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Kein Ende der Hitzewellen! In Deutschland bald "jeder Sommer über 40 Grad" möglich

Dir ist die Hitze unerträglich? Tja. Ein Ende der Hitzewellen ist wohl nicht in Sicht. Im Gegenteil.
Dir ist die Hitze unerträglich? Tja. Ein Ende der Hitzewellen ist wohl nicht in Sicht. Im Gegenteil.
Foto: iStock/RapidEye
Sind die Hitzewellen bald zu Ende? Mitnichten. 42 Grad im Schatten dürften in Zukunft sogar normal sein, auch für Deutschland. Forschern zufolge verändert das sogar unser Leben.

Deutschland hat im Juni 2019 seinen neuen Hitzerekord aufgestellt: 40,3 Grad Celsius. So heiß war es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 noch nie. Da kam es vielen gerade recht, dass es im Juli kühler wurde. Doch das hielt nicht lange an. Nun ist die Saharahitze wieder da. Und wahrscheinlich schlimmer als je zuvor. Mehr noch: Das Ende der Hitzewellen ist damit noch lange nicht besiegelt.

Denn künftig müssen wir uns wohl häufiger an die Hitze gewöhnen, meinen ein Stadtklimaforscher und eine Physikerin. Ihnen zufolge könnten wir in Zukunft noch heftigere Temperaturen kriegen – und das heißt 45 Grad und mehr.

Hitzewellen-Ende? Oh nein, es könnte noch historisch werden

Unglaubliche Temperaturen bis zu 45 Grad Celsius herrschten Ende Juni in Frankreich. In Deutschland dagegen liegt der neue Rekord nun bei "nur" 40,3. Da tat es auch gut, dass es sich Anfang Juli extrem abkühlte. Kühler Nordwind sorgte dafür, dass es in einigen Regionen Deutschlands so kalt war, dass sie nur knapp dem Bodenfrost entkommen konnten.

Nun ist der Sommer wieder da – mit aller Wucht. Das Hitzewellen-Ende ist damit nicht besiegelt. Sonnenanbeter dürften sich freuen. Wie auch bei der Hitzewelle im Juni strömt heiße Saharaluft bis nach Nordeuropa, ja, sogar bis ans Nordkap. Das befeuert sogar die Arktis. Die Temperaturen werden hierzulande ordentlich steigen. Das liegt an einem neuen Hoch namens "Yvonne".

Wetterdienst warnt

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet mit Tageshöchstwerten zwischen 26 und 31 Grad am Dienstag. Am Mittwoch und Donnerstag dann können sie sogar auf 38 bis 40 Grad steigen. "Kommt es so, stellt dies alles bisher Dagewesene in den Schatten", prognostiert der DWD.

Allerdings kommen wir in Deutschland bei der Hitzewelle wohl noch relativ gut dabei weg. In Südspanien könnte die Rekordmarke von 45 Grad geknackt werden. Möglich, dass das im August so weitergeht. Auch in Zukunft wird es mitnichten bei Rekordhitzewellen mit Ausmaßen wie in 2019 bleiben.

Kommt bald das Ende der Hitzewellen? Wohl kaum, meint ein Klimaforscher

Stadtklimaforscher Lutz Katzschner berichtet auf wetter.de von noch krasseren Wärmezuständen hierzulande. Ihm zufolge können wir noch lange nicht davon sprechen, dass die Hitzewelle ein Ende hat.

Denn vor allem in Städten könnten die Temperaturen noch weiter ansteigen. Dort staut sich die Wärme mehr als auf dem Land. Schlimmstenfalls könne es dann "um bis zu sechs Grad wärmer werden als in ländlichen Regionen", so die Warnung des Forschers. Seiner Meinung nach sind wir erst am Anfang dieser Entwicklung, die Rekordwerte am Wochenende waren demnach nur ein Vorgeschmack auf Extremeres. Weitere Hitzewellen in Deutschland hätten ernsthafte Folgen.

Hitze verändert unser Leben

Katzschner folgert daraus, dass sich unser gesamtes Zusammenleben ändern wird. Das sehe man an den Ländern, die bereits seit Jahrhunderten enorme Witterungszustände erlebten. Flora und Fauna sowie Bewohner und Kultur müssten sich dem Klima anpassen. Die dortigen Folgen könne man auch auf ein zukünftiges Deutschland übertragen:

  • Wir müssten andere Pflanzen und anderes Gemüse anbauen, eben solches, das mehr und länger Trockenheit aushalte.
  • Unsere Wälder würden sich verändern. Nach dem Rekord-Sommer 2018 habe sich bereits gezeigt, dass beispielsweise Fichten nicht hitzeresistent sind.
  • Wir müssten vor allem in Städten Häuser anders bauen. Entsiegelte Oberflächen und grüne Fassaden gehören bereits heute schon fest zu innovativen Smart City-Konzepten.

Längere Hitzewellen zu erwarten

Hinzu kommt laut Kratzschner, dass Hitzewellen länger dauern könnten. Für das Zusammenleben und die Umwelt mache es schon einen großen Unterschied, ob es drei Tage oder 14 Tage am Stück heiß sei.

Der Juni 2019 war zwar ungewöhnlich heiß, letztlich haben wir aber "nur" zwei relativ kurze Hitzewellen erlebt. Diese könnten in Zukunft jedoch zunehmen. Zwar sind nicht alle solche Wellen vom Klimawandel verursacht, aber sie sind ein Anzeichen für ihn.

"Jeder Sommer über 40 Grad", meint eine Physikerin

Das sind nur einige der Folgen, die uns dem Klimaforscher zufolge durch eine Hitzewelle ohne Ende ereilen würden. Kratzschner begründet seine Thesen in dem genannten Beitrag zwar nicht näher. Andere Experten stimmen seiner These aber zu.

Die deutsche Physikerin Friederike Otto von der University of Oxford zum Beispiel. Im Interview mit dem Tagesspiegel berichtet sie von ihren Forschungsergebnissen. Quantitativ gesehen sei die Übertragung der Extreme in Frankreich auf Deutschland zwar schwierig. Grundsätzlich steige aber das Risiko von Hitzewellen in Deutschland.

Der Klimawandel hat Folgen – das könnte mit uns und der Erde geschehen

Sie erklärt auch, dass ein Tiefdruckgebiet für die Extremhitze Ende Juni verantwortlich gewesen sei. Es habe Luft aus der Sahara zu uns gebracht. Genauere Analysen seien für weitere Aussagen nötig. Ihr Fazit jedoch unterstützt Kratzschners These: "Wir werden künftig auch in Deutschland wahrscheinlich jeden Sommer Temperaturen von über 40 Grad sehen."

Zukunft Hitze?

Im Juni 2019 hat Deutschland einen neuen Hitzerekord erreicht. Damit müssen wir erst einmal umgehen lernen. Andere Forscher vermuten, dass auch schwächelnde Winde, sogenannte Jetstreams, für Wetterextreme in Deutschland sorgen.

Einige Experten meinen, wir hätten den Klimawandel in den 80ern verhindern können. Das können wir aber nicht mit Sicherheit sagen. Auch die Frage, ob wir durch den Klimawandel in 140 Jahren ausgelöscht sein werden, ist offen.

Immerhin: Mit diesen Technik-Gadgets bist du schon jetzt auf Hitze vorbereitet. Befolge außerdem diese Tipps, um dein Handy bei Hitze zu schützen.

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