Bisher galt Deutschland als das Land, das in Sachen Innovation anderen weit hinterherhinkte. Damit ist jetzt Schluss, glaubt man einer neuen Wirtschaftsstudie. Ihr zufolge liegt Deutschland auf Platz eins der innovationsfähigsten Länder der Welt und auf Platz drei der wettbewerbsfähgisten. Zehn verschiedene Kriterien hatte das Weltwirtschaftsforum (WEF) in seiner jährlichen Studie zur Wettbewerbsfähigkeit untersucht. Im Ländervergleich bietet Deutschland die besten Bedingungen für den Erfolg von innovativen Prozessen, von der Idee bis zur Vermarktung.

China weit abgeschlagen

Das Ergebnis steht im krassen Kontrast zur hierzulande verbreiteten Meinung, Deutschland sei zwar das Land der Dichter und Denker, vielleicht auch der großen Erfinder, ihm mangle es jedoch an Risikobereitschaft und allein schon am Ausbau von für die Zukunft notwendigen Datenleitungen für 5G. Noch 2017 belegte Deutschland im Ranking des Global Innovation Index nur Platz 9 – keine guten Voraussetzungen für den Titel des Innovationsvorreiters.

Doch es tut sich etwas. Vor allem auf die immer wichtiger werdende Industrie 4.0 sind deutsche Manager mit ihren Unternehmen besser vorbereitet als andere. Auch für die deutsche Politik ist die digitale Zukunft zunehmend bedeutender. Und jetzt auch noch der Platz im WEF-Ranking.

Innovation geht heute anders

Das Weltwirtschaftsforum lobt darin die deutschen Forschungsinstitute sowie ihre steigende Vernetzung mit Unternehmen aus der freien Marktwirtschaft. Außerdem verschaffe die hohe betriebliche Mitbestimmung Deutschland einen Vorteil. Über allem stehe die volkswirtschaftliche Stabilität dieses Landes. Eine niedrige Inflation und solide Staatsfinanzen tragen dazu bei.

Lediglich die USA und Singapur übertreffen der Studie zufolge Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit. Die Vereinigten Staaten können sich trotz ihres unzulänglichen Sozialsystems und Handelskriegen, etwa mit China, den Spitzenplatz sichern. Weit abgeschlagen, erst auf Platz 28, kommt die Volksrepublik China. Im vergangenen Jahr lag Deutschland auf Platz fünf der wettbewerbsstärksten Länder, allerdings seien die beiden Rankings nicht vergleichbar, weil 2018 völlig neue Bewertungsmethoden angewendet worden seien.

„Neue Spaltung der Welt“

140 Industriestaaten, Schwellen- und Entwicklungsländer wurden für die Studie untersucht. 98 Indikatoren waren entscheidend, wobei durch die sogenannte vierte industrielle Revolution einige hinzugekommen sind, die laut WEF die Innovationsfähigkeit eines Landes stärker beeinflussen als früher, darunter die unternehmerische Kultur und die gesellschaftliche Offenheit. „Ich erwarte eine neue Spaltung der Welt in Länder, die diesen innovativen Wandel verstehen, und solchen, die ihn nicht verstehen“, sagte Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums.

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