Science 

Weltweites Wettrennen um Einsatz von Gentherapien: Auch US-Forscher behandeln jetzt mit CRISPR

So in etwa: Auch US-Forscher greifen für die Krebstherapie auf die Genschere zurück.
So in etwa: Auch US-Forscher greifen für die Krebstherapie auf die Genschere zurück.
Foto: imago images / Science Photo Library
Auch in den USA beginnen jetzt Forscher, Krebsarten mit der Genschere CRISPR zu therapieren. Was kann die vielversprechende Technologie?

Erstmals werden auch US-Forscher die Genschere CRISPR in einer Studie dazu benutzen, um Krebspatienten zu behandeln, wie der Hörfunksender National Public Radio (NPR) berichtet.

Forscher behandeln Krebs mit CRISPR

Zwei Patienten wurden in der Untersuchung bereits mit der Technik an der Universität Pennsylvania behandelt, wie eine Sprecherin am Montag bestätigte. Ein Patient litt an der seltenen Krebsart "Multiples Myelom", der andere an einem Sarkom, also einem bösartigen Tumor.

Bei dem klinischen Versuch entnehmen die Mediziner Immunzellen der Patienten, verändern sie genetisch im Labor und setzen die modifizierten Zellen wieder zurück in den Körper. Dabei sollen die veränderten Zellen die Krebszellen anvisieren und zerstören. Wie erfolgreich die Forscher das Vorhaben einschätzen, bleibt unbekannt – bisher ist die Untersuchung nur auf 18 Patienten beschränkt.

CRISPR-Studien in mehreren Ländern

"Forschungsergebnisse werden zu einem angemessenen Zeitpunkt bei einer Vorstellung oder in einer Fachzeitschrift mitgeteilt werden", äußerte sich eine Sprecherin der Universität gegenüber dem NPR.

Die laufende CRISPR-Studie ist nur eine von vielen Untersuchungen, die es auch in Kanada, Europa und China gibt, in der die Genschere zur Behandlung diverser Krankheiten zum Einsatz kommt.

Genforscher: "Welt bekommt zu sehen, was CRISPR bewirken kann"

"2019 ist das Jahr, in dem die Stützräder wegfallen und die Welt zu sehen bekommt, was CRISPR im positivsten Sinne bewirken kann“, sagte der US-amerikanische Genforscher Fyodor Urnov dem NPR.

CRISPR ist ein neues und vielversprechendes genetisches Werkzeug, mit dem Forscher das Genmaterial eines Menschen präziser als je zuvor verändern können. Wissenschaftler glauben, dass die Genschere auf revolutionäre Art und Weise Krankheiten verhindern und behandeln kann. So könnten Mediziner seltene Gendefekte heilen und mit genmodifizierten Zellen Therapien beginnen.

Schneiden statt Schleusen

Herkömmliche Formen von Gentherapie haben bisher Viren genutzt, um neue Gene in Zellen zu schleusen und so Krankheiten zu behandeln. Behandlungen mit der neuen CRISPR-Methode benutzen molekulare Werkzeuge und vermeiden Viren, auch weil ihr Einsatz nicht ganz ungefährlich ist. Mit CRISPR können Wissenschaftler problematische Genabschnitte herausschneiden oder verändern.

"Jeder Mensch auf diesem Planeten sollte hoffen, dass die Technologie funktioniert. Es könnte klappen. Es könnte nicht klappen. Niemand weiß es", findet die US-amerikanische Medizinethikerin Laurie Zoloth. "Es ist ein Experiment. Deshalb braucht es besondere Vorsichtsmaßnahmen. Und man muss wirklich im Voraus moralisch überlegen, wie man mit dieser Art von Behandlung umgeht."

Im vergangenen Jahr hatte der chinesische Forscher He Jiankui die Wissenschaft in Aufruhr versetzt, nachdem er mit CRISPR Genmanipulationen an Babys vornahm. Als Reaktion verfasste China ein Regelwerk für die Genschere.

Neueste Videos auf futurezone.de

Neueste Videos auf futurezone.de

Beschreibung anzeigen