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Du frisst wöchentlich eine Kreditkarte – das sind die Folgen für deinen Körper

Eine neue Studie legt nahe, dass wir pro Woche eine Kreditkarte essen. Das führt zu Mikroplastik im Körper.
Eine neue Studie legt nahe, dass wir pro Woche eine Kreditkarte essen. Das führt zu Mikroplastik im Körper.
Foto: iStock/LightFieldStudios
Dass Mikroplastik schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch unserer körperlichen Gesundheit. Vor allem, wenn es in so rauen Mengen im Körper vorliegt, wie eine neue Studie behauptet.

Mikroplastik nimmt einen enormen Einfluss auf die Natur: Die Partikel, die sich zum Beispiel in Kosmetika befinden, können nur sehr schwer wieder herausgefiltert werden, sobald sie in Ökosystemen gelandet sind. So schaden sie vor allem den Meeresbewohnern, die das Mikroplastik als Nahrung aufnehmen. Doch damit ist die Kette nicht beendet.

Wenn wir Menschen genau diesen Fisch essen, landet das Mikroplastik auch in unserem Körper und schadet unserer Gesundheit. Außerdem gibt es zahlreiche andere Wege, auf denen wir den Kunststoff aufnehmen. Doch wie viel davon essen wir tatsächlich und wieviel Mikroplastik im Körper ist gefährlich? Eine neue Studie will Antworten gefunden haben.

Vom Meer in den Körper: Mikroplastik

Als Mikroplastik werden laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) alle Kunststoffpartikel bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Wir Menschen nehmen jeden Tag Mikroplastik durch unsere Nahrung auf. Wer jetzt meint, er könne sich durch eine gesunde Ernährung aus unverarbeiteten Lebensmitteln davor schützen, liegt falsch: Selbst durch unser Trinkwasser und bloßes Atmen gelangt der Kunstoff in unseren Körper.

Und nicht gerade wenig: Pro Woche sind es bis zu fünf Gramm, das entspricht nach Angaben der Zeitung die Welt dem Gewicht einer Kreditkarte. Die Menge variiert abhängig von unseren Lebensumständen, dazu zählen zum Beispiel unsere Essgewohnheiten, aber auch unser Wohnsitz.

Neue Studie mit neuen Erkenntnissen

Die Studie, die zu diesem Ergebnis kam, wurde von dem Umweltinstitut WWF in Auftrag gegeben und von Forschern der Universität Newcastle durchgeführt. Es wurden allerdings keine neuen Forschungen angestellt, sondern lediglich bereits vorhandene Daten zu Mikroplastik zusammengefasst und neu ausgewertet.

Die Forscher konzentrierten sich auf die Aufnahme von Mikroplastik aus folgenden Quellen:

  • Atemluft
  • Trinkwasser
  • Salz
  • Bier
  • und Schalentiere.

Der Verzehr von Fisch wurde nicht berücksichtigt, da unklar ist, wieviel Mikroplastik tatsächlich konsumiert wird, und wie viel mitsamt des Innenlebens der Tiere entsorgt wird. Es kann also durchaus sein, dass die tatsächlich aufgenommene Menge noch deutlich höher ist.

Entstehung von Mikroplastik ist vielseitig

Dass es so viele Wege gibt, wie Mikroplastik in unseren Körper gelangen kann, liegt daran, dass es auf so viele Arten und Weisen entstehen kann. Die größten Mengen werden vor allem durch folgende Prozesse produziert:

  • Abrieb von Reifen und Schuhsohlen
  • Verschleiß großer Plastikteile
  • Waschen synthetischer Textilien
  • Entsorgung von Kosmetika wie Peelings mit Mikroplastik
  • Bauschutt
Video: So wird Plastik künftig recycelt

Macht Mikroplastik krank?

Der Studie zufolge nehmen Menschen durch Trinkwasser aus Flaschen das meiste Mikroplastik in ihren Körper auf. Das sei auch mehr betroffen als Leitungswasser. Schließlich sind viele Flaschen selbst aus Plastik oder werden beim Transportprozess "infiziert". Das bedeutet zunächst einmal Entwarnung: "Man geht nach heutigem Forschungsstand davon aus, dass es im deutschen Grundwasser keinen realen Befund für Mikroplastik gibt", sagte WWF-Expertin Kraas gegenüber der Welt.

Außerdem, so die Einschätzung des BfR, seien Auswirkungen auf den menschlichen Körper bislang nicht bewiesen. Eine kürzlich für die USA erstellte Studie bestätigt dies, auch ihre Autoren darauf hinweisen, dass mögliche Ursachen für Schäden bereits beschrieben worden wären. Sie lässt aber keine Rückschlüsse auf die Situation in Deutschland zu.

Am Ende bleibt das Fazit, dass wir noch viel zu wenig über die Folgen von Mikroplastik für unsere Gesundheit wissen. Negative Auswirkungen sind erst einmal nicht auszuschließen. Eine toxische Wirkung haben sie nach heutigem Wissensstand aber nicht.

Mikroplastik reduzieren: So könnte es gehen

Um Mikroplastik im Körper zu reduzieren, muss man es den Experten zufolge in der Natur selbst beseitigen. Heike Vesper, Leiterin des Bereichs Meeresschutz des WWFs, sagte dazu: "Wenn wir kein Plastik in unserem Körper wollen, müssen wir verhindern, dass jedes Jahr Millionen Tonnen Kunststoffmüll in die Natur geraten." Der WWF fordert deshalb ein globales Abkommen gegen Plastikverschmutzung mit verbindlichen Zielen.

Mit dem Projekt "The Ocean Cleanup" will ein Niederländer Plastikmüll aus den Ozeanen fischen. Bei Mikroplastik ist das jedoch nahezu unmöglich. Der einzige Weg, der Verschmutzung vorzubeugen, wäre ein Verzicht auf den Kunststoff, sagen Experten.Du denkst, du verschmutzt die Umwelt nicht? Dann schau dir diese Karte an.

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