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Spuren von Atombomben in unseren Zellen – Forscher entdecken Faszinierendes

Atombombentest hinterließen Spuren in unseren Körpern.
Atombombentest hinterließen Spuren in unseren Körpern.
Foto: iStock/KREMLL
Dass Atombombentest alles andere als gut für unsere Gesundheit waren, ist uns bewusst. Doch nun sollen sie bei der Forschung unseres Immunsystems helfen.

Atombombentest auf der Erde wurden schon vor Jahrzehnten verboten. Trotzdem haben sie ihre Spuren in unseren Zellen hinterlassen. Denn nach solchen Tests mit Atombomben stieg die Konzentration des radioaktiven Istops Kohlenstoff-14 in der Erdatmosphäre an – und damit auch in unserem Körper. Diese Hinterlassenschaften von Atombombentests haben Forscher nun genutzt, um unser Immunsystem besser zu verstehen.

Atombombentest: Wie beeinflussten sie unser Immunsystem?

Es ist keine große Überraschung, dass sich die Nachwehen von Atombombentest in den 50er und 60er Jahren auf die ganze Welt verteilt haben. Durch die Explosionen der Atombomben verdoppelte sich die Kohlenstoff-14-Isotope in der Atomosphäre und wurden aus der Luft von Pflanzen aufgenommen. Ob nun direkt oder mit dem Umweg über die Nahrung von Tieren, so jedenfalls gelangen die Spuren auch in unsere Zellen. Diese Werte nehmen stetig ab, allerdings dauert es Jahrzehnte bis sie komplett abgebaut sind.

Dieses Phänomen haben sich Wissenschaftler nun zu eigen gemacht und auch neuere biologische Proben nach Kohlenstoff untersucht. Denn die Messung dieses Indikators im Gewebe gibt Auskunft darüber, wie es entstanden ist. Der Wert des Kohlenstoff-14 in einer Zelle ist wie eine Art Momentaufnahme und lässt darauf schließen wie alt eine Person ist.

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Atombobentests vs. Immunsystem

Was aber noch besser ist: Die Rückstande dieser Atombombentest lassen darauf schließen wie schnell bestimmte Zellen im Körper ersetzt werden. Ein Forscherteam des Karolinska-Instituts in Schweden hat diese Technik nun auf unser Immunsystem angewandt. Ihre Ergebnisse teilten sie in der Fachzeitschrift PLOS Biology.

Dabei konzentrieren sie sich vor allem auf die T-Zellen, bei denen handelt es sich um die Fußsoldaten des Immunsystems. Sie enthalten Rezeptoren, mit denen sie Bakterien, Krebszellen oder andere Krankheitserreger erkennen und auch abwehren können. Während deiner Kindheit produziert der Thymus immer wieder neue T-Zellen. Doch kommst du ins junge Erwachsenenalter, hört diese Produktion auf. Von da an werden T-Zellen nur dann erstellt, wenn alte selbst klonen.

Wie funktioniert das Immunsystem im hohen Alter?

An dieser Stelle setzt die Untersuchung an. Denn wie setzt sich die Population der Immunzellen auch im höherem Alter fort? Denn auf irgendeine Weise müssen Krankheitserreger ja abgewehrt werden. So orientierten sie sich an den Atombombentest-Rückständen um das Alter der Zellen festzustellen. Zunächst wurden T-Zellen aus dem Thymus untersucht. Daraus sollte sich ergeben, wie oft diese neue Zellen produzieren. Das Ergebnis:

  • Zwischen 20 und 30 Jahren: T-Zellen klonen sich alle 1,7 Jahre
  • Zwischen 50 und 65 Jahren: T-Zellen klonen sich nur noch alle 6,6 Jahre

Bei älteren Menschen trat noch ein weiteres Phänomen auf. T-Zellen, die aus dem Thymus stammen, ein Protein enthalten, das sich CD31 nennt. Es fördert die Replikation der Zellen. Doch mit jedem Teilen der Zelle sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese Zelle das in Zukunft wieder macht. Das heißt, dadurch versucht das Immunsystem sich einen großen Pool an vielfältigen Zellen aufzubauen. So kann kein gleicher Zellentyp zu oft existieren.

Obwohl Atombombentests viel Schaden für die menschliche Gesundheit bedeutet haben, scheinen die Auswirkungen zumindest auf diese Weise für die Wissenschaft gut genutzt zu worden zu sein. Sollte ein neuer Atomkrieg drohen, solltest du unbedingt auf Conditioner verzichten. Diese Annahme ist gar nicht unwahrscheinlich: Ein Atomkrieg könnte sogar den Weltuntergang herbeiführen.

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