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Kasparow: Keine Angst vor künstlicher Intelligenz

Garry Kasparov, ehemaliger Schachweltmeister, findet die Angst vor KI übertrieben.
Garry Kasparov, ehemaliger Schachweltmeister, findet die Angst vor KI übertrieben.
Foto: Invision for Chess Club and Scholastics Center of St. Louis/Erin Stubblefield
Trotz seiner Niederlage gegen den Computer "Deep Blue" hat der ehemalige Schachweltmeister keine Angst vor KI – im Gegenteil.

Garri Kasparow, der frühere Schachweltmeister und Aktivist, sieht in künstlicher Intelligenz keine Bedrohung für die Menschheit. Das gab der 54-Jährige in einer Rede auf der Hacker-Konferenz DEF CON bekannt. Kasparow gilt als eines der ersten „Opfer“ von künstlicher Intelligenz: Er spielte mehrere Show-Matches gegen Schachcomputer von IBM. Während er "Deep Thought" 1989 besiegen konnte, verlor er 1996 gegen "Deep Blue".

"Deep Blue" nicht sehr intelligent

„Es konnte zwei Millionen Züge pro Sekunde berechnen, war aber alles andere als intelligent. Es war in etwa so intelligent wie ein Wecker. Aber gegen einen zehn Millionen Dollar teuren Wecker zu verlieren, verbesserte meine Stimmung nicht gerade“, so Kasparow. AlphaGo sei hingegen laut Kasparow eher eine KI, da die Entscheidungen selbstständig in einer „Black Box“ getroffen werden - der Mensch kann aufgrund neuronaler Netze selbst nicht mehr nachvollziehen, was er eigentlich geschaffen hat.

Positive Effekte von KI

Während andere Prominente, wie Tesla-Gründer Elon Musk oder Physiker Stephen Hawking, vor den Gefahren einer künstlichen Intelligenz mit Bewusstsein warnen, hebt Kasparow die positiven Seiten hervor. Ihm zufolge könne KI die „unruhigen Hände“ der Menschheit in vielen Situationen beseitigen. So könnte KI Autos unfallfrei steuern oder bei medizinischen Diagnosen helfen.

Warnung vor der Überheblichkeit der Menschen

Dabei warnt er jedoch vor allem vor menschlicher Überheblichkeit. So ließen einige Schachturniere in den 90er Jahren Unterstützung durch Schachcomputer zu. Kurioserweise profitierten davon vor allem durchschnittliche Spieler, weil diese eher geneigt waren, den Empfehlungen des Computers zu folgen als erfahrene Profis. Vor einem ähnlichen Effekt warnt er beispielsweise in der Medizin, weswegen KI-Berater vor allem Krankenpflegern statt Ärzten zur Seite gestellt werden sollen.

Angst vor Jobverlust unbegründet

Die Furcht vor dem Jobverlust könnte den Fortschritt aber zunichte machen, warnt Kasparow. „Neue Technologie zerstört immer alte Jobs bevor sie neue Jobs kreiert, das war schon immer so“, warnt der in Aserbaidschan aufgewachsene Autor. „Wir alle haben diese Angst, dass uns Maschinen ersetzen und auslöschen könnten, aber ich glaube, dass es genügend Spielraum für Kreativität gibt.“

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