ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke war beim ersten Video-Dialog „Sag’s mir ins Gesicht“ überrascht über den respektvollen Tonfall. Bei der Aktion stellen sich prominente ARD-Journalisten live auf Facebook ihren Kritikern.

„Ich hatte gedacht, dass es ein paar Leute gibt, die richtig losmaulen und auch verbal schärfer werden. Das war überhaupt nicht der Fall, es fiel kein beleidigendes Wort. Es war sogar sehr zivilisiert“, sagte Gniffke nach dem Live-Dialog am Sonntagabend im Interview mit tagesschau.de. „‚Du Hetzer, du Arschloch’“, das schreibt sich viel leichter als es jemandem ins Gesicht zu sagen.“

„Ich wollte denen zeigen, dass wir keine Mimosen sind“

Er habe keine Ahnung gehabt, was passieren würde, sagte Gniffke. „Ich war darauf gefasst, dass das Ganze auch tosend in die Hose gehen kann. Umso mehr freue ich mich, dass es offensichtlich sehr viel respektvoller geht, wenn man miteinander spricht.“ Zum Hintergrund der Aktion erklärte er: „Ich wollte denen zeigen, dass wir keine Mimosen sind, die sich zu fein dafür sind, auch mal Diskussionen zu führen, die etwas schärfer sind.“ Es sei ihm darum gegangen, Gesprächsbereitschaft zu zeigen. „Auch mit denen, die uns sehr scharf kritisieren oder sogar abschaffen wollen.“

Gniffke forderte dazu auf, ihm ins Gesicht zu sagen, was ARD-Zuschauern nicht gefalle. Einseitige Berichterstattung, lautete ein Kritikpunkt, nicht ausreichende Trennung zwischen Meinung und Nachricht, zu große Regierungsfreundlichkeit oder sogar, im Auftrag des Staates zu handeln. Weitere Themen waren die Berichterstattung über US-Präsident Trump und den Ukraine-Konflikt.

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