Seit einigen Jahren schon werden Elektroautos als eine Art Wunderheilmittel des Klimawandels gerühmt. Dieser Gedanke ist aber stark vereinfacht und ignoriert teils offensichtliche Risiken der Mobilitätswende. Allen voran nennt auch Carlos Tavares, Vorstandsvorsitzender des Autobauers Stellantis, soziale Folgen. Er befürchtet, „dass wir die Mittelschicht verlieren, wenn die keine Autos mehr kaufen kann“.

Elektroautos: Ein soziales Risiko?

Im Interview mit den Handelsblatt geht Tavares zwar auch auf die Chancen der Elektrifizierung ein, in erster Linie aber übt er Kritik. Immerhin sei die Technologie von der Politik gewählt worden, „nicht von der Industrie“. Es habe „billigere und schnellere Methoden“ gegeben, um Emissionen zu Reduzieren.

„Unser Kampf besteht jetzt darin, die 50 Prozent an zusätzlichen Kosten für Elektroautos binnen fünf Jahren so weit wie möglich zu begrenzen. Das bedeutet eine durchschnittliche Produktivitätssteigerung von zehn Prozent pro Jahr! Die Automobilindustrie, insbesondere in Europa, schafft normalerweise zwischen zwei und drei Prozent pro Jahr.“

Carlos Tavares

In einigen Jahren erst könne man sehen, „welche Hersteller überleben und welche nicht“. Auch dürfe man ein wesentliches Risiko aus dem Blick verlieren. So befürchtet Tavares, dass die Mittelschicht verloren gehen könnte, wenn Autos nicht länger erschwinglich wären.

Subventionen „nicht tragbar“

„Die Subventionen müssen bis mindestens 2025 aufrechterhalten werden“, erklärt Tavares. Doch glaube er nicht, dass die Staaten dazu in der Lage seien, den Verkauf von Elektrofahrzeugen weiter auf dem derzeitigen Niveau zu subventionieren. „Das ist aus Sicht der Haushaltspolitik nicht tragbar. Es geht also auch hier wieder um das soziale Risiko.“

Noch keine Schlüsse möglich

Während die einen in den Stromern die Lösung sehen, stellen sie für andere nur eine Art Notpflaster dar. Auch der Stellantis-Chef merkt an, dass erst in zehn oder 15 Jahren bekannt wäre, inwiefern die Elektrifizierung tatsächlich zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen beiträgt.

„Man muss den ganzen Lebenszyklus von Elektroautos betrachten. […] Wir müssen auch über den CO2-Fußabdruck der Batterie sprechen. Beim europäischen Energiemix muss ein E-Auto 70.000 Kilometer fahren, um die schlechte CO2-Bilanz der Batterieherstellung auszugleichen und die Lücke mit einem Hybridauto zu vergrößern. Und ein Hybridwagen ist halb so teuer wie ein E-Auto.“

Carlos Tavares

Aus diesem und anderen Gründen würde Tavares gerne stärker über Hybridfahrzeuge diskutieren. Er wolle sich damit auseinandersetzen, ob es tatsächlich notwendig ist, 100 Prozent auf Elektroautos zu setzen. „Sehr leistungsfähige Hybridautos“ könnten ein möglicher Lösungsansatz sein. Doch sehe der Unternehmer „diese Debatte im Moment nicht“.

Quelle: Handelsblatt

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