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Der Mandela-Effekt: Sind Erinnerungen real oder leben wir in einem Paralleluniversum?

Wie zuverlässig sind unsere Erinnerungen? Wir verraten, was hinter dem Mandela-Effekt steckt.
Wie zuverlässig sind unsere Erinnerungen? Wir verraten, was hinter dem Mandela-Effekt steckt.
Foto: iStock/Natali_Mis
Ist der Mandela-Effekt real? Dieser beschreibt das kollektive falsche Erinnern an vermeintliche Ereignisse und Fakten der Zeitgeschichte. Doch was steckt tatsächlich hinter solchen fehlerhaften Erinnerungen?

Die menschliche Erinnerung kann enorm trügerisch sein. Warst du schon mal fest davon überzeugt, dich an ein bestimmtes Ereignis deiner Kindheit, einen Film oder einen Markennamen korrekt zu entsinnen – und musstest im Endeffekt feststellen, dass du falsch lagst? Faktoren wie Zeit, Betroffenheit sowie das Alter und die Persönlichkeit beeinflussen die Entstehung von Erinnerungen nachweislich, somit sind fehlerhafte Darstellung vergangener Ereignisse zunächst nicht ungewöhnlich. Doch was passiert, wenn eine breite Masse von Menschen eine völlig falsche Erinnerung mit sich trägt? In diesem Fall spricht die Wissenschaft von dem sogenannten Mandela-Effekt. Doch wie lässt sich der Effekt erklären? Mit dem Phänomen der Konfabulation – oder der Existenz von Paralleluniversen? Wir klären dich auf.

Der Mandela-Effekt: Wie zuverlässig sind unsere Erinnerungen?

Geprägt wurde der Mandela-Effekt von der Schriftstellerin Fiona Broome. Der für dieses Phänomen geschaffene Name liegt im Tod des südafrikanischen Aktivisten Nelson Mandelas begründet. Zwar verstarb dieser erst am 5. Dezember 2013 an einer Lungenentzündung. Dennoch war eine große Gruppe von Menschen fest davon überzeugt, sich in großem Detail an News-Sendungen und Zeitungsartikel anlässlich Mandelas Beerdigung in den 80er Jahren zu erinnern. Dieser sei damals in einem Gefängnis verstorben – doch das entspricht offensichtlich nicht den Tatsachen.

Seit diesem Zeitpunkt traten immer mehr kollektive falsche Erinnerungen der Menschen zu Tage, so finden sich im Internet heutzutage zahlreiche Beispiele des seltsamen Effekts. Wir teilen im Folgenden ein paar dieser Beispiele mit dir:

Beispiele des Mandela-Effekts

  • Eines der wohl bekanntesten Beispiele stammt aus dem "Star Wars"-Universum und betrifft ein bekanntes Filmzitat: "Luke, ich bin dein Vater". Dabei handelt es sich um einen Ausspruch von Darth Vader. Oder? Nein, es handelt sich tatsächlich nicht wirklich um ein Filmzitat. Im Film sagt dieser nämlich: "Nein, ich bin dein Vater." Dennoch zitieren zahlreiche Menschen den Ausspruch und meinen, sich an diesen zu erinnern.
  • Zahlreiche Personen erinnern sich außerdem daran, früher die "Looney Toons" geschaut zu haben. Tja, wieder falsch: Tatsächlich hieß die damalige Kinderserie "Looney Tunes" – und diese wurde schon immer so geschrieben. Dennoch meinen viele, sich an die erstgenannte Schreibung erinnern zu können.
  • Kitkat oder Kit-Kat? Diese Frage stellen sich die meisten Menschen gar nicht, da sie das Logo des Schokoriegels mit Bindestrich zwischen den beiden Worten erinnern. Klingt logisch, stimmt aber nicht: Es heißt tatsächlich KitKat.
  • Wie viele Staaten haben die USA? Ein Großteil der Menschen würde darauf mit 51 oder 52 antworten, denn sie erinnern sich daran, es so gelernt zu haben. Falsch: Es sind tatsächlich 50.
  • Trägt der Monopoly-Mann in deiner Erinnerung ein Monokel? Viele Menschen glauben, sich so an ihn zu erinnern. Doch in Wahrheit trägt er gar keins.
Unerklärliche Phänomene: Sind sie wirklich real?
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Konfabulation oder Paralleluniversen: Wie lässt sich der Effekt erklären?

Doch wie ist es möglich, dass eine solche breite Masse von Menschen im Detail an ein Ereignis erinnert, dass nie stattfand? Im Internet finden sich zwei Erklärungen für den Mandela-Effekt:

#1 Existenz von Paralleluniversen

Die erste Theorie, die den Mandela-Effekt zu erklären versucht, ist die Existenz von Paralleluniversen. Demnach sind die "falschen" Erinnerungen der betroffenen Menschen tatsächlich korrekt, ereigneten sich allerdings in einem anderen Universum. Die Theorie besagt, es gäbe viele Paralleluniversen, die unserem entweder sehr stark ähneln oder aber auch komplett anders aussehen können. Der Mandela-Effekt könnte dadurch entstehen, dass sich ähnliche Universen sozusagen überlappen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind – es entstehen falschen Erinnerungen. Das bedeutet: In einem anderen Universum könnte Mandela wirklich schon in den 80er Jahren gestorben sein.

Theorien über die Existenz von Paralleluniversen sind mittlerweile allgegenwärtig. Laut zahlreicher Wissenschaftlern ist deren Existenz zwar theoretisch möglich und sogar wahrscheinlich, doch solche Theorien konnten bislang (noch) nicht bewiesen oder widerlegt werden.

#2 Konfabulation

Die zweite Erklärung des Mandela-Effekts erscheint hingegen etwas logischer und basiert auf einem psychologischen Ansatz. Unter Konfabulation versteht man in der Medizin das Erzählen von frei erfundenen, objektiv falschen Begebenheiten oder Informationen, die keinen Zusammenhang zur Realität haben, die der Betroffene jedoch in dem Moment für wahr hält.

Die Entstehung der falschen Erinnerungen kann mit unserem Gehirn und der Abspeicherung von Informationen zusammenhängen. Denn: Sobald im Gehirn Erinnerungen abgerufen werden, werden diese erneut abgespeichert, diesmal allerdings mit minimalen Abweichungen. Aufgrund dessen verändern sich unsere Erinnerungen mit der Zeit – und Ereignisse oder Geschehnisse werden in einem anderen Licht betrachtet.

Fazit: Dein Gehirn spielt dir einen Streich

Die zahlreichen Beispiele des Mandela-Effekts sind zwar enorm gruselig, lassen sich jedoch höchstwahrscheinlich mit dem Phänomen der Konfabulation erklären. Trotzdem ist die Forschung noch immer stark daran interessiert, die Existenz paralleler Welten zu belegen. Ob eine spiegelgleiche Parallelwelt direkt neben unserem Universum existiert, wollen Forscher aufgrund dessen kürzlich mit einem ganz speziellen Experiment herausfinden.

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