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Eine unserer tektonischen Platten könnte gerade absterben

Kinder spielen auf Lavaformationen  im Newberry National Volcanic Monument in Oregon. Forscher glauben, eine Erklärung für die Vulkane in Oregon gefunden zu haben.
Kinder spielen auf Lavaformationen im Newberry National Volcanic Monument in Oregon. Forscher glauben, eine Erklärung für die Vulkane in Oregon gefunden zu haben.
Foto: imago images / ZUMA Press
Forscher könnten gerade Zeugen des "Sterbens" einer tektonischen Platte werden. In der Juan-de-Fuca-Platte hat sich ein riesiges Loch entwickelt – das dazu führen könnte, dass die Platte komplett zerbricht.

Unsere Erdkruste ist ständig in Bewegung. Während sich an den mittelozeanischen Rücken immer neue Kruste bildet, wird diese an den Subduktionszonen der Kontinentränder in die Tiefe gedrückt und dort wieder geschmolzen. Die Kontinentdrift führt dazu, dass sich Rücken und Subduktionszonen immer weiter einander annähern mit dem Ergebnis, dass die zwischen ihnen liegende ozeanische Platte immer kleiner wird. Auf Dauer führt die Plattentektonik so zum "Tod" einer ozeanischen Platte.

Plattentektonik: "Tod" einer ozeanischen Platte

Hat der Rücken, der die Krustenplatte bildet, die Subduktionszone erreicht, ist das natürliche Ende einer ozeanischen Platte gekommen, so William Hawley und Richard Allen von der University of California in Berkeley. Wie dies jedoch konkret in der Praxis vonstatten geht und welche geophysikalischen Phänomene mit diesem Vorgang verbunden sind, dass konnten Wissenschaftler bis jetzt noch nicht in Echtzeit beobachten.

Mit der Juan-de-Fuca-Platte, die sich von der kanadischen Grenze bis nach Kalifornien entlang der US-Westküste erstreckt, könnte sich das nun jedoch geändert haben. Denn diese lange und schmale Ozeanplatte scheint kurz vor ihrem Ende zu stehen. Der Begriff kurz ist dabei aber relativ. Denn bis die Platte tatsächlich den geologischen Tod stirbt, dürften noch einige Millionen Jahre vergehen. Dennoch: Im Angesicht des Alters der Erde handelt es sich bei diesem Zeitraum nur um eine Momentaufnahme. Mit 26 Millimetern soll sich die Platte Hawley und Allen zufolge auf die US-Westküste zu bewegen.

Forscher werteten 217 Erdbeben aus

Die Juan-de-Fuca-Platte selbst ist übrigens nur ein Überbleibsel der wesentlich größeren Farallon-Ozeanplatte. Diese ist aber schon zu einem Großteil unter der nordamerikanischen Kontinentplatte verschwunden. Um genauere Informationen über die Juan-de-Fuca-Platte zu bekommen, werteten die Wissenschaftler die Daten von 217 Erdbeben aus. Diese ermöglichten es den Forschern, ein tomografisches Modell der Platte zu erstellen.

Das Modell zeigte, dass sich in der Platte ein großes Loch entwickelt hat. Es liegt zwischen 100 Kilometer und 250 Kilometer unter der Oberfläche und bildet nur die Spitze eines eigentlich noch viel tieferen Risses ab, wie die Forscher herausfanden. Das Loch könnte die Erklärung für eine Vulkanzone im US-Bundesstaat Oregon liefern – schließlich könnte schon seit Millionen Jahren Magma aus dem Erdinnern durch das Loch an die Oberfläche drängen – und so für Vulkane sorgen.

Platte könnte vollständig zerbrechen

Auch dazu, wie das Loch entstanden sein könnte, haben die Forscher eine Vermutung. Sie gehen dabei nicht davon aus, dass das Loch durch Spannungen an der Krustenoberfläche entstanden ist. Vielmehr soll der Ursprung in einem Stück der Ozeanplatte liegen, das sich schon weit unter die Kontinentalplatte geschoben hat. Der dort herrschende Druck habe dann dazu geführt, dass ein alter Riss der Platte erneut aufgebrochen sei. Von dort breitete sich der Riss dann von unten nach oben aus – entgegen der bisherigen Annahme.

Für die Zukunft der Juan-de-Fuca-Platte verheißt diese Erkenntnis nichts Gutes. Setzt sich die Fragmentierung wie bisher fort, könnte die Platte komplett zerrissen werden. Übrig blieben lediglich kleine Stücke, die sich im Anschluss wohl an andere Erdplatten anlagern würden.

Nicht nur irdische Phänomene bringen Forscher zum Staunen: Kollision zwischen Schwarzem Loch und Neutronenstern gewittert. Auf eine alte Frage der Menschheit hat die Wissenschaft auch endlich eine Antwort gefunden.

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