Europas größter Online-Modehändler Zalando will seinen Wachstumskurs mit zwei großen neuen Logistikzentren in Polen und Italien vorantreiben. So wolle der Amazon-Konkurrent die Kapazitäten für einen Jahresumsatz von 10 Milliarden Euro schaffen, sagte Co-Firmenchef Rubin Ritter am Donnerstag. Aktuell liegt er unter 4 Milliarden Euro. „Wir sind davon überzeugt, dass Wachstum die richtige Strategie für uns ist, den Unternehmenswert zu steigern.“ Den Kapazitätsausbau und Automatisierungen lässt sich Zalando einiges kosten – 250 Millionen Euro in diesem Jahr. Das drückt auf die Margen.

Amazon könnte Zalando beschränken

Ritter kündigte an, dass das Umsatzwachstum 2017 in der oberen Hälfte des Wachstumskorridors von 20 bis 25 Prozent liegen werde. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) werde unterdessen am unteren Rand der Spanne von 5 bis 6 Prozent landen. 2016 hatte der deutsche Konzern bei einem Umsatz von 3,6 Milliarden Euro eine Ebit-Marge von 5,9 Prozent erzielt. Die Anleger reagierten verhalten. Der MDax-Wert notierte 0,5 Prozent im Plus bei 39,61 Euro. Die Konkretisierung der Prognose sei keine Überraschung, kommentierte DZ-Bank-Analyst Thomas Maul. „Aber die Aktivitäten von Amazon auf dem europäischen Modemarkt könnten mittelfristig das Gewinnpotenzial von Zalando einschränken.“

Treiber: Kunden und Bestellungen

Ritter zeigte sich gelassen. Es gebe Platz für mehrere Spieler. Man spürte keine Auswirkungen auf die Zahlen durch die Konkurrenz von Amazon. Im ersten Halbjahr schnellten die Erlöse von Zalando um 21,5 Prozent auf 2,08 Milliarden Euro, während das bereinigte Ebit auf Vorjahreshöhe bei 81,8 Millionen Euro verharrte. Wesentlicher Treiber im zweiten Quartal sei die steigende Zahl der aktiven Kunden und der Anstieg der Bestellungen gewesen auf 3,7 pro Jahr – ein Höchststand und ein Zeichen für eine stärkere Kundenbindung, so Ritter. Das 2008 gegründete Unternehmen verkauft online fast 2.000 Marken in 15 europäischen Ländern. Zalando zählt mehr als 21 Millionen aktive Kunden.

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