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"Bier auf Wein, das lass sein": Das steckt hinter dem altbekannten Trinkspruch

Solltest du von Wein auf Bier wechseln, wenn du abends ausgehst?
Solltest du von Wein auf Bier wechseln, wenn du abends ausgehst?
Foto: imago/Photocase
Wer gerne mal am Abend oder am Wochenende ein Gläschen Alkohol trinkt, wird diesen Merksatz wohl kennen: "Bier auf Wein, das lass sein; Wein auf Bier, das rat' ich dir". Was steckt aber dahinter?

"Bier auf Wein, das lass sein; Wein auf Bier, das rat' ich dir" – ein Ratschlag, den man sich in lustiger Runde oft anhören muss. Tatsächlich handelt es sich dabei nicht nur um einen deutschen Merksatz, sondern um etwas, dass man sich auch in Großbritannien oder Frankreich nahelegt. Ein Mediziner wollte es genau wissen und machte sich an eine Studie.

"Bier auf Wein, das lass sein": Was ist dran?

Kai Hensel, Facharzt für Kinderheilkunde und Notfallmediziner, begann mit einem Team von Professoren ein Konzept zu entwickeln, um den Kater zu bekämpfen und den Merksatz "Bier auf Wein, das lass sein" zu be- oder widerlegen. Es ging also darum, Probanden zu finden, die sich betrinken würden. Trotzdem sollte ihre Gesundheit nicht geschädigt werden. Nach einer zweijährigen Planung stand der Versuchsaufbau.

Doch nun galt es auch die Ethikkommission für das Experiment zu gewinnen, die den tieferen Sinn hinter einer Klärung eines Trinkspruches nicht sehen wollte. Doch auch dafür fand Hensel ein triftiges Argument: Im Zusammenhang mit Alkoholkonsum wird meistens nur die längerfristige Auswirkung untersucht. Aber was ist mit Menschen, die verkatert in Unfälle geraten?

Wein vs. Bier: Was macht den größten Kater?

Dann ging es los: 100 Freiwillige zwischen 19 und 40 Jahren nahmen am "Bier auf Wein, das lass sein"-Experiment teil, wie die Ergebnisse im The American Journal of Clinical Nutrition zeigen. Jeder Teilnehmer hatte zwei Pendants, die sich in Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index und Trinkverhalten ähnelten. Sie wurden wie folgt aufgeteilt:

  • Gruppe 1: Trank am ersten Abend zuerst Bier, dann Weißwein, bis ein Promillegehalt von 1,1 erreicht wurde. Am zweiten Abend wurde die Reihenfolge auf Wein und dann Bier geändert.
  • Gruppe 2: Machte genau das Gleiche, nur wurden die Reihenfolge der Abende getauscht.
  • Gruppe 3: Die Kontrollgruppe trank am ersten Abend nur Bier und am zweiten Abend nur Wein.

Damit ein Kater nicht zusätzlich beeinflusst wurde, erhielten die Probanden standardisierte Mahlzeiten. Vor dem Schlafengehen erhielten alle Teilnehmer noch eine genormte Menge an gekühltem Wasser. Auch der Schlaf wurde definiert und somit alle zur selben Zeit geweckt.

Und dann floss der Alkohol in Strömen

Um auf 1,1 Promille zu kommen, konsumierten die Teilnehmer folgende Mengen an Alkohol:

  • 1,3 Liter Bier und anschließend 0,6 bis 0,7 Liter Wein
  • 2,6 Liter Bier pro Person, wenn ausschließlich Bier konsumiert wurde
  • 1,2 Liter Wein pro Person, wenn nur Wein konsumiert wurde

Der Wert von 1,1 Promille war notwendig, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten.

Wer hat den größten Kater?

Nach dem Wecken am nächsten Morgen sollten die Probanden ihre Katerleiden einschätzen. So wurden körperliche Symptome wie Müdigkeit oder Schwindel angegeben und auf einer Skala von 1 bis 7 eingestuft.

So kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die Trinkregel "Bier vor Wein, das lass sein" irrt. Zumindest konnte sich dies bei Lagerbier auf Weißwein nicht bestätigen. Die Reihenfolge machte keinen Unterschied.

Fazit: "Bier vor Wein, das lass sein"?

Die mit den größten Kater musste sich am Abend bereits übergeben oder schätzten sich schon generell als betrunkener ein. Daraus lässt sich schließen: Der Körper signalisiert einem schon, wenn es Zeit ist, mit dem Alkoholtrinken aufzuhören.

Aber woher kommt dann das Sprichwort "Bier auf Wein, das lass sein; Wein auf Bier, das rat' ich dir"? Es lässt sich historisch erklären: Nur arme Menschen konnten sich Bier leisten. Ein gesellschaftlicher Aufstieg ließ auch den Konsum von Wein zu und war daher erstrebenswert.

Eine neue Studie zeigte kürzlich, dass Alkohol ein langes Leben fördert. Wenn "Bier auf Wein" dir nicht gut tut, dann solltest du wissen, was Alkohol mit deinem Gehirn macht, wenn du einen Kater hast.

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