In Berlin hat der dritte WeWork eröffnet. Direkt am Kurfürstendamm entsteht über fünf Etagen hinweg eine neue Coworking-Fläche für die Mitglieder des WeWork-Netzwerks, das sich in den vergangenen Jahren international weit verbreitet hat: USA, Niederlande, Großbritannien, China, Mexiko, Australien, man kommt kaum hinterher.

Nachdem in der deutschen Hauptstadt bereits WeWorks am Sony Center und am Hackeschen Markt Platz für Start-ups und Freelancer bieten, zog es die Gründer für ihre neue Location an den Ku’damm – mit dem Bikini Berlin, dem neuen Zoopalast, neuen Hotels, der zentralen Lage und guten Anbindung ist auch der Wert der City West wieder gestiegen und für Start-ups attraktiv. Im Dezember schon soll in der Stresemannstraße am Potsdamer Platz dann der vierte WeWork eröffnen, ein fünfter an der Alexanderstraße wurde bereits angekündigt.

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Wer für einen monatlichen Beitrag WeWork-Mitglied ist, hat Zugang zu allen Coworking-Spaces, gut für Start-up-Gründer, die viel reisen und ihren Arbeitsplatz flexibel gestalten müssen. Die Angebote reichen von einem sogenannten „Hot Desk“ für einen Tag bis zur Mietung einer ganzen Gebäudeetage. Die Preise variieren stark und reichen von 300 Euro für einen Monat am „Hot Desk“ über das private Büro für 470 Euro monatlich bis zu individuellen Preisen für eine gesamte Bürogestaltung. WeWork stellt ein Community-Management zur Verfügung sowie Konferenzräume, Telefondienste und viele weitere Services. Immer wieder finden auch Veranstaltungen in den Räumlichkeiten statt.

WeWork ist drittwertvollstes US-Start-up

Es ist ein Konzept, das funktioniert, und zwar richtig gut, denn schon 2016 war das damals erst sechs Jahre alte, in New York gegründete Start-up WeWork plötzlich mehr wert als Twitter, wie Meedia berichtete. Seit August 2017 ist es mit einer Bewertung von 21,06 Milliarden US-Dollar das drittwertvollste Start-up der USA. Diesen Platz weiter zu sichern oder sogar zu toppen, hat im selben Monat ein Investment von SoftBank von 4,4 Milliarden US-Dollar ermöglicht.

Viel Aufhebens machen die Gründer um die Eröffnung neuer Spaces wohl deshalb nicht mehr; auch in Berlin ging es am Mittwochabend ruhig zu. Der Space ist fertiggestellt und damit ganz einfach eröffnet. Seit 2015 ist Wybo Wijnbergen als General Manager für Nordeuropa für WeWorks Expansion zuständig. Er kommt aus der Gastronomie- und Tourismusbranche, war sowohl Manager von McDonald’s als auch vom Amsterdam Dungeon und verschiedenene Sea Lifes, auch in Oberhausen.

Im Interview haben wir mit ihm über das Arbeiten der Zukunft gesprochen, über Räume und die Gemeinsamkeiten von Mensch und Tier.

futurezone.de: Welche Ansprüche haben Sie an ihren eigenen Arbeitsplatz?
Wybo Wijnbergen:
Für mich zählt die Gemeinschaft: Gleichgesinnte, die zusammenkommen, um Ideen auszutauschen und offen ihre jeweiligen Herausforderungen zu diskutieren. Eine solche Umgebung fördert die Kreativität, das „Out of the box“-Denken und nicht zuletzt das Erlernen neuer Fähigkeiten. Lernen ist schließlich ein pausenloser Prozess.

Wie würden Sie Arbeit im Allgemeinen definieren und was ist Ihre persönliche Idealvorstellung von Arbeit?
Ich habe immer daran geglaubt, dass Arbeit sich nicht wie Arbeit anfühlen sollte. Glücklicherweise konnte ich auch immer Orte finden, an denen das möglich war, wo ich vielen talentierten Menschen aus unterschiedlichen Berufsfeldern zuhören und von ihnen lernen konnte, wo ich die Leidenschaft für ihre Missionen und Visionen mit ihnen teilen konnte.

