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3 Technologien gegen den Hunger in der Welt

Auch die Blockchain-Technologie kann helfen, den Hunger zu bekämpfen. Wie im jordanischen Flüchtlingscamp Azraq (Foto).
Auch die Blockchain-Technologie kann helfen, den Hunger zu bekämpfen. Wie im jordanischen Flüchtlingscamp Azraq (Foto).
Foto: Kurier/Juerg Christandl
Das World Food Programme der UNO zeigt: Auch Drohnen, Roboter und Blockchain können den Hunger in der Welt bekämpfen.

Den Hunger in der Welt bis 2030 zu beenden, hat sich das World Food Programme (WFP) der Vereinten Nationen auf die Fahnen geschrieben. Und zwar auch mithilfe von Blockchain-Technologie in einem Flüchtlingscamp, Drohnenflügen über Katastrophengebieten oder selbstfahrenden Robotern in Kriegsgebieten.

"Um den Kampf gegen den Hunger effizienter führen zu können, haben wir einen Innovation-Accelerator ins Leben gerufen, wo technische Innovationen systematisch identifiziert werden, die dazu beitragen, den Hunger nachhaltig zu beenden", erklärt Bernhard Kowatsch vom WFP im Gespräch mit futurezone.

Der Österreicher leitet seit 2015 das Innovationszentrum des UN-Welternährungsprogramm in München. Zahlreiche Ideen befinden sich derzeit in der Planungs- beziehungsweise Pilotphase und versprechen wesentliche Verbesserungen bei der Ernährungssicherheit.

Drohnen: Luftbrücke mit Flügeln

Nach Naturkatastrophen rückt das WFP regelmäßig aus, um die betroffene Bevölkerung – oftmals aus der Luft – mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Was in der Vergangenheit meist mit großen Transportflugzeugen passierte, könnte in Zukunft auch mit flexiblen Lastendrohnen durchgeführt werden.


"Um Nahrungsmittel aus Transportflugzeugen abzuwerfen, benötigt man viel freie Fläche am Boden, was oft zu Problemen führt. Lastendrohnen sind dafür eine gute Alternative, da sie wesentlich platzsparender agieren", sagt Kowatsch.

Vom Chaos zum Panorama

Unbemannte Fluggeräte (UAV) können in Katastrophenfällen auch auf andere Weise hilfreich sein, wie Kowatsch erklärt: "Nach einem Hurrikan können vom betroffenen Gebiet etwa keine Satellitenbilder angefertigt werden, da die Wolken die Sicht verdecken. Damit wir uns ein Ausmaß der Katastrophe machen können, setzen wir in Zukunft auch UAVs ein."

Die Drohnen können nämlich unterhalb der Wolkendecke fliegen und das betroffene Gebiet abfotografieren. "Früher mussten die Bilder händisch zusammengefügt werden", sagt Kowatsch. Durch den Einsatz von Computerprogrammen und künstlicher Intelligenz können die Fotos wesentlich schneller zu einem großen Panorama zusammengesetzt werden. Für die Koordination der Nothilfe und die zeitnahe Versorgung der Hurrikan-Opfern bringt dies natürlich wesentliche Vorteile.


Roboter: Convoys in abgelegene Gebiete

Eine weitere Herausforderung für die Ernährungshilfe sind Kriegsgebiete, in denen Kampfhandlungen stattfinden. Was früher Hilfsmitarbeiter unter Einsatz ihres Lebens wagten, wird wohl künftig von ferngesteuerten Roboterfahrzeugen durchgeführt.

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Die vom Schweizer Unternehmen URS Laboratories entwickelten Drohnenfahrzeuge können eine 400-Kilogramm schwere Nutzlast mit einer Höchstgeschwindigkeit von 180 Stundenkilometern bis zu 325 Kilometer weit transportieren. "Um Lebensmittel, Wasser oder Medizin zu transportieren, kann diese flexible und kostengünstige Nothilfe sogar im komplett unwegigem Terrain eingesetzt werden", sagt Kowatsch. Die selbstfahrenden Geräte können sich dabei zu einem Konvoy zusammenschließen und per GPS-Daten in Konfliktzonen entsandt werden.

Blockchain: Iris-Scans in Flüchtlingscamps

Iris-Scans und Blockchain-Technologie haben im jordanischen Flüchtlingscamp Azraq eine Finanzinfrastruktur geschaffen, die Kosten spart. Dabei werden die Zahlungsvorgänge im Camp-eigenen Supermarkt über die Blockchain abgewickelt. Zur Identifizierung dient der Iris-Scan. Das erlaubt den UN-Organisationen unabhängig von Banken und anderen Finanzinstitutionen zu agieren und dadurch monatlich rund 150.000 Dollar einzusparen.

"Dieses Pilotprojekt ist ein voller Erfolg und soll nun auf andere Flüchtlingscamps, andere UN-Organisationen und andere Länder ausgeweitet werden", erklärt Kowatsch.


Effizienter Nahrung liefern

Um Papierkram und die komplexe Dokumentation bei Lebensmitteltransporten wesentlich zu reduzieren, versucht das WFP derzeit herauszufinden, wie die Blockchain dabei helfen kann. "Im Rahmen des 'Blocks for Transport'-Projekts geht es in erster Linie darum, die Lieferkette effizienter und transparenter zu gestalten", sagt Kowatsch.

Bei dem Probelauf wird eine Nahrungsmittellieferung vom Hafen von Dschibuti nach Adama in Äthiopien getrackt und die dabei anfallenden Daten auf der Blockchain hinterlegt. Das soll die Rückverfolgbarkeit erhöhen und den Informationsfluss beschleunigen.

Start-ups gefragt: Die Welt besser machen mit der UN

"Mobilfunk und Internetverbindung transformieren alle möglichen Bereiche des täglichen Lebens und eröffnet dadurch auch Türen zu Innovationen, die uns dabei helfen können, den Hunger in der Welt zu bekämpfen", sagt Kowatsch. Der Innovation-Accelerators des WFP sei ständig auf der Suche nach kreativen Start-ups und vielversprechenden Ideen.


"Wir holen Start-ups nach München und unterstützen die Teams bei der Verwirklichung ihrer Ideen, um zur Ernährungssicherheit beizutragen." Pro Projekt stehen bis zu 100.000 Euro Unterstützung zur Verfügung. "Die dafür verwendeten Gelder stammen zu hundert Prozent aus freiwilligen Spenden", hält Kowatsch fest.

"Ob FinTech oder AgTech – ganz egal – es kommt auf die Art der Innovationen an", so Kowatsch. "Wer eine gute Idee hat, kann sich für unsere nächsten Innovation Bootcamps und Pitch Nights bewerben." Details dazu gibt es auf der entsprechenden Website des WFP.

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

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