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"Terra X"-Physiker Harald Lesch macht Tesla mit 3 Argumenten fertig – doch sind sie haltbar?

"Terra X"-Experte Harald Lesch ist bekannt dafür, dass er von Elektromobilität nichts hält. Für seine Theorie muss er nun Kritik einstecken.
"Terra X"-Experte Harald Lesch ist bekannt dafür, dass er von Elektromobilität nichts hält. Für seine Theorie muss er nun Kritik einstecken.
Foto: imago images / Future Image
In einem neuen "Terra X"-Video zerlegt ZDF-Physiker Harald Lesch Tesla und andere Elektroautohersteller. Ihre Visionen für die Zukunft hält er aus mehreren Gründen für Schwachsinn. Damit gerät er selbst in die Kritik.

Seit einiger Zeit schon führt "Terra X"-Physiker Harald Lesch im Fernsehen durch Themen aus seinen Spezialgebieten: der Astrophysik und der Naturphilosophie. Er ist mit der Zeit zu einer Art Ikone geworden ist und polarisiert mit vielen seiner Aussagen. So auch wieder in einem Clip zu "Terra-X: Faszination Universum", die im Juni ausgestrahlt wurde. Darin nimmt er sich das Thema Elektroautos vor und demontiert die "Tesla-Ideologie" von vorne bis hinten. Dafür muss er wiederum einiges an Kritik einstecken.

"Terra X"-Physiker nimmt Tesla gehörig auseinander

Batteriebetriebene Elektroautos werden häufig als die große Antwort auf die Frage nach der Energiewende bezeichnet. Schließlich stoßen sie keine klimaschädlichen Abgase aus, stinken deshalb nicht und sind noch dazu leise unterwegs. Doch mit dem Hype kommen auch immer mehr Zweifel an der Technologie auf, zum Beispiel an der Produktion der Akkus, die der Umwelt ebenso schaden. Zu den Zweiflern gehört auch der bekannte ZDF-Astrophysiker Harald Lesch.

In einem auf der Website der Wissenschaftsreihe "Terra X" veröffentlichten Clip basht er ordentlich gegen die, wie er sie nennt, "Tesla-Ideologie". Auch auf YouTube ist dieser mittlerweile zu sehen. Der Clip trägt den Titel "Brennstoffzelle im Auto: Besser als Lithiumakkus?". Das klingt recht harmlos, sehr schnell kommt der Physiker jedoch in seiner typischen Manier wortstark zum kritischen Punkt der Frage – und macht die E-Auto-Visionen von Musk, Tesla und Co. argumentativ zunichte.

Grund 1: Umweltschaden Elektroauto

"Inzwischen dominieren Elon Musk und seine Tesla-Ideologie die Elektromobilität", hat Lesch zu bemängeln. Als Hauptargumente nennt er, wie derzeit viele weitere Kritiker, die Folgekosten der Akkuproduktion sowie den enormen Wasserverbrauch zur Herstellung des notwendigen Rohstoffs Lithium. Gefördert wird der zumeist in den großen Salzseen Südamerikas.

"In einer chilenischen Anlage, die 44 Quadratkilometer groß ist, müssen jeden Tag 21 Millionen Liter Grundwasser aus dem Boden hochgepumpt werden, um das Lithiumsalz an die Oberfläche zu bringen", so Lesch. Mit dem Abbau des Rohstoffes seien also "erhebliche Umweltschäden verbunden".

Dabei sei der Grundgedanke von Elektroautos ein ökologischer. Wer sich mit ihnen beschäftigt, will etwas Gutes, salopp gesagt: weniger Schadstoffe ausstoßen und das Klima retten. So scheint es zumindest. Genau das Gegenteil werde jedoch getan, und das sei laut dem ZDF-Physiker das Paradoxon.

2 weitere Gründe gegen Tesla und Co.

Lesch zufolge ist das aber noch nicht alles. Für ihn ist die "Tesla-Ideologie" noch aus zwei weiteren Gründen nicht tragbar:

  1. Es belaste das globale Stromnetz, wenn immer mehr Menschen zeitgleich ihre Elektroautos aufladen würden.
  2. Das koste Energie, die es vorzuhalten gelte. Seine Rechnung: Würden eine Million Menschen zur selben Zeit ihr E-Auto aufladen, müssten dafür 350 Gigawatt Leistung zur Verfügung stehen. Das deutsche Stromnetz etwa liefere derzeit aber nur 68,5 Gigawatt.

