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Corona: Simple Flüssigkeit tötet Virus in Sekunden - und ist schon im Einsatz

Mundwasser kann nachgewiesenermaßen zur Corona-Behandlung effektiv genutzt werden.
Mundwasser kann nachgewiesenermaßen zur Corona-Behandlung effektiv genutzt werden.
Foto: iStock/Eva-Katalin
Forscher haben ein ungewöhnliches, aber sehr wirksames Mittel gegen das Coronavirus entdeckt. Eingesetzt wird es bereits, auch wenn es eine Impfung nicht ersetzt.

Was vor wenigen Monaten erstmals nachgewiesen wurde, wird inzwischen selbst von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) empfohlen: Die Nutzung von Mundwasser, das nachgewiesenermaßen kurzzeitig die Weitergabe des Virus verhindern kann. In Bielefeld ist eine derartige Corona-Behandlung an Menschen bereits für Patienten und Pflegepersonal im Einsatz.

Sind Viren Lebewesen?
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Mundspülung zur Corona-Behandlung: Eine Impfung ersetzt es nicht

Was schön klingt, sollte nicht überschätzt werden. Zwar konnten bereits mehrere Forscherteams ganz unabhängig voneinander belegen, dass Mundspülung im Rahmen einer Corona-Behandlung die Viruslast senken und eine Übertragung des Erregers für einen begrenzten Zeitraum verhindern kann. Allerdings gilt dies nur für den Mund-Rachenraum, das bedeutet eine Virenübertragung durch das Ausatmen durch die Nase ist weiterhin möglich. Eine Coronavirus-Impfung bleibt demnach weiterhin unerlässlich.

Dass Mediziner von der Wirksamkeit von Mundwasser dennoch überzeugt sind, zeigen jüngste Entwicklungen aus Bielefeld. In Kooperation mit dem Pharmahersteller Dr. Wolff haben Ärzte der HNO-Klinik eine eigene Mundpülung für Hals und Rachen entwickelt, die bereits für Patienten und Pflegepersonal eingesetzt wurde, wie der WDR berichtet. Sie soll die Viruslast um 90 Prozent senken können. Empfohlen wird die Nutzung aus den dortigen Erfahrungen heraus auch für Heimbesucher, Lehrer und Schüler.

Original-Meldung zur Corona-Behandlung durch Mundwasser

Wie diverse Medien zu Beginn der Entdeckung berichteten, hatten Wissenschaftler der Universität Cardiff herausgefunden, dass Mundwasser mit einem 0,07 prozentigen Anteil an Cetylpyridiniumchlorid-Chlorid erfolgreich zur punktuellen Corona-Behandlung im Mund- und Rachenraum genutzt werden kann. Innerhalb von 30 Sekunden soll die Flüssigkeit den Erreger dort abtöten und somit dessen Übertragung reduzieren können.

Der entsprechende Bericht ging einer klinischen Studie voran, die am Universitätskrankenhaus von Wales in Cardiff durchgeführt werden soll. Die ersten Ergebnisse der Untersuchung werden für 2021 erwartet und sollen den Forschern Aufschluss darüber geben, ob sich mittels Mundwasser der Anteil an Coronaviren im Speichel von Testpersonen verringern lässt. Eine Impfung ersetzt die Verwendung von Mundwasser aber auch bei bestätigenden Ergebnissen unter keinen Umständen. Lediglich die Übertragungswahrscheinlichkeit ließe sich damit zeitweise senken.

Schon vor Monaten erste Vermutung zu Mundspülungen

Was die britischen Wissenschaftler der Universität Cardiff schon im Mai 2020 erstmals in einer Studie vermutet haben, und noch an Menschen testen, konnte zwischendurch auch durch eine Studie aus Bochum belegt werden: Mundspülungen könnten punktuell ähnlich wie ein Corona-Medikament wirken und den Covid-19-Erreger zerstören. Die Erkenntnisse ihres Experimentes veröffentlichten die Virologen der Ruhr-Universität Bochum und ihre Kollegen aus Jena, Ulm, Duisburg-Essen, Nürnberg und Bremen bereits vor Monaten im "Journal of Infectious Diseases".

