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Reich werden, dank guter Gene? Forscher gehen der Frage auf den Grund

Ist es genetisch bedingt, wie viel du später verdienen wirst? An dieser Frage scheitern Forscher glücklicherweise bisher.
Ist es genetisch bedingt, wie viel du später verdienen wirst? An dieser Frage scheitern Forscher glücklicherweise bisher.
Foto: imago/Science Photo Library
Die Frage, ob dein Verdienst genetisch bedingt ist, beschäftigt die Wissenschaft. Eine Studie analysierte 18 Millionen Stellen im Erbgut und scheiterte. Warum das auch gut so ist, erfährst du hier.

David Hill, ein statistischer Genforscher der Universität Edinburgh, durchsuchte die Daten der "UK Biobank", die größte öffentliche Sammlung an biologischem Material wie beispielsweise DNA-, Blut- oder Gewebeproben. Der Forscher wollte herausfinden, ob Gene dafür verantwortlich sind, reich zu werden.

Forscher untersuchen, ob Gene reich machen

Gemeinsam mit seinem Team, durchforstete er die Datenbank nach Personen, die die Frage nach ihren Einkommen beantwortet hatten. Daraufhin verwendeten die Wissenschaftler die Informationen, um eine Studie durchzuführen, bei der sie den Zusammenhang vom Erbgut eines Menschen (Genom) und seinem Einkommen überprüften. Dafür betrachteten sie 286 in der Datenbank gelistete Personen und 18 Millionen Stellen im Genom.

Lediglich 30 Fälle, und damit 7,4 Prozent der untersuchten Einheiten, wiesen Zusammenhänge auf. Daraufhin analysierten die Genforscher jene Fälle, um die Wahrscheinlichkeit einer bestimmten Person vorherzusagen, etwa Diabetes zu bekommen oder ein sechsstelliges Einkommen zu erzielen – und scheiterten. Damit konnte sie keinen Zusammenhang zwischen dem persönlichen Erbgut und dem zukünftigen Einkommen beweisen. Denn Einkommensunterschiede, die durch das jeweilige Genom erklärt werden konnte, machten nur 2,5 Prozent aus.

Warum der ganze Aufwand?

Die als "Soziogenomik" bezeichnete Wissenschaft könnte womöglich dabei helfen, grundlegende Fragen zur Ungleichheit zu beantworten. Das wiederrum könnten politische Entscheidungsträger im Kampf gegen soziale Ungerechtigkeiten und Armut berücksichtigen. Es könnte gar als Argument gelten, die Umverteilung von Ressourcen radikal umzuwälzen.

Weniger optimistisch seien jedoch folgende Szenarien, so sagt es Wired vorher:

  • Potenzielle Arbeitgeber könnten dich bitten, deinen "genetischen Einkommenswert" als Teil einer Bewerbung einzureichen.
  • Kranken- und Lebensversicherungen könnten ihre Konditionen davon abhängig machen.
  • Dating-Apps könnten Leuten mit genetisch bedingten Wohlstand, nur noch Personen mit einem ähnlichen Erbgut vorschlagen.
  • In der Pränataldiagnostik könnten Kliniken Schwangeren prophezeihen, ob ihr zukünftiges Kind genetisch bedingt zum Wohlstand neigt oder nicht.

Und das ist sicherlich nicht das Ende der Dystopie.

Es sind bereits weitere Studien zur Erforschung des "genetisch bedingten Einkommens" geplant. Jedoch berge der Blick auf die molekulare Struktur des Geldverdienens ein großes Potenzial für Fehlinterpretation oder Missbrauch, so Philipp Köllinger, Ökonom an der Vrije Universität Amsterdam, gegenüber Wired.

Fazit: Bisherige Forschung stößt an ihre Grenzen

Der Zusammenhang zwischen menschlichem Erbgut und Einkommen konnte (noch) nicht nachgewiesen werden. Hierbei stößt die Forschung wohl an die Grenzen ihrer bisherigen Möglichkeiten und wird gleichwohl mit komplexen ethischen Fragen konfrontiert. Andere Studien beschäftigen sich intensiv damit, herauszufinden, welche Gene Einfluss auf deine Intelligenz nehmen.

Ein Genforscher glaub außerdem zu wissen, dass deine Gene deine Lebenserwartung nicht so sehr beeinflussen wie angenommen.

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