Wie kann das Problem der "Tesla-Ideologie" gelöst werden?

Für Lesch versteht sich die Lösung des Dilemmas von selbst: die Wasserstofftechnologie. Diese sei seit 2017 aufgegeben worden, dabei aber außerordentlich effizient und umweltschonend. "Der Wasserstoff, den man für die Brennstoffzelle braucht, kann zu 100 Prozent aus ökologischem Strom hergestellt werden. Ich kann ihn sogar aus einer Infrastruktur herausholen, die wir in der Energiewende auf jeden Fall brauchen, nämlich der Power-to-Gas-Speicherung."

Auf Wasserstoffautos zu setzen, würde allerdings teurer, auch für den Endkunden. Dabei nimmt Lesch aber den Staat in die Pflicht, der "dafür sorgen muss, dass die Brennstoffzelle in Deutschland noch eine Chance hat".

Wie seine Argumente ist auch seine Antwort auf das Problem keinesfalls neu. Der Unterschied ist, dass der Astrophysiker und Naturphilosoph es, im Gegensatz zu manch anderen Experten, in klare und verständliche Worte fasst und damit Millionen Menschen erreicht. Die Herausforderungen der Energiewende rücken damit einmal mehr in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit.

Hier kannst du dir den ganzen "Terra X"-Clip mit Lesch anschauen:

Video: ZDF-Physiker Harald Lesch basht gegen die "Tesla-Ideologie"

Jetzt muss der "Terra X"-Physiker selbst Kritik einstecken

Unter anderem das Portal eFahrer, das von Chip und Focus betrieben wird, widerlegt jedoch Leschs Theorie. Insbesondere "die Mär von der Netzüberlastung" sei ihm zufolge nicht mehr aktuell. Sein Blick auf das Problem sei zwar grundsätzlich nicht verkehrt, wenn er eine neue Technologie fordere, die die CO2-Belastung senke. Allerdings arbeite gerade Tesla hart daran, seine Umweltbilanz in den Griff zu kriegen, zum Beispiel mit seiner Tochter Solar City, dem zweitgrößten Anbieter für Photovoltaik in den USA.

Außerdem werde Lithium nicht nur in der Atacama-Wüste und in Bolivien gefördert, sondern es würden Vorkommen und Ausbeutbarkeit auf der ganzen Welt gefördert. Es geht nur darum, die "sauberen" statt billigsten Quellen zu nehmen. "Wer mit dem Finger auf Umweltschäden in der Atacama zeigt, der sollte dabei nicht übersehen, dass die Förderung fossiler Energieträger alles andere als sauber ist."

Nicht zuletzt sei auch der Blick des "Terra X"-Physikers auf den Hoffnungsträger Wasserstoff zu einseitig, so das Portal. Stünden Sonnen- und Windstrom im Überfluss zur Verfügung, sei die saubere Herstellung und Nutzung kein Problem. Doch das sei nicht der Fall. Denn von einer Kilowattstunde Strom, die man für Autoantriebe verwende, kämen bestenfalls nur rund 250 Wattstunden am Motor an.

In Sachen Effizienz seien das alles Argumente, die Leschs Theorie entkräfteten und E-Akkus in Sachen effizient zum Gewinner kürten. Hier liest du die gesamte Kritik an der Darstellung des ZDF-Physikexperten.

Zukunft E-Auto – oder doch nicht?

Elektroautos werden als neuer Trend präsentiert, viele Automobilhersteller stürzen sich derzeit auf das Thema. Dabei ist ihre Umweltverträglichkeit höchst umstritten. Elektroautos können sogar soziale Probleme verursachen. Außerdem haben E-Autos dieses dreckige Geheimnis, während andere Studien nahelegen, dass selbst "dreckige" Elektroautos umweltfreundlicher als Diesel sind. Allerdings muss man auch die Gesamtzusammenhänge betrachten, die Kritikern in der Theorie des "Terra X"-Physikers Lesch zu kurz kommen.

Es ist fraglich, ob sich Politiker, Wissenschaftler, Unternehmen und Verbraucher auf eine effiziente Zukunftstechnologie in Sachen Mobilität werden einigen können. Lesch jedenfalls plädiert für eine parallele Weiterentwicklung von Batterie und Brennstoffzelle, um dann nach einer "längeren Ausprobierzeit" eine Entscheidung für die bessere zu fällen.

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