich Sorgen machen muss."

Samenflüssigkeit hat bereits in weiteren Tests gezeigt, wie resistent und hilfreich es ist. So könnte Sperma in der Gebärmutter Krebszellen zerstören. Hilfe für kinderlose Paare gibt es derweil mit dem Sperma-Test per Smartphone. Aber Vorsicht: Deshalb sollte man sich Sperma nicht selbst spritzen.

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