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5 ernüchternde Gründe, warum Netflix-Serien selten länger als eine oder zwei Staffeln überleben

Fr, 24.05.2019, 13.01 Uhr

Neues von Netflix: Aktuelle Erfolgsserien & wichtige News

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Regelmäßig werden viele Netflix-Serien abgesetzt und wieder neue den Nutzern vorgestellt. Doch hinter diesem Auf und Ab der Gefühle stecken diese brutalen Unternehmensziele.

Aktuell treibt Netflix seine treuen Nutzer zur Weißglut. Zahllose Netflix-Serien werden nach der zweiten oder dritten Staffel, manche bereits nach der ersten Staffel, abgesetzt. Zugleich werden fast ebenso viele neue Serien vorgestellt, ohne Aussicht auf eine Chance, länger als eine oder zwei Staffeln zu überleben. Warum macht Netflix das und wie können wir die Logik hinter diesen Entscheidungen verstehen?

Warum werden Netflix-Serien schon nach einer oder zwei Staffeln abgesetzt?

Ob es sich um “Designated Survivor”, “The OA” oder um eine andere beliebte Netflix-Serie handelt, der Streaming-Dienst hat bereits die Herzen vieler Serienfans gebrochen, mit der unerwarteten Nachricht über die frühzeitige Absetzung einer beliebten Serie. Wonach Netflix letztlich entscheidet, ob es eine Serie weiterleben lässt oder absetzt, wird in den seltensten Fällen offen kommuniziert. Aber diese 5 Gründe sind am wahrscheinlichsten.

The OA Trailer

1. Eine neue Netflix-Serie lockt mehr Zuschauer als eine alte Netflix-Serie

Netflix ging an den Start mit dem Versprechen für den schmalen Preis einer Kinokarte eine endlose Auswahl an Inhalten anzubieten. Das Schlüsselwort dabei ist tatsächlich Auswahl, da man versucht, die breite Masse mit ihren unterschiedlichen Interessen anzulocken und sich nicht auf eine Nische zu versteifen. So gibt es auf Netflix Titel für Fans brutaler Action,genauso wie Unterhaltung für die ganze Familie. Es geht also nicht darum, mit einigen wenigen exklusiven Titeln die Zuschauer bei der Stange zu halten wie zum Beispiel bei HBO mit Serien wie “Game of Thrones”. Netflix will lieber viel von allem anbieten.

Und da es zum Gesetz jeder Serie gehört, dass die Zuschauerzahlen nach der zweiten und dritten Staffel eher stagnieren oder gar abnehmen, investiert Netflix lieber in neue Serien, die potentiell neue Abonnenten anlocken.

2. Netflix besteht auf Exklusivität und gibt keine Netflix-Serien weiter

Netflix ist dafür berühmt, dass sie beliebte Serien auf der Plattform für weitere Staffeln rettet, wenn das ursprünglich verantwortliche Fernsehstudio die Serie nicht mehr weiterführen will. So geschehen etwa bei “Arrested Development” , “Lucifer” und “Designated Survivor”.

"Designated Survivor" Staffel 3 Trailer

Doch gleichzeitig besteht Netflix darauf, dass diese und andere Netflix Original Serien nach ihrer Zeit bei Netflix nirgendwo sonst laufen dürfen. Das ist eine Klausel, die sich Netflix in alle Verträge schreiben lässt und so für mindestens zwei bis drei Jahre die Serie auch nach ihrer Absetzung an sich bindet. Somit gibt es auch erstmal keine Zukunft für Serien wie “The OA” auf einem anderen Streaming-Dienst oder Fernsehsender.

3. Netflix spart lieber an der teureren Fortsetzung von Netflix-Serien

Fernsehserien werden in der Regel von Staffel zu Staffel teurer in der Produktion. Das liegt daran, dass die Macher und Akteure erwarten, dass ihre Gehälter mit dem Erfolg der Serie mitsteigen. Auch wollen Macher oft ihre Serien weiter ausbauen und das geht auch nur mit höheren Budgets. Doch das lässt sich Netflix nur selten gefallen.

Da die dritte oder vierte Staffel einer Serie selten neue Abonnenten generiert, investiert Netflix lieber in eine neue Serie. So belohnt Netflix wirklich nur die Serien, die konstant gut bei den Abonnenten laufen (“Stranger Things”, “Orange Is the New Black”) und lässt alle anderen einen frühen Tod sterben.

4. Netflix-Serien mit Fernsehpreisen dürfen länger bleiben

Netflix ist auch sehr angewiesen auf Anerkennung. Darum investiert der Streaming-Dienst auch so aggressiv in Oscar-Kampagnen für seine Filme wie “Roma” (2018) und bald auch für “The Irishman” (2019). Mehr Kritiker- und Industrie-Preise, mehr willige Abonnenten, so die einfache Rechnung für Netflix. Und die Serien, die sich lange auf Netflix halten konnten, waren allesamt große Abräumer bei den Fernsehpreisen: “Stranger Things” und “Orange Is the New Black” wurden mehrmals mit Emmys, SAGs und Golden Globes ausgezeichnet.

The Irishman Netflix Trailer

5. Netflix-Serien halten die Aufmerksamkeit heute nicht so lange wie frühere Serien

Netflix-Serien wie “Stranger Things”, “Orange Is the New Black” und “Haus des Geldes” sind Event-Formate, weil gefühlt jeder über sie redet und man selbst ohne Netflix Abonnement immer wieder über sie in den Medien liest. Früher schafften das nur HBO Serien wie “Game of Thrones”, “Sex and the City” oder “The Sopranos”. Doch diese Serien liefen auch über eine längere Zeit im analogen Fernsehen, mit einer neuen Folge pro Woche.

Das ist mit der Publikationsstrategie von Netflix heute ganz anders. Die Staffel einer Serie wie “Stranger Things” wird gleich komplett veröffentlicht und ist dann nur für zwei, drei Wochen Tagesgespräch, bis die nächste Staffel einer anderen Serie zum Bingen zur Verfügung steht. So ist das Zeitfenster, in der eine Serie neue Zuschauer anlocken kann, stark verkürzt. Entsprechend gehen Serien, die eine ähnliche Sogwirkung in derselben Zeit nicht aufbauen können, noch schneller im Meer des Angebots auf dem Streaming-Dienst verloren. Mehr dazu hier.

Netflix laufen die Serien-Fans davon: Setzt der Streaming-Dienst zu viele Shows zu früh ab? Diese Strategie brachte Netflix auch schon Sexismus-Vorwürfe ein. Diese 5 Serien mit nur einer Staffel sind absolut sehenswert.

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