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Diese kleine Szene macht “Fast & Furious Five” zum intelligentesten Film der Kinoreihe

Paul Walker und Vin Diesel setzen zum Sprung an in "Fast & Furious Five". Darum ist der Film so viel intelligenter als die anderen Teile der Kinoreihe.
Paul Walker und Vin Diesel setzen zum Sprung an in "Fast & Furious Five". Darum ist der Film so viel intelligenter als die anderen Teile der Kinoreihe.
Foto: imago images / Prod.DB
“Fast & Furious Five” läuft heute im TV. 2011 rebootete der spektakuläre Action-Thriller das “Fast and the Furious”-Franchise. Diese kleine Szene macht den Film so viel intelligenter. 

Es ist schon fast zwei Jahrzehnte her, dass mit “The Fast and the Furious” (2001) ein kleiner, unscheinbarer Actionfilm über die illegale Straßenrennszene von Los Angeles die Kinocharts stürmte. Seitdem ist viel passiert. Aktuell wird bereits an “Fast & Furious 9” gedreht und aus dem zunächst einfachen Konzept ist ein gigantisches Blockbuster-Franchise geworden, das mit “Hobbs & Shaw” dieses Jahr gar ein erfolgreiches Spin-Off erhielt. Doch “Fast & Furious Five” (heute im TV), bekannt auch als “Fast Five”, bleibt wegen einer kleinen Szene der beste, weil intelligenteste Teil der Reihe.

Warum ist “Fast & Furious Five” so wichtig für die Kinoreihe?

Für Produzent Neal H. Moritz war mit dem ersten “Fast & Furious”-Film ein Erfolgskonzept geboren. Die in Zeitlupen gefilmte Fetischisierung einfallsreich frisierter Edelkarosserien und notdürftig verhüllter junger Frauen, die rasant montierten Wettrennen und Verfolgungsjagden zwischen muskulösen, braungebrannten Unterhemdenträgern und der mächtige Hip Hop-, Rap- und R’n’B-Soundtrack lockten anfangs vor allem das motoren-, körper- und actionaffine männliche Zielpublikum ins Kino. Und besonders teuer waren die gänzlich anspruchsvollen Filme auch nicht. Doch das änderte sich alles mit “Fast & Furious Five” (heute im TV).

Doch “Fast & Furious Five” ist nicht nur ein spektakulärer Heist-Film, der nicht mehr viel mit dem anfänglichen Konzept der Kinoreihe zu tun hat. Der Film knüpft nach dem drögen, da gänzlich humor- und einfallslosen vierten Teil “Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile.” (2009) auch wieder an das implizite Thema der ersten vier Filme an.

In den “Fast & Furious”-Filmen geht es um ethnische Unterwanderung

Wir erinnern uns: “The Fast and the Furious” war die Geschichte eines blonden, blauäugigen Milchbarts (Paul Walker), der sich als rebellischer Undercover-Polizist in eine ethnisch bunte Parallelwelt begibt, um eine Verbrechensserie zu lösen. Doch dann verliebt er sich ins Milieu und statt seinen italoamerikanischen Kontrahenten (Vin Diesel) zu verhaften, trägt er dessen rassige Schwester (Jordana Brewster) davon.

In “2 Fast 2 Furious” (2003) wetteifert dieser weiße Junge darauf mit einem Afroamerikaner (Tyrese Gibson) in Sachen Fahrkunst und Coolness und gewinnt gar eine Kubanerin (Eva Mendes) als vorübergehende Spielgefährtin. Auch in dem in der “Fast and the Furious”-Serie etwas randständigen Intermezzo “Tokyo Drift” (2006) versucht sich ein weißer Außenseiter (Lucas Black) den Respekt einer ethnischen Gruppe, hier: japanischer Jugendlicher, zu verdienen, indem er sich in kürzester Zeit ihre Lebensweise, Sprache und Fahrkünste aneignet.

In dieser Perspektive sind die “Fast & Furious”-Filme also wenig mehr als urbane Variationen klassischer »Going-Native«-Geschichten wie “Lawrence von Arabien” (1962), “Apocalypse Now” (1979) und “Der mit dem Wolf tanzt” (1990), wo ein Weißer zum Teil und Rädelsführer einer ethnisch anderen Gesellschaft wird.

Fast and Furious Toky Drift letzte Szene

Diese Szene macht “Fast & Furious Five” so viel intelligenter

In der ersten richtig witzigen Szene des recht unterhaltsamen Sequels “Fast & Furious Five” werden die früheren “Passing”-Versuche des weißen Cops in ethnischen Straßengangs mit einem Augenzwinkern aufs Korn genommen. So gibt sich Tyrese Gibson, der mit seiner bewährten Spielfreude allen aus den früheren Teilen zusammengeführten Darstellern die Schau stiehlt, hier einmal als weißer Polizist aus, um in den Materialraum einer Polizeistelle zu gelangen, und erklärt dem Türwächter, seine schwarze Hautfarbe sei bloß besonders starke Sonnenbräune. Selbstironischer hätte der Film nicht sein können.

Das macht “Fast & Furious Five” so unterhaltsam

Es ist auch erst ab diesem Punkt, dass der zuvor in seiner Ernsthaftigkeit ermüdende Actioner zu der gesunden Selbstironie findet, die die ersten drei Teile auszeichnete und die ihn hier über die mit 130 Minuten lange, aber immer noch kurzweilige Laufzeit rettet. Die erste halbe Stunde von "Fast & Furious Five" hält sich trotz einer absurden, aber solide inszenierten Actionsequenz noch damit auf, das Ende des unmittelbaren Vorläufers aufzuarbeiten und an die selten wirklich überzeugende Wir-sind-eine-Familie-von-Außenseitern-Rhetorik des Originals anzuschließen.

Doch hat man erst einmal das grausige Schauspiel des grimmigen Diesels, des verdutzten Walkers und der hübschen Brewster in ihren unbeholfenen ›Familienszenen‹ überstanden, gewinnt der Film an Fahrt und vor allem Spaß, indem er Elemente des Heist-Films einfließen läßt. Es ist die Interaktion zwischen den einzelnen Mitgliedern der spontan formierten Räuberbande, vor allem Tyrese Gibson und Ludacris als sympathisches Zweiergespann, die für die dringend notwendige Leichtigkeit sorgt.

Auch die Idee, dem Team in der Gestalt eines energischen, ständig schwitzenden Dwayne Johnsons des verbissenen DSS-Agenten Hobbs als Verfolger an die Fersen zu heften, zahlt sich aus in den immer gewaltigeren Kampf- und Actionszenen des letzten Drittels.

Teile dieses Artikels basieren auf einer früheren Rezension von mir zum Kinostart von “Fast & Furious Five”. Je mehr "Fast & Furious"-Filme es gibt, desto verworrener werden sie: Diese 10 Fragen muss uns das "Fast & Furious"-Franchise noch beantworten. "Fast & Furious Five" ist ein Heist-Film alter Schule, so wie diese besten Heist-Filme auf Netflix.

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