Wir müssen wahrscheinlich nicht genauer beschreiben
Wir müssen wahrscheinlich nicht genauer beschreiben

Wer erinnert sich noch an „Second Life“ (SL)? Die Plattform bot ihren Nutzern die Möglichkeit, eigene Welten zu erschaffen und mnit anderen zu teilen. Als SL am 24. Juni 2003 online ging, konnte niemand ahnen, was aus der virtuellen 3D-Welt werden würde. Sie entwickelte sich langsam aber stetig zu einem echten Hit. Auf dem Gipfel des Erfolgs hatte die Online-Welt bis zu 36 Millionen registrierte Benutzerkonten, bis zu 70.000 Nutzer gleichzeitig tummelten sich auf dem Paralleluniversum.

SL zieht Werbekunden an

Es dauerte nicht lange, bis auch Firmen und Politik die immer erfolgreicher werdende digitale Welt für sich entdeckten. Globale Marken wie Adidas, BMW, Sony und IBM errichteten virtuelle Niederlassungen in „Second Life“, in denen die Avatare („Bewohner“) Produkte kaufen konnten.

Bezahlt wurde in einer eigenen Währung, dem Linden Dollar (L$). Die Bewohner des „Second Life“ hatten auch die Möglichkeit, reales Geld in Linden Dollar zu tauschen. Im Februar 2012 betrug der Wechselkurs ungefähr 345 Linden-Dollar zu einem Euro. Wer kein echtes Geld in die Hand nehmen wollte, konnte sich etwa als virtueller DJ verdingen. Auch andere Dienstleistungen waren im Second Life erhältlich…

Hype in den Medien

Auf dem Höhepunkt des Hypes, zumindest in Deutschland, veröffentlichte der größte Verlag Deutschlands, Axel Springer, eine virtuelle Boulevard-Wochenzeitung innerhalb von „Second Life“, genannt „AvaStar“. Das Projekt lief von 2006 bis 2008 und war zu Beginn kostenlos. Später sollte das „Blatt“ für 150 Linden Dollar verkauft werden. Ehe es jedoch dazu kam, zog sich der Verlag zurück.

Auch Spiegel Online zeigte Interesse an dem virtuellen Treiben und kreierte eigens den Avatar Sponto. Auf seiner Online-Präsenz berichtete das Magazin dann in Form von Tagebucheinträgen über den Alltag in SL.

Die Politik darf nicht fehlen

Politiker nutzen gerne jede Gelegenheit, um auf sich und ihre Sache aufmerksam zu machen. So natürlich auch in „Second Life“. Wie der Spiegel 2007 berichtete, wurden sogar Teile des französischen Präsidentenwahlkampfs in den Welten des „Second Life“ geführt.

Probleme mit Kriminalität

Immer wieder standen die Macher hinter SL in der Kritik, da ihre Plattform für kriminelle Absichten benutzt würde. So berichteten beispielsweise im Jahr 2007 mehrere Medien über einen Fall, bei dem ein deutscher Spieler kinderpornografisches Material verbreitet haben soll.

Und heute?

Heute gibt es die virtuelle Welt immer noch. Von der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen, treiben sich immer noch einige hartgesottene Bewohner auf der Plattform rum. Der Zahl der Nutzer soll Mitte 2017 nur noch bei 800.000 gelegen haben, wie das Online-Magazin kotaku berichtete. Wie viele es tatsächlich noch sind, ist nicht bekannt. Als Nachfolger wurde „Project Sansar“ entwickelt, eine Virtual Reality-Version von „Second Life“, die in einer Beta-Version verfügbar ist.

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