Seit Jahren, wenn nicht schon Jahrzehnten, befinden wir uns in einem Wandel der Arbeitskultur. Begriffe wie „Work-Life-Balance“ und „Burn-out“ spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Doch bringen Überlegungen wie die Vier-Tage-Woche tatsächlich etwas? Oder ist die Idee weniger zu arbeiten sie doch zu schön, um nützlich zu sein? Diese Frage stellte sich offenbar auch die Forschungsorganisation Association for Sustainability and Democracy (Alda) und suchte in Zuge eines großangelegten Experiments nach einer Antwort.

Burn-out…

… fällt in der Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) unter „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ (Z73). Es tritt auf, wenn die Arbeit nicht mehr befriedigend ist, der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin sich beruflich nicht mehr weiterentwickelt, sich überlastet fühlt und unzufrieden mit der Arbeit ist, die ihm einmal Spaß gemacht hat.

Weniger arbeiten: Kann das funktionieren?

In Zusammenarbeit mit dem britischen Thinktank Autonomy hat die Alda einen Bericht veröffentlicht, in dem sie gleich mehrere Pilotprojekte anführt. Alle von ihnen adressieren die Thematik, ob bei weniger Arbeit gleiche oder gar bessere Ergebnisse erzeugt werden könnten. Sie wurden im Zeitraum zwischen den Jahren 2015 und 2019 teils Landesweit, teils begrenzt auf die Hauptstadt Reykjavík durchgeführt.

Dabei wurde die Wochenarbeitszeit von 2.500 Arbeitnehmern von 40 auf 35 beziehungsweise 36 Stunden reduziert – ohne damit einhergehende Lohnkürzungen. Das Ergebnis: „ein überwältigender Erfolg“.

„In beiden Studien drückten viele Arbeitnehmer aus, dass sie sich nach Beginn der Arbeitszeitreduzierung besser, energiegeladener und weniger gestresst fühlten, was dazu führte, dass sie mehr Energie für andere Aktivitäten wie Sport, Freunde und Hobbys hatten“, heißt es in dem veröffentlichten Bericht. „Das hat sich dann positiv auf ihre Arbeit ausgewirkt.“

Gegen Burn-out: „Vorteile für die physische und psychische Gesundheit“

Im Wesentlichen stellten die Autor:innen der Untersuchung folgende Effekte heraus:

  • Weniger Stress zu Hause, da mehr Zeit mit dem Partner oder für häusliche Aktivitäten zur Verfügung steht.
  • Mehr Zeit, die mit der weiteren Familie und Freunden verbracht wird.
  • Mehr Zeit für sich selbst, sei es für Hobbys, Leidenschaften, andere Interessen oder einfach zum Ausruhen.
  • Mehr Zeit für Hausarbeiten und häusliche Aktivitäten während der Arbeitswoche, wodurch die Zeit am Wochenende frei wird und deren Qualität steigt.
  • Männer in heterosexuellen Partnerschaften übernahmen mehr Verantwortung im Haushalt und teilten sich die Arbeit gerechter auf.
  • Positive Auswirkungen auf Alleinerziehende, eine Bevölkerungsgruppe, die oft akut „zeitarm“ ist.
  • Positive Auswirkungen auch auf diejenigen, die nicht direkt weniger arbeiteten, wie z. B. die erweiterte Familie und Freunde, die nun mehr Kontakt zu den Tria-Teilnehmern hatten.

Wichtig sei außerdem, „dass die weit verbreiteten Vorteile für die physische und psychische Gesundheit, die wir hier von den Studienteilnehmern beschrieben haben, über die lange Zeitspanne der Studie hinweg erhalten blieben“.

Diese „Widerstandsfähigkeit in Kombination mit der weit verbreiteten Einführung von Kurzarbeitsverträgen unter isländischen Arbeitnehmern“ lasse auf transformative Langzeiteffekte für die Gesundheit der Arbeitnehmer hoffen. Diese ließen sich auf weniger Stress und Burn-out sowie eine verbesserte Arbeitsmoral und ein besseres Wohlbefinden zurückzuführen.

Folgen von dauerhaftem Stress

Doch kann sich der Stress durch zu viel Arbeit nicht nur auf deine Leistung auswirken. So führt er zwar zu Konzentrationsschwierigkeiten, die dich im Berufsleben stören könnten, kann aber auch gesundheitliche Folgen haben.

Ein solch anhaltender Aktivierungszustand kann etwa zu Erschöpfung bis hin zum „Burn-out“ führen. Darüber hinaus haben chronisch Gestresste dem Versicherungsunternehmen Ergo zufolge eine höhere Anfälligkeit für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Unternehmen ziehen ihre Lehren

Seit der Fertigstellung des Experiments würden rund 86 Prozent der Beschäftigten Islands weniger arbeiten, heißt es auf der Webseite der Alda. „Die Produktivität und das Dienstleistungsangebot blieben gleich oder verbesserten sich in der Mehrzahl der Testarbeitsplätze.“

Auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter habe sich bei einer Reihe von Indikatoren dramatisch verbessert. Dazu würden neben wahrgenommenem Stress und Burn-out auch die Gesundheit und Work-Life-Balance zählen. Abzuwarten bleibt, ob auch andere Länder der Welt sich dieses Beispiels bedienen. Abseits deiner Arbeitszeiten spielt übrigens auch die richtige Ernährung eine wichtige Rolle für dein Wohlbefinden.

Quelle: Association for Sustainability and Democracy (Alda), Ergo

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