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10.000 Schritte am Tag – die Herkunft der Regel ist richtig schockierend

Wer hat eigentlich gesagt, dass man 10.000 Schritte tun soll? Eine Studie dazu gab es jedenfalls nie.
Wer hat eigentlich gesagt, dass man 10.000 Schritte tun soll? Eine Studie dazu gab es jedenfalls nie.
Foto: imago images/Westend61
Immer wieder hört man, man soll 10.000 Schritte am Tag gehen. Doch was ist da überhaupt dran? Die wahre Geschichte der Fitness-Regel wird dich enttäuschen.

Du sollst am Tag 10.000 Schritte tun, so lautet eine Fitness-Regel, die sich seit einiger Zeit zu einer Art Gebot entwickelt hat. Mit jener Mindestgrenze an Bewegung soll man gesund bleiben, so heißt es. Doch wer hat das eigentlich gesagt? An dieser Stelle müssen wir dir die Illusion rauben: Es steckt keineswegs fundierte, medizinische Forschung dahinter – sondern ein clever ausgedachter Werbegag.

10.000 Schritte für die Werbung: Die Regel ist keine Wissenschaft

Auf vielen Fitnesstrackern und in zahlreichen Apps findet man sie: die 10.000-Schritte-Regel. Angeblich soll das die magische Fitness-Grenze sein, mit der man sich ein Leben lang gesund und fit hält. Alles Pustekuchen, wie sich jetzt herausstellt. Denn das Gebot hat seinen Ursprung nicht in der Wissenschaft, sondern in 50 Jahre alter Werbung.

Wie der Spiegel berichtet, nutzte die Firma Yamasa 1964 den Hype um die Olympischen Spiele in Japan und brachte den ersten transportablen Schrittzähler auf den Markt, den "Manpokei". Übersetzt heißt das: 10.000-Schritt-Zähler. Mit dem Namen war auch das Marketing klar: 10.000 Schritte seien nötig, um gesund zu bleiben, so jedenfalls die Werbung. Eine wissenschaftliche Studie, die dies bestätigte, gab es nie.

In den vergangenen Jahren jedoch hat die "Regel" mit der Zunahme an Fitnesstrackern und -apps noch an Bedeutung gewonnen, selbst die Weltgesundheitsorgsanisation WHO setzt darauf. Und da keiner nachfragte, glauben wir an einen Mythos. Dabei gibt es Zweifel an der magischen Grenze.

So viele Schritte sollen wirklich gut sein

Angeblich sollen auch weniger Schritte pro Tag ausreichen, um den Gesundheitseffekt zu erreichen. Ende Mai erschien im Fachmagazin Jama Internal Medicine eine Studie, die die tägliche Schrittzahl mit dem Sterberisiko verglich. Das Ergebnis: Bei Frauen, die mindestens 4.400 Schritte pro Tag machten, verringerte sich das Sterberisiko nach vier Jahren, jedenfalls im Vergleich zu Frauen, die nur 2.700 Schritte schafften. Die Grenze lag der Studie zufolge bei 7.500 Schritten. Das bedeutet: Alles darüber hinaus macht keinen weiteren Unterschied in der Lebenserwartung. Unklar ist allerdings, wieso sich die Frauen weniger bewegten.

Aber auch andere Studien weisen auf eine geringere als die 10.000-Schritte-Grenze hin. Allerdings gibt es auch Untersuchungen, die auf 15.000 bis 18.000 Schritte kommen, die langfristig positiv auf die Gesundheit wirken sollen.

Fun Facts zur 10.000-Schritte-"Regel"

Willst du noch mehr zur 10.000-Schritte-"Regel" erfahren? Hier einige Fun Facts von Fit for Fun:

  • In einer Studie der Stanford University, in der Schrittzähler-Daten weltweit ausgewertet wurden, kam heraus, dass Nutzer der Geräte auf 4.900 Schritte am Tag kamen. Deutschland liegt mit 5.200 Schritten knapp darüber.
  • Ein Büroangestellter, der mit Auto zur Arbeit fährt, kommt nur auf etwa 2.000 bis 3.000 Schritte pro Tag.
  • 1.000 Schritte entsprechen in etwa einer Strecke von 700 bis 900 Metern.
  • Wer 10.000 Schritte geht, verbrennt circa 300 Kilokalorien Energie.
  • Um ein Stück Würfelzucker "abzulaufen", brauchst du 500 Schritte.

Keine Einigung über 10.000 Schritte

Eine Einigung über 10.000 Schritte am Tag ist also aus wissenschaftlicher Perspektive noch nicht in Sicht. Klar ist aber, dass viel Bewegung immer gut ist, aber die 10.000-Schritte-Regel nicht mehr als ein reiner Werbegag ist – zumindest bis wir uns wissenschaftlich gesehen eines Besseren belehren lassen dürfen. Nutzt du Fitnesstracker schau dir einmal diese Alternativen zur Samsung Galaxy Fit (e) an. Wir erklären dir auch, warum Fitnesstracker nichts für Auftragskiller sind. Auch kurios: Ein Fitnesstracker will wissen, warum weniger Schlaf sogar gut für dich ist.

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