Eine der größten WhatsApp-Alternativen ist wohl der Messenger Telegram. Doch wer WhatsApp wegen der Kritik an Datenschutz verlässt, der sollte auch bei Telegram genauer hinschauen, denn was das betrifft, gibt es einen sehr wichtigen Grund, den Messenger nicht zu nutzen oder Telegram zu löschen. Daneben gibt es außerdem weitere Argumente gegen den Dienst, die wir hier zusammentragen.

Fakten zu Telegram
  • Telegram wurde 2013 von den Brüdern Nikolai und Pavel Durov gegründet
  • Der Messenger ist sowohl für Android als auch für iOS, Windows und als Computer- und Webversion kostenlos verfügbar
  • Weltweit gibt es mehr als 500 Millionen Nutzer:innen
  • Telegram gilt mittlerweile als Zufluchtsort für rechtsextreme Verschwörungstheoretiker:innen

Telegram löschen: Das sind die Argumente

Nachdem WhatsApp immer wieder unter anderem wegen des Datenschutzes in der Kritik steht, greifen viele Menschen zu Telegram. Doch immer mehr Stimmen werden laut, dass der blaue Messenger auch nicht die Rettung für sichere Kommunikation ist. Wir haben einige Gründe dafür zusammengefasst und stellen fest: besonders ein Punkt ist schwerwiegend und ein Argument, Telegram zu löschen.

1. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist nicht Standard

Die derzeit beste Möglichkeit, digital private Gespräche zu führen, ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das bedeutet, nur Sender:in und Empfänger:in können Nachrichten lesen, während Fremde einen Zahlensalat sehen würden. WhatsApp bietet dies beispielsweise als Standard seit 2016 an.

Bei Telegram hingegen muss die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für jeden einzelnen Kontakt extra eingeschaltet werden. Das nennt sich „Geheimer Chat“. Als Standard gibt es diese Technologie nicht. Wählst du also einfach einen Kontakt aus und schreibst der Person, ist die Unterhaltung nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Gravierend: Gruppen sind grundsätzlich nicht mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung versehen, da Gruppechats nicht als Geheime Chats verfügbar sind (unter anderem via Kaspersky). Nutzt du Telegram also dazu, um in einer Gruppe zu kommunizieren, sind eure Nachrichten nicht verschlüsselt.

2. Deine Metadaten werden erfasst

Genau wie WhatsApp kann Telegram auf deine Metadaten zugreifen. Beispielsweise wird deine IP-Adresse bei Benutzung des Messengers erfasst. Wer deine IP-Adressen kennt, der kann dich zu jeder Tages- und Nachtzeit orten und nachvollziehen, wo du dich auf der Welt bewegst.

Vice erklärt außerdem, dass es eine „befremdliche Formulierung in den Datenschutzbestimmungen von Telegram“ gebe. „Dort steht eine Aufzählung, welche Metadaten Telegram – mit einer Speicherdauer von bis zu einem Jahr – sammeln darf: deine IP-Adresse, welches Gerät du nutzt, ‚etc‘. Bloß: Was steckt hinter ‚etc‘?“, fragt das Magazin.

3. Telegram kennt dein Telefonbuch

Sowohl die Nummern als auch die Namen deiner Kontakte sind Telegram bekannt. Hast du beispielsweise „Mama“ oder „Papa“ gespeichert, weiß der Massanger, zu welchen Nummern deine Eltern zugeordnet werden können. Außerdem weiß der Dienst auch, welche ärztliche Versorgungen du beispielsweise in Anspruch nimmst, falls du deine Zahnärztin oder deinen Psychoterapeuten gespeichert hast.

Dass dies auch anders geht, zeigt beispielsweise Signal. Hier werden Kontakte in Zeichenwerte verwandelt, so dass für den Messenger nicht ersichtlich ist, welche Nummern und Namen du gespeichert hast.

4. Telegram ignoriert kritische Fragen

Pavel Durov, Gründer von Telegram, verließ sein Heimatland Russland aus politischen Gründen und spricht sich immer wieder dafür aus, dass Privatsphäre ein Menschenrecht ist. Demokratie wird bei dem Messenger nach außen hin groß geschrieben. Doch davon ist offenbar nicht viel zu merken, wenn es darum geht, dass Journalist:innen kritische Fragen stellen.

Vice habe Telegram Ende 2020 mehrmals auf verschiedene Probleme, wie beispielsweise der fehlenden Standard-Ende-zu-Ende-Verschlüsselung angesprochen, doch nie eine Antwort erhalten.

Es wirkt nicht vertrauenswürdig, wenn ein Messenger, der als so große WhatsApp-Alternative gilt und nach außen hin Wert auf Privatsphäre legt, offenbar kritischen Fragen aus den Weg geht.

