Es gibt eine ernste und potenziell tödliche Erkrankung, die eine überraschend große Zahl an Menschen betrifft. Das Problem: Die meisten Personen wissen davon nichts. Denn sie wird oft genug gar nicht oder erst zu spät erkannt und fordert dadurch mehr Opfer als nötig. Neue Studien belegen inzwischen eine überaus simple Methodik, die genau hier helfen kann und zuverlässig auf ein sogenanntes Aortenaneurysma hindeutet. Forscher:innen setzen bereits seit Jahren mit großem Erfolg auf die Technik.

Infobox „Der Daumen“
Der Daumen ist der erste, dickste und auch stärkste der fünf Finger einer Hand. Interessant ist, dass der Daumen im Allgemeinen gar nicht als Finger wahrgenommen wird. Das liegt daran, dass er aus anatomischer Sicht nur aus zwei statt drei Fingergliedern besteht, Phalanx proximalis und distalis, und damit auch deutlich kürzer ist. Physikalisch betrachtet, ist er dazu gedacht, den restlichen Fingern gegenüber zu stehen und so ein festes Zugreifen zu ermöglichen. Aufgrund seiner anderen Bewegungsmöglichkeiten nimmt er damit eine Sonderstellung ein.


Aortenaneurysma: Kaum bemerkte „Zeitbombe“

In Deutschland kam es 2019 laut Expert:innen zu 38.951 Fällen von Aortenaneurysma. Die Tendenz scheint steigend, zumindest gehen Prognosen von 39.770 Fällen für das Jahr 2021 aus. Das sind allerdings nur diejenigen, die auch entdeckt wurden. Dem Spiegel zufolge rechnete die Medizin schon 2012 damit, dass es allein in der Bundesrepublik rund eine Millionen Menschen gibt, die ohne es zu wissen mit einer solchen „Zeitbombe“ leben. Um die Erkrankung überhaupt festzustellen, benötigt es demnach auch jede Menge Glück, denn sie verläuft ohne Symptome und kann Personen jeden Alters treffen.

Dabei handelt es sich um eine sackartige Erweiterung der Hauptschlagader, die mit der Zeit größer werden und auch einreißen kann. Kommt es zu einer solchen Ruptur droht eine hohe Sterblichkeitsrate, weil sie lebensgefährliche innere Blutungen bedeutet. Auftreten können Aneurysmen dabei in der Höhe des Brustkorbs, aber auch im Bauchbereich.

Ein flexibler Daumen hilft bei der Prävention

Um das Schlimmste zu verhindern, ist eine frühzeitige Erkennung besonders wichtig. Laut Yale-Studie, die am 25. Mai im American Journal of Cardiology veröffentlicht wurde, kann das Risiko für ein Aortenaneurysma bereits anhand einer speziellen Daumenstellung ermittelt werden. Dazu ist es nötig, die Hand flach und mit den Fingern nach oben hoch zu halten und den Daumen soweit wie möglich über die Handfläche zu legen. Überlappt er dabei die äußere Handkante, so besteht den Wissenschaftler:innen nach die Möglichkeit, dass ein verstecktes Aortenaneurysma vorliegt.

  • Hinweis: Wie genau das aussieht, zeigt das entsprechende Bild der Yale Universität.

Deshalb funktioniert der Daumen-Hand-Test

Bereits seit einigen Jahrzehnten machen Dr. John A. Elefteriades, leitender Autor der Studie, und seine Kollegen den Hand-Daumen-Test zu einem festen Bestandteil ihrer Vorlesungen für Medizinstudenten. Zudem nutzten sie die Methode ebenso lang bei der Untersuchung von Patienten. Klinisch getestet wurde dessen Genauigkeit trotz der häufigen Anwendung bisher nicht.

Dass die spezielle Stellung des Daumens auf ein verstecktes Aortenaneurysma hindeuten kann, hat einen Grund: Sie zeigt die Röhrenknochen sind unverhältnismäßig und die Gelenke locker, was wiederum ein Anzeichen für eine Bindegewebserkrankung im ganzen Körper ist, einschließlich der Aorta.

Positiver Test ist kein Grund zur Panik

Wichtig: Elefteriades betont dabei aber noch einmal besonders, dass nicht jeder, der positiv getestet wird, auch ein Aortenaneurysma hat. Außerdem dauert es oft Jahre bis zu Jahrzehnten bevor es zu einem Riss kommen kann. Ein positives Ergebnis beim Daumen-Hand-Test sei deshalb kein Grund zur Panik.

Während der Daumen Hinweise auf eine Erweiterung der Aorta geben kann, sind andere alltägliche Dinge überraschend hilfreich, um auf die Gesundheit zu achten. Zu wenig Schlaf soll sich negativ auf das Herz auswirken können. Wer dagegen beim Kaffee am Morgen nicht aufpasst, tut seinem Körper ebenfall nichts Gutes.

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