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"Alarmierend": Forscher besorgt über neu entdeckte Erreger in Deutschland

Multiresistente Keime in deutschen Proben besorgen Forscher:innen aktuell.
Multiresistente Keime in deutschen Proben besorgen Forscher:innen aktuell.
Foto: GettyImages/Rodolfo Parulan Jr
Artikel von: Dana Neumann
Selbst das jüngste Antibiotikum ist jetzt schon gegen die Bakterien wirkungslos. Sie wurden in deutschen Proben ausfindig gemacht und gelten als "kritisch".

Im Rahmen einer Studie fanden Wissenschaftler:innen Erreger, die eine bedrohliche Resistenz gegen eigentlich breitflächig wirksame Antibiotika aufweisen. Erschreckend ist dabei vor allem, dass selbst die jüngste Generation an Wirkstoffen, die noch nicht einmal frei verfügbar gemacht wurde, bereits gegen die multiresistenten Keime zu versagen scheint.

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Multiresistente Keime: "Kritisch" laut WHO

Schon 2017 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Liste der 12 tödlichsten Keime weltweit. In der obersten Prioritätsklasse jene Erreger, die als größtes Risiko eingestuft werden. Dazu zählen auch multiresitenten Keime, die in ähnlicher Form jüngst in der Bundesrepublik nachgewiesen werden konnten. Für Forschende ist dies ein bedrohlicher Umstand.

In drei Kategorien hatte die WHO damals Krankheitserreger gelistet, gegen die es dringend eines Antibiotikum bedürfe: "kritisch", "hoch" und "medium". Zu den als besonders dringlich zu bekämpfenden multiresistenten Keimen gehören die Folgenden:

  • Acinetobacter baumannii: Carbapenem-Antibiotika resistent
  • Pseudomonas aeruginosa: Carbapenem-Antibiotika resistent
  • Enterobacteriaceae: Carbapenem-Antibiotika resistent, ESBL-Bildner (Extended-Spectrum-Betalaktamasen, d.h. bakterielle Enzyme, die Antibiotika spalten können)

Auch die in Deutschland neu entdeckten Bakterien sind solche "Superkeime", die gegen sogenannte Carbapeneme, also spezielle Notfall-Antibiotika, resistent sind. Diese gelten laut Scinexx und aufgrund ihres breiten antimikrobiellen Wirkspektrums als "letzte noch wirksame Waffe gegen viele resistente Bakterien".

Hoffnungsträger-Antibiotikum schon vor ersten Einsatz wirkungslos

Besonders "alarmierend" ist für Forschende, dass die multiresitenten Keime ein gerade erst entwickeltes und noch in klinischen Studien getestetes Mittel bereits außer Kraft setzen können.

"Aztreonam-Avibactam ist eine Kombination aus einem älteren Antibiotikum – Aztreonam – mit einem neueren Hemmstoff – Avibactam –, der die Wirksamkeit der Resistenz gegen Carbapeneme aufheben kann und so die Bakterien wieder angreifbar macht", erklärt Can Imirzalioglu vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). Bakterien, die bereits jetzt schon eine Resistenz dagegen aufweisen, konnten in deutschen Proben aber im Rahmen einer Überwachungsstudie mittels Genomanalyse nachgewiesen werden.

Im schlimmsten Fall breiten sich diese Resistenzgene unter den Erregern aus noch bevor Aztreonam-Avibactam frei verfügbar gemacht werden kann. Bakterielle Infektionen wären dann nicht mehr mit dem Antibiotikum zu bekämpfen.

Wie gefährlich ist ein multiresistenter Keim?

Für Menschen ohne gesundheitliche Probleme und einer guten Immunabwehr sind die Bakterien in der Regel harmlos. Bei Kontakt mit multiresistenten Keime käme es entsprechend höchstwahrscheinlich zu keiner Erkrankung. Sie können die Erreger sogar in sich tragen, ohne es zu wissen oder sich damit zu infizieren. Dennoch bestehen gewisse Risikofaktoren, für eine Infektion mit den MRE-Keimen:

  • offene und schlecht heilende Hautwunden
  • Schläuche im Körper
  • Immunschwächende Krankheiten wie Diabetes, Hepatitis oder HIV
  • Medikamente, die das Immunsystem belasten
  • dauerhafte Pflegebedürftigkeit
  • Aufenthalt in einem Pflegeheim

Gesunde MRE-Träger können sich zudem leichter infizieren, wenn sie operiert werden, weil die Bakterien dabei in die Wunde eindringen können.

Wie real die Gefahr ist, die von derartigen Bakterien ausgeht, zeigen auch frühere Einschätzungen anderer Wissenschaftler:innen. Einige halten multiresistente Keime für die "ausnahmslos größte Bedrohung".

Quellen; Weltgesundheitsorganisation WHO, Scinexx, eigene Recherche

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