„Firmen gehen nicht kaputt, weil sie das eine oder andere nicht erfolgreiche Experiment gewagt haben, sondern weil sie in der Vergangenheit leben. Weil sie zu lange das tun, was bisher gut funktioniert hat.“ Mit dieser Einschätzung eröffnete Petra Hauser, CEO des Exponential Business Hub, die erstmals veranstaltete „Innovation Lounge“. Die Eventreihe ist als Netzwerk für Führungskräfte und Unternehmen gedacht, um sich über innovative Geschäftsprozesse nach Vorbild des Silicon Valleys auszutauschen.

Firmen leben im Schnitt nur mehr 15 Jahre

Dies sei angesichts der exponentiell fortschreitenden Technologieentwicklung sowie der daraus resultierenden Disruption von Geschäftsmodellen überlebensnotwendig, sagte Hauser. Sie unterstrich ihre Ansage mit einigen Beispielen und Zahlen. So rechnet das MIT damit, dass bis 2025 etwa 40 Prozent der heutigen Fortune 500 Unternehmen verschwunden sein werden. Auch die durchschnittliche Lebensdauer von Unternehmen nehme extrem ab. Lag diese 1920 noch bei 67 Jahren, sei man mittlerweile nur mehr bei 15 Jahren.

Als Beispiel nannte sie den ehemaligen Videotheken-Marktführer Blockbuster, der am Höhepunkt in den 90er-Jahren etwa 8,4 Milliarden US-Dollar am Heimmarkt mit 50.000 Mitarbeitern erwirtschaftete. Der Niedergang ging praktisch parallel mit dem Aufstieg von Netflix einher, das schnell auf Streaming setzte. Heute erwirtschaftet Netflix 69 Milliarden Dollar mit nur 4.700 Mitarbeitern, während Blockbuster seinen Betrieb praktisch eingestellt hat.

Fragwürdige Investitionen

Dass große Medienhäuser wie etwa die österreichische Styria zuletzt 30 Millionen Euro in Druckereibetriebe investiere, anstatt neue Geschäftsprozesse aufzusetzen, falle in dieselbe Denkart: „Was wir kennen, lässt uns sicher fühlen. Dabei müssen wir uns aber bewusst sein, dass Zukunft keine lineare Fortsetzung der Vergangenheit ist, sondern sich in einer exponentiellen Kurve äußert“, sagt Hauser. Betroffen würden leider nicht nur Konzerne, sondern auch zehntausende kleinere und mittlere Betriebe sein.

Start-up-Mentalität gefragt

Darüber, wie Unternehmen kreatives Denken ermöglichen und innovative Geschäftsprozesse aufsetzen können, herrschte in der nachfolgenden Podiumsdiskussion Einigkeit. „Es genügt nicht, einfach ein paar Start-ups zu kaufen. Es geht auch um die Unternehmenskultur“, erklärt Marco Harfmann von A1.

„Start-up-Kultur kann auch intern passieren. Man kann Mitarbeitern bzw. entsprechenden Teams den notwendigen Freiraum und die Zeit geben und sie zu ‚Intrapreneurs‘ werden lassen. Sie können ein Projekt entwickeln, haben aber die Absicherung, im Konzern zu bleiben und sich dort zu profilieren. Hebt das Projekt ab, profitieren sie von der direkten Beteiligung“, so Harfmann.

Organisation in kleineren Gruppen

Wenn man innovative Prozesse in Firmen etablieren wolle, sei es der falsche Ansatz mit der Organisation im Zentrum zu beginnen, sagt Stephan Jung vom Wiener Start-up Hub weXelerate: „Damit es funktioniert, muss es kleinere Gruppen geben, die am Rand des Unternehmens außerhalb der vorgefertigten Bahnen, aber auch Strukturen etwas ausprobieren können. Das setzt voraus, dass die Vorstandsebene auch Mut dazu hat, Budgets für Innovationen zur Verfügung zu stellen, bei denen man nicht weiß, was dabei herauskommt.“

Das sieht auch Axel Bachmeier von sIT bei der Erste Group so. „Die führenden Banken haben mittlerweile erkannt, dass sie nicht nur einfach große Tanker sein können, sie müssen auch kleinere Boote losschicken, um weiterzufahren. Im Kern bleibt ein Corporate natürlich immer ein Tanker und wird sich nie wie ein Start-up bewegen können. Umso wichtiger sind diese kleineren Projekte und Teams“, erklärt Bachmeier.

Von Start-ups lernen

Markus Kainz, Gründer der Crowdinvesting-Plattform primeCrowd, rät Konzernen, bei Start-ups genau hinzusehen. Denn viele Faktoren, die bei einem Start-up dazu führen, dass es scheitert oder abhebt, seien auch auf einen Konzern umlegbar: „Wenn das Team nicht passt, Mitarbeiter nicht zufrieden sind und dann auch nicht ihre Leistung bringen, kann das existenzbedrohend werden. Der große Unterschied ist: im Start-up läuft alles viel schneller ab, auch das Scheitern.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

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