Science 

Super-GAU: So bereitet sich Deutschland auf den atomaren Notfall vor

Das Risiko eines Super-GAUs ist gar nicht so gering. Jodtabletten sollen Anwohner in der Nähe von Atomkraftwerken schützen.
Das Risiko eines Super-GAUs ist gar nicht so gering. Jodtabletten sollen Anwohner in der Nähe von Atomkraftwerken schützen.
Foto: iStock/Prasit Rodphan
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ergreift erste Maßnahmen, um Anwohner in der Nähe von Atomkraftwerken im Notfall schützen zu können.

Mit 190 Millionen Jodtabletten sorgt Deutschland für den atomaren Notfall vor. Damit hat das Bundesamt für Strahlenschutz den Bestand um das Vierfache erhöht. Hintergrund ist eine Empfehlung der Strahlenschutzkommission (SSK). Doch wie können Jodtabletten eigentlich im Ernstfall bei einem GAU ("Größter anzunehmende Unfall") an einem Atomkraftwerk schützen?

Gefahr Atomkraftwerk: Jodtabletten sollen schützen

Bei dem SSK handelt es sich um ein Beratergremium der Bundesregierung. Dies hatte nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima empfohlen, die Verteilung von Jodtabletten deutlich auszuweiten. Darüber hinaus wurden die definierten Grenzen einzelner Notfallzonen deutlich ausgeweitet. Deutschland gilt seitdem als "Fernzone". Die neue Kategorisierung erfordert, dass Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren und Schwangere mit Jodtabletten versorgt werden müssen.

"Fukushima hat uns damals zwei Dinge gelehrt: Das eine ist, dass man auch mit Reaktorunfällen der Stufe INES 7 rechnen muss, also schwerer, als man vorher angenommen hat", erklärte der Essener Strahlenbiologe und damalige Vorsitzende der SSK, Prof. Wolfgang Müller, gegenüber Reportern des WDR.

Reale Gefahr

Das Risiko eines Super-GAUs ist gar nicht so gering, auch wenn der Atomausstieg für 2022 beschlossen wurde. Denn: Gerade in Grenznähe befinden sich zahlreiche, teilweise sehr alte Atomkraftwerke.

Besonders das belgische AKW Tihange besorgt Experten. Aus diesem Grund hatte die Städteregion Aachen bereits vor zwei Jahren Jodtabletten an alle Bewohner unter 45 Jahren ausgeben lassen.

Kleine Tablette, große Wirkung

Doch inwiefern können Jodtabletten tatsächlich schützen? Bei Reaktorunfällen wird radioaktives Jod freigesetzt. Wird dieses radioaktive Jod durch die Luft oder die Nahrung von Anwohnern aufgenommen, erhöht sich das Risiko für Schilddrüsenkrebs drastisch.

Wenn Anwohner jedoch durch Jodtabletten den körpereigenen Jodspeicher komplett auffüllen können, kommt es nicht zu einer Aufnahme des radioaktiven Äquivalents. So kann vor allem bei Kindern und Jugendlichen Schilddrüsenkrebs verhindert werden.

Dass Atomkraft nicht ungefährlich ist, weiß eigentlich jedes Kind. Bis auf eins: Ein 12-Jähriger hat sich einen Kernreaktor im Kinderzimmer gebaut und löste so eine nukleare Reaktion aus.

Zu den Kommentaren

Neueste Videos auf futurezone.de

Beschreibung anzeigen