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Neu auf Netflix: Ein Oscar-Gewinner für den besten Film, der es am wenigsten verdient hat?

Fr, 24.05.2019, 13.01 Uhr

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“The King’s Speech” startet heute auf Netflix. 2011 gewann der Historienfilm den Oscar für den besten Film. Eine kontroverse Wahl, viele halten ihn für den miesesten Oscar-Gewinner.

Der Academy Award der Academy of Motion Picture, Arts and Sciences, oder kurz: Oscar, ist der älteste und bekannteste Preis der US-amerikanischen Filmindustrie. Eine Jury aus mehreren tausend stimmberechtigter Wähler aus den unterschiedlichsten Zünften (vom Regisseur bis zum Kostümbildner, vom Komponisten bis zum Schauspieler) stimmt unter anderem über den besten Film des Jahres ab. Oft liegen sie in den Augen der Fans mit ihrer Wahl völlig falsch. So wie bei “The King’s Speech”, der heute auf Netflix startet. Doch ist das Kostümdrama über die Sprechstörung von George VI. wirklich so schlecht?

The King's Speech Trailer

Gehört “The King’s Speech” zu den schlechtesten Oscar-Gewinnern?

In Hollywood gewinnen selten die besten Filme, sondern die Filme mit den größten Budgets für das Marketing als Oscar-würdige Filme. Und die Stimmung der Zeit kann einen Gewinn immer begünstigen, oft zu Lasten eines Films, der in den Augen der Fans und der Kritiker den Preis für den besten Film eher verdient hätte. So war es als “The King’s Speech” 2011 gegen “The Social Network” von David Fincher antrat und viele der Meinung waren, dass der Film über die Entstehung von Facebook und Mark Zuckerberg der bessere Film war.

The Social Network Trailer

Während "The Social Network" erzählerisch und filmisch frisch und gewagt wirkte, hatte "The King's Speech" mit seiner vorhersehbaren Handlung und seinen konventionellen Figuren etwas Verstaubtes und Altmodisches. Zwar würde heute kaum einer “The Social Network” als Klassiker bezeichnen, aber viele andere Filme gewannen den Oscar für den besten Film, während ein anderer nominierter Film aus demselben Jahr später auf weit mehr Anerkennung stieß. Hier eine kleine Auswahl:

1942: “Schlagende Wetter” (“How Green Was My Valley”) schlägt “Citizen Kane”

Orson Welles’ Drama über einen Industrialisten, “Citizen Kane”, führt seit mehreren Dekaden viele Listen der besten Filme aller Zeiten an. Nicht ohne Grund: so viel Innovation, Intelligenz und Virtuosität in allen technischen und künstlerischen Belangen findet man selten in einem Film. Doch bei den Oscars gewann das kitschige Familiendrama “How Green Was My Valley”, von dem viele noch nie was gehört haben.

1977: “Rocky” schlägt “Taxi Driver”

Sylvester Stallones ergreifendes Boxer-Drama “Rocky” war der Sieger der Herzen und ist dank zahlreicher Fortsetzungen und Reboots auch heute noch ein Publikumsliebling. Aber der bessere, weil herausfordernde Film aus dem Jahr war das nervenaufreibende Psychodrama “Taxi Driver” von Martin Scorsese, das leider leer ausging beim Oscar für den besten Film.

Taxi Driver Trailer

1981: “Eine ganz normale Familie” schlägt “Wie ein wilder Stier”

Martin Scorsese hatte viele Jahrzehnte kein Glück bei den Oscars. So auch 1981 mit dem Boxer-Drama “Wie ein wilder Stier”, das heute als einer der besten Filme der 1980er Jahre gilt. Doch in dem Oscar-Jahr wurde er dennoch geschlagen von dem Familiendrama “Eine ganz normale Familie” (“Ordinary People”), von dem man heute nur noch im Zusammenhang mit "Wie ein wilder Stier" ("Raging Bull") spricht. Erst 2007 gewann Scorsese das erste Mal den Oscar für den besten Film mit “The Departed”.

1990: “Miss Daisy und ihr Chauffeur” schlägt vier bessere Filme

In dem selben Jahr, in dem einer der besten Filme über Rassismus, Spike Lees “Do the Right Thing” nicht einmal für den besten Film des Jahres nominiert wurde, gewann das brave, liberale Südstaatendrama “Miss Daisy und ihr Chauffeur”. Der Film stach damit die ebenfalls nominierten, besseren Filme “Der Club der toten Dichter”, “Geboren am 4. Juli”, “Feld der Träume” und “Mein linker Fuß” aus. Unfassbar.

GoodFellas Trailer

1991: “Der mit dem Wolf tanzt” schlägt “GoodFellas”

Und wieder Martin Scorsese, der mit “GoodFellas” einen der besten Filme über die Mafia drehte und links liegen gelassen wurde. Stattdessen gab es den Oscar für den Indianer-Film “Der mit dem Wolf tanzt” von und mit Kevin Costner. Der war nicht schlecht, aber filmisch lange nicht so innovativ und elektrisierend wie die Gangster-Chronik von Scorsese.

1995: “Forrest Gump” schlägt “Die Verurteilten” und “Pulp Fiction”

Schwieriges Jahr mit vielen Klassikern. Alle drei dieser Filme werden heute noch mehrmals angesehen und wiederholt zitiert. Doch die Tragikomödie “Forrest Gump” reicht weder an die emotionale Dichte des Gefängnisdramas “Die Verurteilten” heran, noch ist sie so innovativ und stilbildend gewesen wie Quentin Tarantinos schwarze Komödie “Pulp Fiction”

Pulp Fiction: Vincent Vegas Zeit in Amsterdam

2006: “Crash” schlägt “Brokeback Mountain”

Das Drama über zwei schwule Cowboys, “Brokeback Mountain” ging als Favorit in den Abend und verlor den Oscar für den besten Film überraschend an das Rassendrama “Crash”. Sogar im Auditorium gab es geschockte Mienen über die politisch wenig korrekte Entscheidung. 2015 nahmen die Mitglieder der Academy an einer Umfrage teil und mussten sich dabei eingestehen, dass die Entscheidung ein eklatanter Fehler war.

“The King’s Speech” ähnelt den meisten “unwürdigen” Oscar-Gewinnern der Geschichte vor allem darin, dass es bieder, brav und wenig innovativ wirkt. Aber ist es darum auch weniger sehenswert? Ab heute findest Du den Film auf Netflix. Entscheide selbst.

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