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Geheimwaffe Silber: So kämpft die ISS gegen mutierte Superbakterien

Geheimwaffe Silber: So kämpft die ISS gegen mutierte Superbakterien

Scheinbar lassen sich mittels Silber nicht nur Werwölfe bekämpfen. Denn auch die resistenten Superbakterien der Internationalen Raumstation (ISS) sehen darin ihren Untergang.
Do, 21.03.2019, 17.04 Uhr

Geheimwaffe Silber: So kämpft die ISS gegen mutierte Superbakterien

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Scheinbar lassen sich mittels Silber nicht nur Werwölfe bekämpfen. Denn auch die resistenten Superbakterien der Internationalen Raumstation (ISS) sehen darin ihren Untergang.

Wann immer eine Kapsel mit Personen- oder Sachlast die Atmosphäre unseres blauen Planeten verlässt, trägt sie Bakterien mit sich. Diese müssen nicht immer, können aber zum Teil schädlich sein. Verlassen diese kleinen Schädlinge den irdischen Schutzraum, geschieht etwas außergewöhnliches: sie mutieren. Gerade für kosmische Ballungszentren wie die Internationale Raumstation (ISS) können sie zu einem ernsten Problem werden.

Mutierte Superbakterien auf der ISS

Was die mutierten Bakterien so gefährlich macht, ist die Resistenz, die sie beim Verlassen der Erdatmosphäre gegen Medikamente und andere Bekämpfungsmethoden aufbauen. Befinden sie sich dann erstmal an einem Ort wie der ISS, können sie sich ungehindert ausbreiten. Trägt also ein Astronaut oder Frachtgut einen Erreger mit sich, kann dieser sich zu einer ernstzunehmenden Bedrohung entwickeln.

"Raumfahrt kann aus harmlosen Bakterien potentielle Krankheitserreger machen", erklärt Elisabeth Grohmann, Professorin an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. Sie spielt außerdem eine federführende Rolle im Kampf gegen die antibiotisch resistenten Superbakterien der ISS und ist zudem die leitende Autorin einer entsprechenden Studie, die sie gemeinsam mit deutschen und russischen Mikrobiologen durchgeführt hat.

Beschichtung ist "vergleichbar mit Bleiche"

Weiter erklärt Grohmann: "So wie Stresshormone Astronauten anfällig für Infektionen machen, werden die Bakterien, die sie transportieren, härter – sie entwickeln dicke Schutzbeschichtungen und sind resistenter gegen Antibiotika – und werden kräftiger, vermehren sich und verstoffwechseln schneller." Warum die Bakterien überhaupt beim Übertritt aus der Erdatmosphäre mutieren, kann die Forschung jedoch noch nicht in Gänze beantworten.

Im Kampf gegen die Mini-Mutanten haben die Forscher die Toilettentür der ISS auf Silber basierend und antimikrobiell beschichtet. Wenngleich Silber bereits seit Jahrtausenden als effektives Mittel gegen die Ausbreitung von Erregern gilt, bestand zunächst die Sorge, dass die Superbakterien auch hiergegen resistent geworden seien.

Der aus Silber und Ruthenium zusammengesetzten Legierung jedoch gelang es bereits in früheren Tests effektiv Pilze, Hefen, Viren und Bakterien zu bekämpfen. "Die Effekte sind vergleichbar mit Bleiche", erklärt Grohmann. "Abgesehen davon, dass die Beschichtung sich selbst regeneriert und somit niemals verbraucht wird."

Desinfektion im großen Stil

In Folge der sechs Monate andauernden Untersuchungen zeigten die Resultate, dass die Studie ein voller Erfolg war. Nach einem halben Jahr konnte sich keiner der Erreger auf den behandelten Oberflächen erholen. Auch nach längeren Zeiträumen von 12 und 19 Monaten erholten sich lediglich 12 Bakterien. Die Legierung hat also zum Fall des Bakterien-Levels um immerhin 80 Prozent geführt.

Wenngleich sich durch diese Errungenschaft noch nicht alle Ursachen für die Verbreitung der resistenten Superkeime bekämpfen lassen, stellt sie doch einen wesentlichen Fortschritt dar. Doch stellen Bakterien nicht die einzige Gefahr dar, die aus dem All auf uns zukommt. So ist erst im Dezember ein Meteorit mit der Kraft von 10 Atombomben in unserer Atmosphäre explodiert. Übrigens: Forscher haben bei einem Blick ins frühe Universum ganze 83 Quasare entdeckt.

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