Der Begriff des Influencer ist in aller Munde. Gemeint sind damit Menschen, die durch ihre Social-Media-Präsenz so viel Aufmerksamkeit generieren können, dass mitunter große Marken an sie herantreten, um mit ihnen zu kooperieren. Die Blogger, Instagrammer oder Snapchatter werden zu einflussreichen Werbefiguren und auch über die sozialen Netzwerke hinaus bekannt. Julia, 26, kommt aus Wien und ist als Chic Choolee eine erfolgreiche Bloggerin. Wir sprachen mit ihr über ihre Anfänge, warum sie noch einen „normalen“ Job hat und über ihre Angst vor Zurückweisung.

futurezone: Was waren deine ersten Schritte im Bereich Social Media oder Blogging und wann hast du dich entschieden: „Ich mache da jetzt mehr draus“?

Julia: Irgendwie passierte das alles ganz spontan und war auch auf gar keinen Fall so geplant. Ich habe Instagram schon vor meiner Blogzeit genutzt und es dann einfach immer weitergeführt und den Fokus auf Travel und Mode gelegt. Ich habe intensiv Hashtags genutzt und regelmäßig auf Facebook gepostet und so wuchs das alles dann. „Ich mach jetzt mehr draus!“ denke ich mir auch heute noch oft. Bloggen ist ja ein ständig wachsender Prozess. Und man will sich immer weiterentwickeln.

Du hast rund 55.000 Follower auf Instagram, rund 5.700 „Likes“ auf Facebook, deinen Blog, bist auf YouTube unterwegs. Hast du einen Überblick, wie viele Stunden du in deine Kanäle investierst?

Sehr, sehr, sehr, sehr viele. Ich weiß leider nicht genau, wie viele Stunden es tatsächlich sind, aber ich bin gefühlt ständig online. Es ist ein dauerhaftes Präsent-Sein. Und da es doch einige Kanäle sind, poppt immer irgendwo anders mal eine Benachrichtigung auf. Es ist zwar schwer jedem einzelnen Follower auf Fragen und Kommentare zu antworten, aber ich bemühe mich dennoch jedem zurückzuschreiben.

Wie sieht es aus mit Twitter, dort scheinst du nicht sehr aktiv zu sein? Macht Twitter für dich keinen Sinn?

Ich glaube das kommt teilweise auf die Branche an – aber ja, in Deutschland und in Österreich macht es wenig Sinn, wenn man sich auf diese App versteift. Da die anderen Kanäle ohnehin schon sehr zeitaufwändig sind, habe ich Twitter und auch Snapchat immer gemieden, um meine Energie und Zeit (die ohnehin begrenzt ist) dem wirklich Wichtigen zu widmen.

Auf deinem Blog berichtest du über das Unverständnis deiner Familie und deiner Freunde. Haben die sich mittlerweile an deinen Job gewöhnt und ein Verständnis dafür entwickelt?

Ja mittlerweile haben sehr viele verstanden, was ich den ganzen Tag so mache. Dennoch ist es schwierig, jemandem, der mit der Branche absolut nichts am Hut hat, zu erklären, warum ich denn die ganze Zeit an meinem Handy hänge oder vor dem PC sitze. Ich weiß, das ist nie böse gemeint, sondern einfach nur Unwissenheit. Meine Familie und meine engsten Freunde wissen aber nun bestens Bescheid und unterstützen mich sehr.

Inwieweit bist du bereit, dein Privatleben mit deinen Followern zu teilen?

Das ist natürlich immer sehr schwierig und kommt, denke ich, auch auf die Situation an. Grundsätzlich bin ich, was das Thema betrifft, aber sehr offen gegenüber meinen Lesern.

Auf deinem Blog habe ich gelesen, dass du noch einen „echten“ Job hast? Bei derart viel Aktivität auf all deinen Kanälen: Wieso hast du dich noch nicht für eine Karriere als Vollzeit-Bloggerin entschieden?

Das ist richtig. Ich bin mit meinem Job sehr zufrieden und kann mir das Reisen sehr gut einteilen. Zudem bin ich nicht mehr Vollzeit beschäftigt. Ich fühle mich mit meinem Job doch sicherer, und außerdem habe ich für die naheliegende Zukunft große Pläne, die eine finanzielle Absicherung voraussetzen.

Du schreibst von der Angst, abgelehnt zu werden. Doch gerade in den sozialen Netzwerken kann einem ja manchmal ziemlich viel Hass entgegenschlagen. Wie gehst du mit so etwas um?

Zum Glück bin ich, was Hasskommentare oder harte Kritik angeht, bis heute weitgehend verschont geblieben. Die Besucher auf meinen Social-Media-Kanälen und auch auf meinem Blog haben noch keinen bösen Kommentar da gelassen, der mich treffen könnte. Zumindest keinen gravierenden. Aber klar – es ist schwierig, und wenn ich über ein spezielleres Thema schreibe, habe ich immer Angst vor einem Shitstorm.

Nach welchen Kriterien entscheidest du, welche Kooperationen du mit welchen Firmen eingehst? Gibt es Produkte oder Firmen, mit denen du niemals zusammenarbeiten würdest?

Ich lehne wirklich sehr viele Kooperationen und Reisen ab, da ich mich nicht mit jedem Produkt identifizieren kann. Das war zu Beginn schon schwer und ich musste das erstmal lernen. Für mich ist das Wichtigste, dass das Produkt, das ich bewerbe, 100 Prozent zu mir passt und ich hinter dem Produkt stehen und es mit voller Überzeugung promoten kann. Ich würde zum Beispiel niemals für Pelz werben.

Zum Abschluss: Kannst du unseren Lesern vielleicht ein paar Tipps mit auf den Weg geben, wenn sie ihre eigenen Accounts ein wenig „pimpen“ wollen? Hast du einige Best-Practice-Hinweise oder Dos & Dont’s?

Das Wichtigste ist wohl, dass man sich selbst immer treu bleibt und sich nicht verstellt. Authentizität ist den Lesern super wichtig und macht sehr viel aus. Wer versucht jemand anderes zu sein, wird es nicht weit bringen. Das ist mal die oberste Regel. Des Weiteren muss man in dem Business einfach dranbleiben. Erfolg passiert nicht von einem Tag auf den nächsten. Nur, wer sehr viel Geduld und Durchhaltevermögen an den Tag legt, wird am Ende des Tages zurückblicken und sagen können: I did it!

Nächste Woche auf futurezone: Ein Gespräch mit der Berliner Fotografin und Instagrammerin Antje (aladiia).

Weitere futurezone-Interviews:

The fabulous life of Ricci: futurezone spricht mit einem der erfolgreichsten Blogger der deutschen Hauptstadt

Medizin 2.0: „Patienten mehr Möglichkeiten geben“

Du willst mehr von uns lesen? Folge uns auf Google News.