Denn das ist für mich die Idealvorstellung von Arbeit: Ein Platz, an dem man Teil von etwas Größerem als man selbst sein kann, und an dem es möglich ist, nicht nur in einem Unternehmen etwas zu bewegen, sondern – und das ist das Wichtigste – auch für andere.

In welcher Weise unterscheiden sich Arbeitsplätze und private Räumlichkeiten voneinander?
Was für eine großartige Frage! Jedes Unternehmen und jedes Team benötigt, um eine ihr ihm eigene Kultur entwickeln zu können, privaten Raum für sich. Nur so können Mission und Vision des Unternehmens entwickelt werden und gemeinsame Werte entstehen. Die Mitarbeiter sollten also von Anfang an dazu bereit sein, in Gemeinschaftsräumen beziehungsweise Großraumbüros zu arbeiten und ihren Raum mit anderen zu teilen. Nichtsdestotrotz ist dieser Raum eben auch der Arbeitsplatz. Viel mehr Firmen sollten deshalb zusätzlich private Büros anbieten.

Was ist der entscheidende Faktor für dem internationalen Erfolg von WeWork?
Dass Menschen sich in ihren Bedürfnissen ähneln. Überall in der Welt suchen sie nach persönlichen Verbindungen, danach, von anderen lernen zu können, Erfahrungen zu teilen, Abenteuer zu erleben und gemeinsam zu feiern.

Sie haben viel Erfahrungen im operativen und Change Management, vor allem im Tourismus und Entertainmenbereich. Können Sie Erfahrungen aus diesen Bereichen in Ihre Arbeit bei WeWork einfließen lassen?
WeWork ist ein Ort, an dem Gastfreundschaft der Schlüssel ist. Jeden einzelnen Tag betreten weltweit über 160.000 Mitglieder unsere Räumlichkeiten. Um sie kümmern wir uns, für sie halten wir Raum, Gemeinschaft und unseren Service bereit, um eine Welt zu erschaffen, in der Menschen Lebenswerke erschaffen, statt nur ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das ist auch unser Motto bei WeWork: „Make a Life, Not a Living“.

Ich betrachte es mit Demut, im Alltag anderer Menschen eine – kleine oder größere – Rolle zu spielen, eine Wirkung erzielen zu können, indem ich ihnen Platz für ihre Ideen anbiete. Das macht mich nur noch leidenschaftlicher darin, unsere Services und unsere Umgebung zu verbessern. Nicht nur unsere Mitglieder sollen schließlich wachsen, sondern auch ihre Unternehmen.

Im Sea Life Amsterdam waren Tiere Ihr Daily Business. Sehen Sie Parallelen zwischen Tieren und Menschen, wenn es um Raum und das Bedürfnis nach persönlichem und gemeinschaftlichem Platz geht?
Absolut. Es dreht sich alles um Umgebungen. Die beste, natürliche Umgebung für die Tiere im Sea Life zu gestalten, war eine schwierige Aufgabe und eine echte Herausforderung. Das muss man total ernst nehmen. Dasselbe gilt für uns Menschen.

WeWork Ku’Damm wird nicht das letzte in Berlin gewesen sein. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft von WeWork in der deutschen Hauptstadt?
Die Stadt Berlin war uns gegenüber sehr aufgeschlossen und gastfreundlich. Die Nachfrage nach unseren WeWork-Spaces am Sony Center und am Hackeschen Markt ist extrem hoch. WeWork Ku’damm eröffnet im Dezember und wird nach aktuellem Stand von Tag eins an zu 93 Prozent ausgelastet sein. Wir glauben, dass Berlin großes Potenzial hat und unsere Pläne zeugen von noch größerem Wachstum in den kommenden drei Jahren.

Wie denken Sie werden wir in – sagen wir 20 Jahren – arbeiten?
Hoffentlich werden wir in einer Umgebung arbeiten, die das Beste in den Menschen herausholt, wo sie aufblühen, nie aufhören zu lernen, ihre Träume weiterverfolgen, die Welt zu verbessern. und das alles gemeinsam. Ich glaube fest daran, dass gerade durch die umfassende digitale Vernetzung persönliche Beziehungen und Interaktionen mehr Bedeutsamkeit in unser aller Leben erfahren werden.

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