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Spermien im All: Mit dieser verrückten Idee will ein Start-up unser Überleben sichern

Künstliche Befruchtung im Weltraum könnte die Menschheit retten, so ein Unternehmen. Doch die Pläne sind ethisch kritisch.
Künstliche Befruchtung im Weltraum könnte die Menschheit retten, so ein Unternehmen. Doch die Pläne sind ethisch kritisch.
Foto: iStock/bluecinema
Das ein Umzug auf einen Planeten unsere Rettung sein könnte, ist keine neue Idee. Doch die Herangehensweise dieses niederländischen Jungunternehmens überrascht und polarisiert.

Die Zahl der Vorschläge zur Rettung der Menschheit für den Fall, dass die Erde unbewohnbar wird, steigt. Elon Musk möchte den Mars besiedeln, andere wollen auf dem Mond landen, wieder andere wollen unsere Existenz durch Samen-Eizellen-Satelliten und Geburten im Weltraum sichern. Doch die Skepsis ist groß, vor allem aus ethischer Perspektive.

Rettung der Menschheit: Samenzellen im Weltraum für den Fall der Apokalypse?

Der Plan klingt, als käme er aus einem Drehbuch für einen Science-Fiction-Film: Das von dem Unternehmer Kees Mulder gegründete Biotech-Startup "Space Life Origin" aus den Niederlanden arbeitet angeblich schon seit knapp vier Jahren heimlich an einer Methode, das Leben nach einer Apokalypse schon vor dieser zu sichern.

Space Life Origin hat einen Plan

Funktionieren soll das durch einen dreistufigen Plan, der jetzt jedoch in Gefahr ist. Ursprünglich sollte das ganze wie folgt aussehen:

  • Schritt 1: Ab 2020 werden männliche Samen und weibliche Eizellen in patentierten Satellitenkugeln mit je 1.000 Röhrchen ins All geschossen.
  • Schritt 2: Die Firma will bis 2021 die Technologie für eine künstliche Befruchtung einer Eizelle im All realisieren, in einem „Space Embryo Incubator“.
  • Schritt 3: Als dritten Entwicklungsschritt sagt die Firma bis 2024 die erste Geburt eines Babys im Weltraum voraus.

Die Nachfrage wäre da

Zwar hat das Startup sich vorgenommen, einen vielfältigen Genpool ins All zu befördern, doch an der Umsetzung könnte es scheitern – gerade dann, wenn das Angebot hohe Summen fordert.

Nach eigenen Angaben des Startups ist die Nachfrage jedoch groß: Space Life Origin schätzt, dass weltweit mindestens 30 Millionen Menschen Interesse daran haben, dass ihre Gene weiterleben.

Plan polarisiert: Das sagen Experten

Künstliche Befruchtung ist ohnehin ein Thema, das viele ethische Fragen aufwirft. Der Plan des jungen Unternehmens heizt die Diskussion ordentlich auf.

Die Raumfahrtexpertin Claudia Kessler kommentiert das Vorhaben wie folgt: "Das Konzept ist im Prinzip interessant, aber der Zeitplan, den sich Space Life Origin da vorstellt, ist sicher sehr unrealistisch und die Umsetzung sowohl technisch als auch ethisch sehr infrage zu stellen.“

Auch andere Fachleute schätzen das Projekt als ethisch fragwürdig ein: Wer entscheidet, welche Gene in den Pool dürfen? Wie viel müssen Interessenten dafür zahlen, dass ihr Erbgut eine Apokalypse überlebt?

Zudem sei es hochriskant und unrealistisch, dass Frauen ins All befördert werden, um dort ein Kind auf die Welt zu bringen.

Statt Spermien liegen jetzt die Pläne auf Eis

Das hochmütige Vorhaben hat das Unternehmen jetzt selbst auf Eis gelegt, bevor es jemand anders tun konnte. Auf der Website von Space Life Origin wurde ein Statement des CEO Kees Mulder veröffentlicht. Dort steht, dass er die Pläne seines Unternehmens aufgrund von ethischen, sicherheitstechnischen und medizinischen Bedenken reevaluieren werde.

Außerdem räumt er gegenüber the Verge ein, dass der zeitliche Rahmen und das Business-Modell seines Unternehmens nicht realistisch seien.

Laut Elon Musk ist das Ende der Menschheit sehr nah. Vielleicht ist er der nächste, der mit einer verrückten Idee um die Ecke kommt, die uns retten soll. Viel Zeit ist jedoch nicht: Die Folgen des Klimawandels sind schon ab 2050 unwiderruflich.

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