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Diese bekannte Zimmerpflanze wurde genetisch verändert – mit wunderlicher Wirkung

Jeder sollte einen Teufelsefeu in der Wohnung haben, am besten natürlich genetisch verändert.
Jeder sollte einen Teufelsefeu in der Wohnung haben, am besten natürlich genetisch verändert.
Foto: Pixabay
Zimmerpflanzen sind beliebter denn je. Doch US-Forscher glauben, dass ihre wahre, luftreinigende Wirkung noch zu gering ist. Deshalb haben sie ein bekanntes Gewächs genetisch bearbeitet.

Zimmerpflanzen werden ganz besondere Kräfte nachgesagt: So können sie giftige Stoffe aus der Luft filtern und sie so reinigen. Einige Studien legen jedoch nahe, das sei zu wenig. Deshalb haben Forscher eine Pflanze quasi mit Superkräften ausgestattet: Sie unterzogen sie einer Gentherapie. In Zukunft soll das ganz schön hilfreich sein.

Teufelsefeu: Die Zimmerpflanze genetisch verändert

1989 legte die NASA einen Bericht dazu vor, dass Zimmerpflanzen wahre Luftreiniger wären. Der Test war darauf ausgelegt, herauszufinden, wie die Luft in den Raumschiffen der Behörde von Giftstoffen befreit werden könnte. So setzte sich die Idee durch, dass die Wirkung der Gewächse auch in geschlossenen Räumen auf der Erde funktioniere. Neue Studien allerdings wollen bewiesen haben, dass die Reinigungsleistung der Pflanzen geringer ist als angenommen.

Doch was nun? Neueste Gentechnik verhilft den Forschern zu Antworten. Synthetische Gene wurden bereits in einer Zimmerpflanze eingesetzt, um sie zu wirklichen Luftreinigern zu machen. Keine Angst, eine blutdürstige, fleischfressende Pflanze wie in dem Musical "Der kleine Horrorladen" ist nicht daraus geworden.

Ein Team der University of Washington nahm sich eine Pflanzenart namens Teufelsefeu, auch Pothos oder Indoor-Efeu genannt, dafür vor. Es handelt sich um eine robuste Kletterpflanze für Innenräume, gut für alle, die keinen grünen Daumen haben. Ihr verabreichten die Wissenschaftler ein synthetisches Gen, das sie dazu brachte, ein Protein namens Cytochrome P40 2E1 (oder schlicht 2E1) zu produzieren. Es ist in allen Säugetieren vorhanden, so auch im menschlichen Körper, in dem es giftige Benzole und Chloroforme in harmlose Stoffe umwandelt. Es kommt jedoch nur in der Leber vor und kann daher nicht dabei helfen, Luftschadstoffe zu verarbeiten.

Die "grüne Leber"

"Wir entschieden uns dafür, dass diese Reaktion außerhalb des Körpers in einer Pflanze stattfinden sollte, ein Beispiel für das Konzept der 'grünen Leber'", sagte der leitende Studienbeauftragte und Forschungsprofessor Stuart Strand dem Magazin Genetic Engineering and Biotechnology News.

Von der "grünen Leber" sprechen Experten ungefähr, seit das Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) in München herausgefunden hat, dass in Blättern von Grünpflanzen Eiweiß steckt, das gesundheitsgefährdende Stoffe wie Formaldehyd, das beispielsweise in Spanplatten oder Teppichböden vorkommt, in risikolose Stoffe wie Aminosäuren oder Zucker umwandelt.

2E1 nun kann umgekehrt sogar der Pflanze guttun, der es künstlich zugefügt wurde. "Pflanzen verwenden Kohlendioxid- und Chloridionen, um ihre Nahrung herzustellen, und sie verwenden Phenol, um Bestandteile ihrer Zellwände zu bilden", so Strand.

Gen-Pflanze vs. Normalo: Der Gewinner

In ihrem Experiment verstauten die Forscher genetisch veränderte und nicht veränderte Teufelsefeus in Glasrohren, fügten ihnen hoch konzentrierte Benzene oder Chloroforme zu und maßen diese über elf Tage hinweg. Die unveränderten Pflanzen zeigten danach keine Verbesserungen in der Luftqualität, die manipulierten dagegen schon: das Chloroform-Konzentration fiel nach drei Tagen um 82 Prozent und war nach sechs Tagen kaum mehr aufspürbar. Die Benzene hatten sich nach acht Tagen um 75 Prozent reduziert.

Die Ergebnisse der Forscher zeigen, dass Umweltwissenschaft und insbesondere Experimente mit Zimmerpflanzen uns langfristig helfen werden, die Luft in unseren Räumen sauber zu halten. Auch genetisch veränderte Gewächse können zwar nicht alle giftigen Stoffe filtern, wenn jedoch ein adäquater Luftzug in deiner Wohnung oder deinem Haus herrscht, kann eine Pflanze mehr als nur Deko sein.

Video: NASA-Studie zeigt, welche Zimmerpflanzen du dir anschaffen solltest

Zwei Proteine in einer Pflanze

Nun plant das Team aus Washington bereits, ein weiteres Protein zu den bereits veränderten Teufelsefeus zu geben, um auch noch dem gesundheitsschädigenden Formaldehyd beizukommen. Dieser findet sich beispielsweise in Tabakprodukten und Holz. "Ohne Proteine, um diese Moleküle abzubauen, müssten wir dazu hochenergetische Prozesse einsetzen. Es ist viel einfacher und nachhaltiger, diese Proteine ​​in einer Zimmerpflanze zusammenzubringen", sagt Strand.

Ihrer Untersuchung zufolge empfiehlt die NASA diese sechs Zimmerpflanzen – zwar primär für Raumschiffe, aber auch in deinem Zuhause können sie auf jeden Fall nicht schaden. Und dieser Roboter könnte deine Pflanzen schützen. Derweil soll die ISS das Stress-Level von Erdpflanzen messen. Es ist viel los in der Botanik.

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