Großbritannien möchte ab 2040 die Neuzulassung von Benzinern und Dieselfahrzeugen verbieten. 2050 sollen sogar alle Autos mit Verbrennungsmotor von den britischen Straßen verbannt werden.Tesla baut ein E-Auto für „alle“, selbst der Chef des Öl-Giganten Shell will bald einen Strom-BMW fahren.

Doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Der Hype um den elektrischen Antrieb ist nichts Neues. Nicht nur vor 30 Jahren, sondern bereits vor gut 120 Jahren war das Thema populär und wurde als alternativloses Konzept für die Zukunft gehandelt – mit mäßigem Erfolg, wie der heutige Entwicklungsstand verdeutlicht.

Elektroautos in der Überzahl

Von Marktanteilen um die 40 Prozent können Hersteller wie Tesla und Umweltaktivisten heute nur träumen, doch um 1900 waren sie in den USA Realität. Elektroautos gehörten zum alltäglichen Straßenbild und waren sogar häufiger anzutreffen als der Benzinmotor, der nur in 22 Prozent aller Fahrzeuge verbaut war.

34.000 elektrisch betriebene Vehikel fuhren Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Straßen der USA. Zum Vergleich: Heute sind es ungefähr 570.000, die jedoch aufgrund des größeren Marktes nur einen Anteil von 0,9 Prozent ausmachen. 565 Hersteller produzierten zwischen 1896 und 1939 Elektroautos, heute sind es circa 80.

Pionier der Geschwindigkeit

Auch bei neuen Bestmarken gehörten die E-Autos um die Jahrhundertwende zu den Pionieren. Den ersten dokumentierten Geschwindigkeitsrekord in einem Automobil überhaupt stellte der Franzose Charles Jeantaud am 18. Dezember 1898 auf. Mit dem Fahrzeug “ Jeantaud Duc” erreichte er 62,7 Stundenkilometer. Der Belgier Camille Jenatzy erreichte mit dem Auto “ La Jamais Contente” 105.88 Stundenkilometer, und war damit der erste Mensch, der in einem Landfahrzeug die magische 100-Kilometer-pro-Stunde-Grenze knackte.

1912 wurde der Höhepunkt der Verkaufszahlen erreicht, danach begann die Zeit des Verbrennungsmotors und Elektroautos verkamen zu einem Nischenprodukt.

Ursache für den Niedergang: Faulheit

Warum sich Elektroautos nicht durchsetzen konnten und bereits ab den 1920er Jahren keine große Rolle mehr spielten, lag vor allem an dem Einfluss der “Standard Oil Company”. In den USA und Ländern in denen der damals größte Öl-Konzern aktiv war, wurde Benzin durch geschickte Lobbypolitik und Marktmacht zum Standard-Kraftstoff, sogar Henry Ford stellte sein berühmte Model T von Ethanol- auf Benzinbetrieb um.

Eine weitere, wesentlich profanere Ursache für die Verdrängung der E-Autos liegt an der menschlichsten Eigenschaft überhaupt: der Faulheit. Lange Zeit mussten Benziner per Handkurbel angedreht werden, die elektrische Alternative wurde bequem per Knopfdruck gestartet. Als dann der Anlasser markttauglich wurde, überwog beim Ottomotor genau der Vorteil, der auch heute ein Elektroauto unattraktiv macht: die Reichweite.

Vielleicht klappt’s ja diesmal

Noch ist viel zu tun in Sachen Elektromobilität. Vor allem die Akkutechnologie muss noch besser werden, wobei auch hier Fortschritte erzielt werden. Doch Meldungen, wie die des Ausstiegs Volvos aus der Ottomotor-Produktion und der Erweiterung der elektrischen Infrastruktur, lassen hoffen, dass der E-Autohype, nicht nur von kurzer Dauer ist.

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