Was sowohl die britischen als auch die deutschen Forscher nachgewiesen haben, ist Folgendes: Mundwasser könnte in Verwendung als eine Art Corona-Medikament dazu genutzt werden, den Befall des Mund-Rachen-Raums mit Viren bei Covid-19-Patienten zu senken und damit ebenfalls das Risiko einer Coronavirus-Übertragung. Für eine ganzkörperliche Behandlung sei diese Methode jedoch nicht geeignet. Auch bleibt das Ansteckungsrisiko über die Nase weiterhin bestehen, was eine Corona-Impfung weiterhin als beste langfristige Lösung bestätigt.

8 gängige Mundwasser aus dem Handel getestet

Für die Studie in Bochum wurden insgesamt acht Mundspülungen untersucht, die unterschiedliche Inhaltsstoffe enthalten und in Drogerien und Apotheken verkauft werden. Diese wurden mit Viruspartikeln vermengt sowie mit einer Substanz versetzt, die den menschlichen Speichel nachahmen soll. Um ein Gurgeln zu simulieren, schüttelten die Forscher das Gemisch und maßen im Anschluss den Virusanteil.

Diese Mundspülungen töteten den Virus nach 30 Sekunden ab:

  • Listerine Cool Mint
  • Iso-Betadine
  • Dequonal

Weitere getesteten Mundwasser waren:

  • Cavex Oral Pre Rinse
  • Chlorhexamed Forte
  • Dynexidine Forte
  • Octenident
  • ProntOral

Wichtig sei jedoch zu bedenken, dass sich die Wirkung anders als bei einem richtigen Corona-Medikament und einem Coronavirus-Impfstoff nicht auf den ganzen Körper erstreckt, sondern lediglich im Mund-Rachen-Raum dafür sorgt, dass der Erreger abgetötet wird. Die Produktion der Viren in den Zellen werden damit nicht gehemmt, zitierte Focus.de Toni Meister, einen der Hauptautoren der Studie. Regelmäßiges Gurgeln könnte die Viruslast im Rachenraum immerhin verringern und Massenausbreitungen durch Superspreader eindämmen.

Britische Studie im Mai suggerierte ähnliche Wirkung

Auch das britisches Forscherteam untersuchte die Wirkung von Mundwasser abseits der Suche nach einem Coronavirus-Impfstoff genauer. Anders als ein Corona-Impfstoff sollte Mundwasser als eine Art Corona-Medikament demnach dazu dienen, Menschen, die positiv auf das Virus getestet wurden, im Umgang damit zu helfen. Eine erste Analyse, die im Journal "Function" veröffentlicht wurde, verwies bereits darauf, dass es sich im Hinblick auf Tests mit anderen Viren lohnt, "weiter zu erforschen, ob orale Spülungen als potenzieller Weg zur Verringerung von Übertragung von SARS-CoV-2 (Coronavirus) in Erwägung gezogen werden sollten".

Coronavirus-Impfstoffe weiter weltweit in Entwicklung

Trotz der womöglich vielversprechenden Aussichten, die sich ohne noch existierenden Coronavirus-Impfstoff durch ein so simples und leicht verfügbares Corona-Medikament wie Mundwasser ergeben, weist die Weltgesundheitsorganisation WHO darauf hin, dass es gegenwärtig noch keine Behandlungsmethode gibt, die das Coronavirus stoppen oder töten kann.

Um zudem die Ausbreitung der Krankheit weltweit eindämmen und aufhalten zu können, ist weiterhin die Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffes nötig. Mit dem Corona-Impfstoff von BioNTech ist der erste Schritt zur Massenimpfung bereits getan. Dennoch muss immer auch mit Nebenwirkungen gerechnet werden. So gibt es einzelne Meldungen von gegen Corona Geimpften über Nebenwirkungen. Und auch der Chef des Moderna-Corona-Impfstoffes hat Bedenken.

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