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Verblüffende Entdeckung im Gehirn: "Zombie-Gene" nach dem Tod aktiv

Eine neue Studie kann der Hirnforschung jetzt sehr viel weiterhelfen.
Eine neue Studie kann der Hirnforschung jetzt sehr viel weiterhelfen.
Foto: Getty Images/Science Photo Library - PASIEKA.
Artikel von: Regina Singer
Eine neue Untersuchung zeigt, dass manche Zellen im Gehirn nach dem Tod aktiv werden. Jetzt kann die Hirnforschung von diesem Wissen profitieren.

Eine Untersuchung, die im März 2021 veröffentlich wurde, zeigt, dass nicht alle Zellen im Körper ihre Aktivität nach dem Tod einstellen. Laut neuer Erkenntnisse erhöhen manche Zellen sogar ihre Aktivität im menschlichen Gehirn. Für die Hirnforschung hat die Entdeckung der sogenannten "Zombie-Gene" eine große Bedeutung.

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Das Gehirn: 4 faszinierende Fakten

  • Es besteht zu 80 bis 90 Prozent aus Wasser. Der Rest ist vor allem Fett
  • Es verfügt über mehr als 100 Milliarden Nervenzellen. Nervenbahnen aneinandergereiht wären etwa 5,8 Millionen Kilometer lang
  • Es macht nur 2 Prozent unseres Körpergewichts aus
  • Es braucht 20 Prozent des Sauerstoffs, den wir insgesamt verbrauchen

Wichtig für die Hirnforschung: Was bedeuten die Erkenntnisse?

Im Fachmagazin Scientific Reports wurde am 23. März 2021 eine Studie der Universität of Illionois Chicago (UIC) veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die Zellaktivität im menschlichen Gehirn nach dem Tod sogar verstärkt auftreten kann. Die UIC-Forschenden kamen zu diesem Ergebnis, als sie die Genexpression in frischem Hirngewebe anylsierten. Dieses wurde während einer routinemäßigen Gehirnoperation gesammelt. Die sogenannten "Zombie-Gene" waren laut einer Pressemitteilung der Universität spezifisch für einen Zelltyp, nämlich den Entzündungszellen (Gliazellen). Das könnte Konsequenzen für die Hirnforschung haben.

"Dass sich Gliazellen nach dem Tod vergrößern, ist nicht allzu überraschend, da sie entzündlich sind und ihre Aufgabe darin besteht, Dinge nach Hirnverletzungen wie Sauerstoffmangel oder Schlaganfall zu beseitigen", erklärt Dr. Jeffrey Loeb, Professor und Autor der Studie. Die Entdeckung ist aber deshalb von Bedeutung, weil die meisten anderen Forschungsstudien, die nach einer möglichen Behandlung oder nach einem Heilmittel für verschiedene Erkrankungen (Autismus, Alzheimer, Schizophrenie) suchen, diese Veränderungen nach dem Tod nicht berücksichtigen. "Die meisten Studien gehen davon aus, dass alles im Gehirn aufhört, wenn das Herz aufhört zu schlagen, aber so ist das ist nicht", erklärt Dr. Jeffrey Loeb.

Weitere Erkenntnisse der Studie

Die neuen Erkenntnisse würden also benötigt, um die Forschung an menschlichem Gehirngewebe zu interpretieren. Außerdem konnten die Forschenden zeigen, dass etwa 80 Prozent der analysierten Gene noch bis zu 24 Stunden nach dem Tod eine relativ stabile Aktivität aufweisen. Das sind unter anderem die Haushälter-Gene, welche dafür verantwortlich sind, dass die grundlegende zelluläre Funktion sichergestellt ist.

Eine Gen-Gruppe, die in den Nervenzellen vorkommt, wird nach dem Tod laut der Studie jedoch recht schnell abgebaut. Diese Zellen sind etwa bei der Gedächtnis- und Denkfunktion beteiligt. Genau diese Gene sind bei der Erforschung von Alzheimer und Schizophrenie elementar.

"Die gute Nachricht aus unseren Ergebnissen ist, dass wir jetzt wissen, welche Gene und Zelltypen stabil sind, welche abgebaut werden und welche im Laufe der Zeit zunehmen, damit die Ergebnisse von postmortalen Hirnstudien besser verstanden werden können", so Dr. Jeffrey Loeb abschließend. In der Studie selbst heißt es: "Das Verständnis dieser zeitabhängigen Veränderungen der Genexpression in Post-Mortem-Gehirnproben ist entscheidend für die Interpretation von Forschungsstudien zu Erkrankungen des menschlichen Gehirns." Hier geht es zur Studie.

Weiteres Spannendes zur Hirnforschung

Hast du schon mal gehört, dass man sagt, der Mensch nutze nicht die volle Kapazität seines Gehirns? Das genau sagt die Hirnforschung dazu. Im vergangenen Jahr fanden Expertinnen und Experten der Hirnforschung heraus, dass ein voreingenommenes Handeln streng mit den Hirnströmen in Zusammenhang steht. Und das sagen neue Erkenntnisse zu unserer Vorstellungskraft.

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