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Suche nach dem Unbekannten: So wird die Erde zu einem gigantischen Teleskop

Das "Terrascope" könnte größere Bilder machen als das Weltraumteleskop Hubble.
Das "Terrascope" könnte größere Bilder machen als das Weltraumteleskop Hubble.
Foto: imago images/ZUMA Press
Teleskope sind für die Astronomie enorm wichtig. Doch die Geräte werden immer teurer. Daher kommt ein Astrophysiker jetzt mit einer grandiosen Idee um die Ecke.

Die einen werden ihn feiern, die anderen werden ihn für verrückt erklären. Doch ein Forscher hat die Lösung für das Problem der teuren Teleskope gefunden. Wieso nicht einfach die Erdatmosphäre als riesige Linse verwenden? Diese bündelt Licht und könnte in Kombination mit einem Weltraumteleskop in einiger Entfernung zur Erde Objekte im All vergrößern. Ist das auch wirklich so einfach, wie es klingt?

Man nehme die Erde und ein Weltraumteleskop...

David Kipping heißt der US-Astrophysiker, der in einem Aufsatz seine außergewöhnliche Idee präsentiert. Er hat sich bereits einen Namen bei der Suche nach Monden und Exoplaneten gemacht. In diesem Fachgebiet kommt man um die Nutzung von Teleskopen nicht herum. Sie können das schwach Streulicht von Welten, die Lichtjahre von uns entfernt sind, nachweisen. Wie er so erfinderisch wurde, dass er die Erde mit Weltraumteleskopen kombinieren will, ist einfach zu erklären.

So würde das "Terrascope" funktionieren

Initialer Gedanke waren die hohen Kosten von Großteleskopen. So kam er auf die Idee des "Terrascopes". Es wäre auf jeden Fall preiswert. So kam sie zustande:

  • Die Luft der Erdatmosphäre lenkt Lichtstrahlen geringfügig um.
  • So steht beispielsweise die untergehende Sonne einen halben Winkelgrad tiefer, als sie am Himmel erscheint.
  • Durchläuft Licht die gesamte Erdatmosphäre, wird die Bahn doppelt so stark geknickt. Kipping geht davon aus, dass es sich um ein Winkelgrad handelt.
  • Licht von einer entfernten Quelle wird von der Erdatmosphäre leicht gebündet.
  • Weiter hinter der Erde fällt es dann in eine stark ausgedehnte Brennebene.

Der Wissenschaftler geht aufgrund von Computersimulationen davon aus, dass diese Region in 326.000 Kilometern Entfernung beginnt. Das wäre etwa 85 Prozent des Abstands von der Erde zum Mond. Wird an dieser Stelle ein Ein-Meter-Weltraumteleskop platziert, könnte es ein Objekt um das 10.000-fache vergrößern. Wird ein Weltraumteleskop in einer Entfernung von 1,5 Millionen Kilometern platziert, dann wäre das Ergebnis noch besser. Bei diesem Abstand hätte das Licht schon die Wolkendecke passiert.

Einen kleine Nachteil gibt es dann doch

Kipping schätzt, dass sein Erden-Teleskop so viel Licht auffangen kann, wie ein 150-Meter-Teleskop. Der Spiegel des Hubble-Weltraumteleskops misst im Vergleich dazu nur 2,4 Meter.

Ein kleiner Nachteil hat das "Terrascope" dann doch: Die Bilder wären nicht so schön, wie von Hubble. Die Erdatmosphäre ist nicht ruhig und homogen. Lichtteilchen aus anderen Quellen könnten auch streuen. Andere Wissenschaftler halten die Kippings Idee noch für sehr theoretisch, aber unmöglich wäre es wohl nicht.

Mit dem Erden-Teleskop könnten aber lichtschwache Objekte wie Exoplaneten oder Asteroiden aufgespürt werden. Weltraumteleskop Hubble knipst dafür immer wieder außergewöhnliche Bilder: Dieses zeigt eine Galaxie aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Dieser von Hubble entdeckte Planet ist so bizarr wie kein anderer.

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