Science 

Zombiehirne: "BrainEx" belebt Hirnfunktionen von Schweinen wieder

Tot? Lebendig? Die neuen Erkenntnisse zu wiederbelebten Schweinshirnen rütteln an unserem Verständnis über den Tod.
Tot? Lebendig? Die neuen Erkenntnisse zu wiederbelebten Schweinshirnen rütteln an unserem Verständnis über den Tod.
Foto: imago images / Winfried Rothermel
Forscher haben Schweinshirne mit einem Chemiecocktail zum Teil wiederbelebt – das sind Frankenstein-Vibes. Oder vielleicht doch besser: Frankenschwein?

Forschern der US-amerikanischen Yale School of Medicine ist es gelungen, Schweinshirne aus abgetrennten Köpfen der Säue mit einem Chemiecocktail zum Teil wiederzubeleben.

Wiederbelebt: Hirne von Schweinen zeigen Funktionen

Die Studienergebnisse sind am Mittwoch im Wissenschaftsmagazin „Nature“ erschienen. Manche Funktionen der Schweinsgehirne konnten die Wissenschaftler bis zu vier Stunden, nachdem die Tiere geschlachtet waren, aktivieren. Jedoch konnten die Chemikalien das Bewusstsein der Tiere nicht zurückbringen: So waren keine Hirnwellen messbar und damit auch keine Gehirnaktivität.

Für die Untersuchung pellten die Forscher 32 Gehirne aus Schweineschädeln, legten die Organe in eine Spezialkammer und schlossen sie an einen Katheter an.

"BrainEx" heißt der Jungbrunnen der Wissenschaftler

Die Katheter waren mit einem System verbunden, das vier Stunden nach der Schlachtung einen warmen, mit Sauerstoff angereicherten Blutersatz in die Hirne pumpte. „BrainEx“ haben die Wissenschaftler ihren Jungbrunnen getauft, der die Blutzirkulation mit Nährstoffen und Sauerstoff nachahmt. Die eingesetzte Lösung enthielt außerdem Chemikalien, die Hirnaktivität verhindern sollten.

Für den Fall, dass die Hirne wieder ein Bewusstsein zeigten, hielten die Wissenschaftler Narkosemittel bereit. Als die Forscher Gewebeproben der behandelten Hirnregionen unter Strom setzten, war zu sehen, dass einige Neuronen noch Hirnsignale tragen konnten.

Kein Hinweis auf wiedererlangtes Bewusstsein

Die Technik konnte einige grundlegende Hirnfunktionen aktivieren wie die Fähigkeiten der Zellen, Zucker zu verarbeiten, Energie zu produzieren, „Zellmüll“ zu entsorgen und die Hirnstrukturen zu erhalten. Was die Forscher jedoch nicht sehen konnten, war ein charakteristisches elektrisches Muster – ein Hinweis auf ein Bewusstsein wie in lebendigen Hirnen.

Um das zu erreichen, müssten die Forscher laut eigener Einschätzung dem Hirn einen elektrischen Schlag verpassen oder es für einen längeren Zeitraum in einer Nährstofflösung konservieren, damit es sich von Schäden erholen kann, die während dem Sauerstoffmangel entstanden sind.

Wann ist jemand tot?

Die aufsehenerregenden Erkenntnisse verändern das Verständnis über die Endgültigkeit des Todes. Christof Koch, Präsident des Allen-Instituts für Hirnforschung in Washington, sagte: „Über die gesamte Menschheitsgeschichte schien der Tod sehr einfach. Jetzt stellt sich die Frage, was wirklich unumkehrbar ist.“

Auch rechtliche Fragen spielen eine Rolle: Wann ist eine Person wirklich endgültig tot? Wenn die Hirnaktivität nicht mehr messbar ist, oder wenn auch ein Chemiecocktail nicht mehr hilft? In der Regel tritt der Hirntod beim Menschen bereits nach wenigen Minuten ohne Blut, Sauerstoff oder Energie ein – die in diesen Minuten getragenen Schäden sind irreperabel.

Vor kurzem war es erst Wissenschaftlern gelungen, aus Nervenzellen komplexe Gewebeklumpen zu züchten. Eine andere Studie in der Hirnforschung hat herausgefunden, dass Menschen einen Sinn für Magnetismus haben.

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