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Hang zum Aufschieben? Deine Gene sind schuld am Prokrastinieren

Du neigst zum Prokrastinieren und lässt dich schnell ablenken? Das liegt vermutlich an deinen Genen.
Du neigst zum Prokrastinieren und lässt dich schnell ablenken? Das liegt vermutlich an deinen Genen.
Foto: imago images/Westend61
Gehörst du zu den Personen, die gerne mal Aufgaben auf ihrer To-do-Liste aufschieben? Dann kannst du das ab sofort auf deine Gene schieben. Du kannst wohl nichts für diese Verhaltensweise.

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe vielleicht doch lieber auf morgen. Ist das dein Motto? Dann bist du nicht einfach nur schlichtweg faul, sondern deine Gene machen dir hier einen Strich durch die Rechnung. Ein bestimmtes Gen sorgt dafür, dass du zum Prokrastinieren neigst. Wir erklären dir, wie das alles zusammenhängt.

Prokrastinieren: Das Ende der To-do-Liste ist nicht in Sicht

Zur welcher Sorte Mensch gehörst du? Diejenigen, die unangenehme Aufgaben lieber schnell erledigen, oder zu der Gruppe, die unter "Aufschieberitis" leidet und zum Prokrastinieren neigt? Zu welcher Gruppe du gehörst, hängt auch mit deiner Gehirnanatomie zusammen, wie Studien nun zeigen. Denn an zwei Gehirnarealen lässt sich der Hang zum Aufschieben von Aufgaben ablesen.

"Ob wir Ziele direkt angehen anstatt sie aufzuschieben, hängt entscheidend von unserer Fähigkeit ab, bestimmte kognitive und emotionale Kontrollmechanismen zu initiieren. Diese Metakontrollmechanismen wurden in der Vergangenheit immer wieder mit Dopamin-Signalwegen in Verbindung gebracht", erklärt Caroline Schlüter von der Ruhr-Universität Bochum gegenüber Oxford Academic. Dadurch kam die berechtigte Frage auf, inwiefern "Glückshormon" Dopamin eine Rolle beim Prokrastinieren spielt.

Mehr Flexibilität fördert mehr Ablenkung

So wurden genetische Daten von rund 280 Männern und Frauen analysiert. Der Fokus lag hierbei vor allem auf dem sogenannten Tyrosinhdydroxylase-Gen. Die Ausprägung dieses Gens entscheidet, wie viele Botenstoffe aus der Katecholamin-Familie verfügbar sind. Dazu gehört auch Dopamin. Die Forscher kontrollierten den Hang zum Aufschieben durch einen Fragebogen.

Das Ergebnis war erstaunlich: Ein hoher Dopaminspiegel führt zum Prokrastinieren. Dies geht meist mit einer höheren Flexibilität einher. "Das ist nicht grundsätzlich schlecht, ist aber häufig mit einer erhöhten Ablenkbarkeit verbunden", so einer der Kollegen, Erhan Genç. Die Wissenschaftler kamen zu dem Entschluss, dass betroffene Personen sich stärker von Störfaktoren ablenken lassen.

Frauen sind besonders vom Prokrastinieren betroffen

Besonders überraschend war außerdem, dass dieser Hang zum Aufschieben vor allem bei Frauen auftrat. Warum aber bei Männern nicht? Es liegen bereits Forschungsergebnisse vor, die geschlechtsspezifische Unterschiede der Ausprägung des Tyrosinhydroxylase-Gens vorweisen. Woran das liegt ist bisher unklar. "Aber das weibliche Sexualhormon Östrogen scheint eine Rolle zu spielen", sagt Genç.

Somit steht für die Forscher nun aber schon einmal fest: Die Gehirnanatomie und die Gene sollen unseren Hang zum Prokrastinieren beeinflussen. Zukünftige Forschungen wollen die Rolle des Östrogenspiegels im Zusammenhang mit dem Aufschieben von Aufgaben weiter untersuchen. Auch die Rolle des Botenstoff Noradrenalin soll genauer betrachtet werden.

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