5. Der Servercode ist nicht öffentlich

Laut Chip ist Telegram nur für Clients eine Open-Source-App. Der Servercode sei also nicht öffentlich zugänglich, weswegen Nutzerinnern und Nutzer nicht genau wissen, was auf den Servern des Dienstes passiert.

Die Frage, warum nicht gleich alles Open-Source ist, beantwortet Telegram in den FAQ wie folgt: „Alle Quelltexte werden letztendlich veröffentlicht. Wir haben erst einmal mit den nützlichsten Teilen begonnen. Eine gut dokumentierte Programmierschnittstelle (API), welche es Entwicklern erlaubt, neue Telegram Apps zu erstellen und OpenSource Clients welche durch Sicherheitsspezialisten ausgewertet werden können.“

6. Der Telegram-Server weiß, was du tippst

Heise führte vor wenigen Monaten einen Test bei Telegram durch: Es wurde in eine Nachricht ein Link hinzugefügt und noch bevor diese abgesendet wurde, erstellte Telegram eine Vorschau des Links. Auch wir haben das probiert und konnten dasselbe feststellen:

Wir machen den Heise-Test: Nur das Eintippen einer URL erzeugt bei Telegram eine Vorschau, noch bevor wir die Nachricht abgesendet haben.
Wir machen den Heise-Test: Nur das Eintippen einer URL erzeugt bei Telegram eine Vorschau, noch bevor wir die Nachricht abgesendet haben.
Foto: Screenshot Futurezone

„Dort liefert die App alles, was ihr tippt, an den Telegram-Server – schon bevor ihr es abschickt. Und dieser Server besucht dann die URL und liefert das mit dem ‚Portal zur IT-Security‘ an die Telegram-App auf dem Handy“, erklärt Heise.

Außerdem machte Heise denselben Test mit einer extra für diesen Zweck erzeugte Webseite, einer sogenannten Honey-URL. In den Log-Dateien des Honey-URL-Servers tauchte offenbar augenblicklich nach Eintippen der URL in der Telegram-App, ein Zugriff des TelegramBots auf. Dieser hatte eine IP-Adresse, die auf England zurückführte.

Telegram löschen: Eine Anleitung

Haben dich diese Punkte überzeugt, hast du nun wahrscheinlich vor, deinen Telegram-Account zu löschen. Wir zeigen, wie das geht und ob du dabei etwas beachten solltest.

Um dein gesamtes Konto zu löschen, gibt es zwei Wege. Willst du Telegram noch für eine gewisse Zeit nutzen, da du es momentan hin und wieder noch zur Kommunikation benötigst, kannst du die automatische Löschung deines Kontos aktivieren.
Gehe dafür in den Einstellungen auf „Privatsphäre und Sicherheit“ und scrolle nach unten zu „Mein Konto automatisch löschen“. Hier kannst du einstellen, dass nach sechs Monaten, drei Monaten, einem Monat oder einer Woche ohne Anmeldung dein Konto automatisch gelöscht wird.

Möchtest du deinen Telegram-Account sofort löschen, musst du das über die Deaktivierungs-Website von Telegram tun. Klicke auf den Link https://my.telegram.org/auth?to=delete und gib deine Rufnummer ein. Anschließend bestätigst du die Eingabe mit „Next“, woraufhin du in der App einen Code zur Bestätigung erhältst. Gib diesen auf der Website ein, wähle „Sign in“ und klicke zuletzt auf „Delete my account“.

Dein Konto inklusive deiner Kontakte und Chats ist nun gelöscht, andere können die Chats mit dir jedoch noch einsehen. In der Chatübersicht der anderen steht dann jedoch nicht mehr dein Name, sondern nur noch „Gelöschtes Konto“. Das Profilbild wechselt zu einem Geist-Symbol und auch dein Nutzername und deine Telefonnummer sind nicht mehr einsehbar.

Es gibt Alternativen zu Telegram

Es gibt nicht nur zwei Messenger auf dem Markt. Telegram und WhatsApp sind zwar sehr bekannt, doch mittlerweile gibt es Dienste, die immer mehr Beliebtheit erlangen. Du bist also nicht nur auf diese eine Anwendung angewiesen. Unter den Messenger-Diensten ist etwa die Signal-App welche mit zahlreichen Vorteilen punkten kann. Und das kann beispielsweise Ginlo, der Messenger aus Deutschland.

Quellen: Kaspersky, Vice, Chip, Telegram, Heise, Ionos, eigene Recherche

Du willst mehr von uns lesen? Folge uns auf Google News.